mana — Verein in Gründung Tägerwilen TG Machbarkeits-Skizze 28.07.2026 Blatt 1–12 Stand: Rosette 7 + 1, zwei Terrassen mit Treppe, zwei Wintergärten

Ein Haus, das gebaut ist wie sein Quellcode

Eine Machbarkeits-Skizze für ein mana‑HQ, abgeleitet aus der Architektur, die wir ohnehin schon betreiben. Aus fünf Varianten wurde eine — hier steht, wie weit sie gediehen ist.

Die Software des Vereins hat längst eine Ordnung: eine gemeinsame Plattform, darauf eigenständige Apps; eine Tür für alle Konten; Räume, die auch dann funktionieren, wenn die Leitung nach draussen abreisst; Installationen, die offen liegen, weil sie jeder nachlesen können soll. Das sind keine technischen Zufälle — das sind Entwurfshaltungen. Ein Haus, das aus ihnen folgt, sieht in fünf sehr verschiedenen Richtungen aus.

Jede Variante unten ist eine ernst gemeinte, eigenständige Antwort — nicht vier Strohmänner und ein Favorit. Entschieden wurde inzwischen Variante B, der Hof — ausgeführt als Wabenraster aus gleichen Sechseck-Zellen. Blatt 04 hält die Abwägung fest, Blatt 05 das Modul, seine Grössen und fünf Anordnungen. Seither ist der Entwurf einen Schritt weiter: gebaut wird kompakt, ohne Hof — sieben Zellen um eine zweigeschossige Mitte, zwei davon mit begrünter Dachterrasse nach Osten und Westen, von jeder Terrasse eine eigene Treppe hinunter in den Garten, und nach Norden wie nach Süden je eine angebaute Zelle als Wintergarten aus Balken: Blatt 06, dort auch die Frage, welche Darstellungen zum Planen taugen, und das drehbare Modell. Blatt 07 stellt Möbel hinein und rechnet nach, wie viel vom Raumprogramm dieses Haus wirklich fasst — die Antwort ist unbequem.

Stand heute

Dieses Blatt ist über mehrere Runden gewachsen und liest sich in der Reihenfolge, in der es entstanden ist. Wer nur wissen will, wo der Entwurf steht, liest diese Seite — das Register darunter sagt, wann was entschieden wurde und was es abgelöst hat.

Entschieden

  • Wabenraster aus gleichen Sechseckzellen, aus Variante B entwickelt
  • Seitenlänge 3,75 m — 36,5 m² je Zelle (08)
  • Kompakte Rosette, 7 + 1 Zellen, ohne Hof (06)
  • Zwei begrünte Dachterrassen, Ost und West (06)
  • Zwei gegenläufige Aussentreppen an den Zeltdachzellen (06)
  • Zwei Wintergärten aus Balken, Nord und Süd (06)
  • Kein eigener Saal für 60 — wird gemietet oder findet draussen statt (07)
  • Holzrahmen-Tafelbau als Weg A, Einblas-Zellulose, Stehfalz, sägerohe Schalung (10)

Offen

  • Noch kein Grundstück — eine Parzelle in Tägerwilen ist im Blick, Zone offen (13). Das Baufeld misst 20,53 × 30,15 m — die Zahl, an der alles andere hängt
  • Geht Etappe 0 ohne ordentliches Baugesuch? (09)
  • Zählen die Wintergärten als Pufferraum oder als Aufenthaltsraum?
  • Ist eine Zelle ein Bauteil oder ein Gebäude?
  • Das Ost-West-Versprechen der Terrassen ist nicht gerechnet
  • Der 21-cm-Eckständer bleibt eine Wärmebrücke (10 a)
  • Der Materialweg ist nicht entschieden — vier Wege gerechnet, Vergleich auf Blatt 10 e; die Empfehlung hängt am Grundstück
  • Der Containerbau (10 f) bliebe ein Bruch mit dem Wabenraster — geprüft, nicht empfohlen; als Etappe 0 aber brauchbar
  • Ziegel oder Stehfalz — die Empfehlung steht, die Entscheidung nicht
  • Wo verläuft die Grenze zwischen Zimmerei und Verein?

Als Nächstes

  • Ein Vorgespräch mit der Gemeinde — drei Fragen auf einmal: Kleinbaute, Pufferraum, Zelle als Bauteil
  • Ein Kartonmodell — der Bogen liegt auf Blatt 12, eine Zelle mehrfach ausgedruckt, an einem Abend gebaut, und die einzige Darstellung, an der auch jemand mitentscheiden kann, der nie einen Plan gelesen hat
  • Ein Spengler-Angebot für die drei Knoten: Laternenfuss, Treppenwange, Traufanschluss Glasdach
  • Das Sonnenstandsdiagramm ist gerechnet (Blatt 06, Abb. 24 und 25) — aus demselben Modell wie Abb. 23. Was noch fehlt, ist die Umgebung: Nachbargebäude und Bäume kommen erst mit einem Grundstück dazu

Das Haus in Zahlen

Jede Zahl genau einmal. Wo in den Blättern etwas anderes steht, gilt diese Tabelle — die Blätter halten den Stand ihres Entstehungstags fest.

GrösseWertWoher
Seitenlänge a3,75 mBlatt 08 — 6 × 0,625 m Ständerraster
Fläche je Zelle36,5 m²2,598 · a²
Schlüsselweite6,50 müber die Flachseiten
Ecke–Ecke7,50 mDiagonale
Grösstes eingeschriebenes Rechteck6,50 × 3,75 m= 24,4 m². Alles Rechteckige passt nur hier hinein
Rosette, 7 Zellen256 m²Erdgeschoss
Empore23 m²über der Halle
Dachterrassen2 × 30 m²begrünt, begehbar
Wintergärten2 × 36,5 m²unbeheizt, nur Balken
Traufe / First / Laterne3,20 / 4,05 / 6,80 mHöhen sind absolut, sie folgen der Nutzung
Zeltdachneigung14,7°bei 3,75 m Facette — trägt Stehfalz, keine Ziegel
Wintergarten-Gefälle7,6°an der unteren Grenze für Glas
Baufeld Rosette19,49 × 18,75 m5,196 a × 5 a
Baufeld mit Treppen und Wintergärten20,53 × 30,15 mdie Zahl für den Grundstückskauf
Programmdeckung ohne Saal97 %279 von 287 m² (08)
Fixkosten, einmalig72–122 kCHFunabhängig von der Zellenzahl (09)
Etappe 0 — Wintergarten allein27–44 kCHFnur Balken, keine Erschliessung
Erste beheizte Zelle186–282 kCHF5 100–7 700 je m²
Jede weitere Zelle71–103 kCHF2 000–2 800 je m²
Voller Ausbau≈ 880–1 270 kCHFohne Land, ohne Reserve

Entscheidungs-Register

Der Bericht ist gewachsen, und spätere Blätter haben frühere korrigiert. Statt die alten Stellen zu löschen, stehen sie weiter da — hier steht, was inzwischen gilt und was es abgelöst hat.

EntschiedenStattWarumBlatt
Variante B, der HofSockel, Halle, Riegel, WeilerGleichrangige Räume im Ring statt Hierarchie; die Föderation als Bauform.04
Wabenraster aus Sechseckenrechtwinkliges KarreeEin Modul, sechs Nachbarn, wachstumsfähig in jede Richtung.05
Kompakt, ohne Hof — volle Rosette 7 + 1Ring um einen offenen HofKein Korridor, kürzeste Leitungen, eine Traufe. Der Hof geht verloren.06
Raster um 30° gedreht (pointy-top)flat-topErst so gibt es eine echte Ost- und eine echte Westzelle. Preis: keine reine Nord- und Südzelle.06
Zwei begrünte Dachterrassen, Ost und Westsieben ZeltdächerZwei Aussenräume, die sich in der Sonne ablösen — und vier der sechs Dachkehlen verschwinden.06
Von jeder Terrasse eine Aussentreppeein Weg über die EmporeZweiter Fluchtweg gebaut statt vertagt; Pflege ohne Weg durch die Küche.06
Treppen an den Zeltdachzellen, punktsymmetrischan den Terrassenzellen, gespiegeltKüche und Werkbank haben kein Dachlicht — vor ihre Hauptfassade gehört keine Wange. Gegenläufig münden die Fluchtwege diagonal gegenüber.06
Wintergarten, ans Haus angebautGartenlaube, eine Zellbreite abgerücktEr ersetzt den Hof, den Variante B hatte. Kostet den Nebengebäude-Status.06
Zwei Wintergärten, Nord und Süd, nur aus Balkeneiner im Süden, mit GlasflächenDer Grundriss hat zwei Kerben. Süd ist die Sonnenfalle, Nord das blendfreie Atelierlicht.06
Kein eigener Saal für 60Vereinssaal 75 m² aus dem RaumprogrammEin Raum für 60 will eine Spannweite; dieses Haus besteht aus Zellen. Für zwei Termine im Jahr ist das ein Mietsaal.07
Seitenlänge 3,75 m2,90 mEinzige Grösse, in der das Programm ohne Saal in sieben Zellen aufgeht — und die einzige Entscheidung, die sich später nicht revidieren lässt.08
Holzrahmen-TafelbauBrettsperrholzBSP ist verklebt und kranpflichtig — es bricht „geschraubt statt verklebt" und das Tafelmass in einem Bauteil.10
Traufe bleibt bei 3,20 mAbsenken auf 3,00 mDer Vorschlag hing an der BSP-Plattenbreite. Mit Holzrahmen gibt es diese Grenze nicht mehr.10
Stehfalz empfohlenZiegel aus der Ortsbaukultur-ZeileSechs Grate je Zeltdach machen Ziegelverschnitt zum Kostentreiber. Noch nicht entschieden.10
Eine Geometrie, zwei Renderervon Hand nachgeführte ZeichnungenDie alte Axonometrie hatte die Terrassen auf Nordwest/Südost und kannte die Treppen nicht. Pläne, Axonometrie und 3D rechnen jetzt aus modell.mjs.06

Was in den Blättern stehen bleibt. Blatt 05 empfiehlt weiterhin 2,90 m und Blatt 07 prüft die Möblierung an dieser Grösse — beides ist durchgestrichen und mit einem Verweis versehen, aber es bleibt lesbar. Blatt 07 ist der Grund, warum Blatt 08 überhaupt entstanden ist; wer es löscht, löscht die Begründung mit.

Variante ADer Sockel
Variante BDer Hofgewählt → Blatt 05/06
Variante CDie Halle
Variante DDer Riegel
Variante EDer Weiler

Abb. 1 — Massenskizzen der fünf Varianten, gleicher Massstab-Eindruck, ohne Massstab. Anklickbar.

00Ausgangslage
Was gebaut werden müsste

Was hier überhaupt untergebracht wird

Ein HQ für mana ist kein Bürohaus. Es ist eine Werkstatt mit Rechenzentrum, Tonstudio und Vereinslokal — und der grösste Teil davon steht heute schon irgendwo herum: der Mac Mini als Plattform-Server, die GPU-Workstation für STT, TTS und Bildgenerierung, die 3D-Drucker der Werkstatt, die Sprachnotizen-Aufnahmen, die Druckerzeugnisse, das Vereinsarchiv.

Das Programm folgt also nicht aus einem Wunsch, sondern aus dem Inventar. Grössenordnungen, bewusst klein gehalten — ein Verein mit einem Betreiber und ein paar Aktiven, nicht ein Institut:

Raum Wofür — aus dem laufenden Betrieb
Pforte / WindfangEine Tür, ein Schlüssel. Ankommen, Post, Schuhe.12
Werkbank2–4 Arbeitsplätze, Bildschirme, Bücher in Griffweite.45
Werkstatt3D-Druck, Löten, NFC-Schmiede, Münzen, Prototypen. Laut, staubig.45
MateriallagerFilament, Platinen, Druckerzeugnisse, Versand.20
StudioSprachnotizen, TTS-Stimmen, Lernbühne-Vertonung. Schallentkoppelt.18
ServerschrankMac Mini, Switch, USV, Storage. Kein Rechenzentrum — ein Schrank.8
Heiz-/TechnikraumGPU-Knoten, Batteriespeicher, Wärmeabgabe, Netzübergabe.14
BibliothekArchiv, Belege, Statuten, Bücher, ruhiger Leseplatz.22
VereinssaalMitgliederversammlung (~60 Personen), Kurse, Vorträge.75
Küche / TischDer eigentliche Vereinsraum. Wird am meisten benutzt.25
SchaufensterAusstellung, Kisten-Spielecke für Kinder, Galerie.40
Gast- / KnotenzimmerBesuch, Mitarbeit auf Zeit, ein Knoten des Compute-Netzes.16
Sanitär, GarderobePublikumsverkehr heisst: zwei WC, eines barrierefrei.22
ErschliessungGänge, Treppe, Wände (≈ 18 % Zuschlag).65
SummeGeschossfläche, gerundet≈ 430

Das ist die Endausbau-Zahl. Kein Bauteil davon muss in der ersten Etappe stehen — die Etappierbarkeit ist deshalb bei jeder Variante eine eigene Kennzahl, und am Ende das entscheidende Kriterium.

01Übersetzungs­schlüssel
Software → Bauteil

Wie aus einer Architektur-Entscheidung ein Bauteil wird

Der Reiz der Aufgabe liegt nicht in der Bebilderung („Server = Herz des Hauses"), sondern darin, dass die Regeln des Stacks tatsächlich bauliche Konsequenzen haben. Diese Tabelle ist die Grundlage aller fünf Varianten — sie gilt in jeder davon.

Im Code Im Haus
mana-auth
ein Konto, alle Apps
Eine Tür. Ein Schlüssel öffnet Werkstatt, Studio, Saal und Archiv. Es gibt keinen zweiten Eingang „nur für die Werkstattleute".
JWKS lokal,
kein Live-Call
Jedes Schloss kennt den Schlüssel selbst. Niemand ruft beim Pförtner an, um hineinzukommen — der Pförtner darf schlafen, ohne dass das Haus stillsteht. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Zutrittsanlage, die am Netz hängt, und einem Schliessplan.
X-Service-Key Der Lieferanteneingang: andere Tür, anderes Schloss, kein Publikumsverkehr, direkt ans Lager.
Local-first,
„lokal heisst gratis"
Jeder Raum funktioniert allein: Tageslicht, ein Ofen, ein Fenster zum Öffnen, eine Handkurbel. Netzausfall ist kein Betriebsausfall. Kein Raum, der ohne Zentrale dunkel bleibt.
Offen by default
AGPL / Apache
Installationen sichtbar geführt — Leitungen, Lüftung, Statik ablesbar, nicht hinter Gipskarton. Wer verstehen will, wie das Haus funktioniert, muss keine Wand aufschlagen. Der einzige geschlossene Raum ist der, in dem fremde Daten liegen.
Kein Vendor-Lock Keine Cloud-Gebäudetechnik, kein proprietäres Bussystem, das in fünf Jahren abgekündigt wird. Neben jeder Automatik ein mechanischer Schalter.
Langlebigkeit
vor Tempo
Die Schichten werden nach ihrer Wechselrate getrennt gebaut: Tragwerk 100 Jahre, Hülle 30, Technik 15, Ausbau 5. Geschraubt statt verklebt, damit die schnelle Schicht die langsame nicht mit sich reisst.
Ein Produkt,
ein Repo
Jede Tätigkeit ein eigener Raum mit eigener Tür und eigenem Rhythmus — kein Grossraum, in dem alle gleichzeitig leise sein müssen.
mana-events
Pub/Sub
Die Hausleitung im Rückgrat: eine sichtbare Installationsachse, an die sich jeder Raum anschliesst — Strom, Netz, Luft, Anschlagbrett.
mana-share
Föderation
Der Hof. Gemeinsamer Boden, den alle betreten, ohne dass einer der Räume dem anderen übergeordnet wäre. Neue Beteiligte hängen sich an den Ring, statt einzuziehen.
mana-media
MinIO-Buckets
Das Magazin: fensterlos, kühl, hohe Regale, ein Register an der Tür. Nichts Repräsentatives, alles auffindbar.
mana-credits Die Kasse — verglast. Wer will, sieht das Buch. Die Aufteilung 80/5/5/5/5 hängt als Tafel daneben, nicht in einem PDF.
GPU-Box
RTX 3090
Der Heizraum. Die Abwärme wird nicht weggelüftet, sondern ins Haus geführt — realistisch 0,3–0,8 kW Dauerleistung: eine Grundlast, keine Heizung. Sommer-Bypass übers Dach.
Ports
PORTS.md
Die Zimmernummern. 3001 Pforte, 3061 Kasse, 3063/64 Studio, 3065 Magazin, 3067 Poststelle, 3071 Vereinsbüro, 3072 Hof, 3076 Auskunft. Eine Nummer wird nicht zweimal vergeben — im Haus so wenig wie im Register.
Reduced Motion,
ruhige Listen
Keine bewegte Fassade, keine Medienbespielung, kein Licht, das auf Anwesenheit reagiert. Das Haus tritt in den Hintergrund, wie die Apps es sollen.
Reichweite,
alte Geräte
Barrierefrei ohne Gerät: Rampe vor Lift, Klinke vor App, Beschriftung vor Bildschirm. Wer kein Smartphone hat, kommt trotzdem rein.
Grassroots,
lokal anfangen
Ortsbaukultur Thurgau/Bodensee: Ökonomiegebäude-Typologie, Riegel, Holz und Ziegel, kein Signature-Bau. Ein Haus, das aussieht, als hätte es schon immer dort gestanden.

Zwei dieser Zeilen entscheiden die Variantenwahl fast allein: „Schichten nach Wechselrate" und „lokal heisst gratis". Die erste verlangt, dass sich der Ausbau ändern lässt, ohne das Tragwerk anzufassen. Die zweite verlangt, dass kein Raum von einer Zentrale abhängt. Beides zusammen zeigt später auf Variante C.

Farbcodierung der Zeichnungen

Technik & Speicher Werkstatt & Studio Öffentlichkeit Verein & Arbeit
ASockel und
Pavillons

Schnitt
A

Der Sockel

Ein durchgehender, massiver Sockel nimmt alles Gemeinsame auf: Pforte, Kasse, Magazin, Technik, Heizraum, Archiv. Darauf stehen leichte Pavillons — einer je Tätigkeit, jeder mit eigenem Dach, eigenem Fenster, eigener Treppe. Wer in einen Pavillon will, geht immer erst durch den Sockel.

Das ist platform/ und apps/, eins zu eins in Beton und Holz: die Plattform trägt, die Produkte stehen darauf und können einzeln abgebrochen und neu gebaut werden, ohne dass das Fundament angerührt wird.

3001 Pforte 3061 Kasse 3065 Magazin Heizraum / GPU Archiv Auth · Kasse · Speicher · Technik — das Gemeinsame Werkbank Werkstatt laut, staubig, hoch Studio Saal 60 Personen Treppe 010 m

Abb. 2 — Variante A, schematischer Schnitt. Der Sockel ist ein Bauwerk, die Pavillons sind austauschbar.

Spricht dafür

  • Die Hierarchie ist gebaut und dadurch lesbar: Plattform unten, Produkte oben.
  • Alle Technik gebündelt — kürzeste Leitungen, ein Brandabschnitt, eine Kühlung.
  • Ein Pavillon kann ersetzt werden, ohne dass der Betrieb im Sockel stoppt.
  • Die Dachflächen der Pavillons sind ideal für PV; der Sockel puffert thermisch.

Spricht dagegen

  • Der Sockel muss für den Endausbau dimensioniert werden — hohe Vorleistung, bevor irgendetwas nutzbar ist.
  • Die Hierarchie steht auch dann noch, wenn sie nicht mehr stimmt. Föderation ist ausdrücklich keine Über-/Unterordnung.
  • Erdgeschoss ohne Tageslicht: die schlechtesten Räume bekommen die meisten Stunden.
  • Vier Dächer, vier Treppen, vier Hüllen — teuer pro Quadratmeter.
Geschossfläche
≈ 520 m²
Fussabdruck
≈ 330 m²
Etappierbar
mittel
Grössenordnung
1,4–1,8 Mio
Passt zu
Plattform-Denken
BKarree um
einen Hof

Grundriss EG
B

Der Hof

Gleichrangige Räume im Ring, in der Mitte ein Hof. Kein Raum ist wichtiger als der andere, keiner liegt „unter" einem anderen. Erschlossen wird über den Hof — man tritt ins Freie, um in den nächsten Raum zu gehen, und begegnet dabei zwangsläufig den anderen. In der Mitte steht ein kleiner Pavillon: Anschlagbrett, Auskunft, Übergabe. Die Drehscheibe, nicht die Zentrale.

Das ist die Föderation als Bauform. Ein neuer Beteiligter — eine befreundete Organisation, ein Auftragsprojekt mit eigener Hardware — hängt sich an den Ring an, ohne dass innen umgebaut wird.

Werkbank 3 Plätze Werkstatt 3D-Druck · Elektronik · NFC Studio 3063 / 3064 Server 3001 · Schrank Heizraum GPU · Speicher Küche Archiv Bibliothek Saal Schaufenster Gast Hof gemeinsamer Boden · 3072 Auskunft Baum Tor Etappe 3: weiterer Peer N 010 m

Abb. 3 — Variante B, Grundriss Erdgeschoss. Der Hof ist der eigentliche Hauptraum; die gestrichelte Fläche zeigt, wie der Ring später wächst.

Spricht dafür

  • Gleichrangigkeit ist gebaut — genau das, was Föderation meint.
  • Wachstum durch Anfügen an den Ring, ohne Eingriff in den Bestand.
  • Der Hof ist Klimapuffer, Veranstaltungsfläche und Vereinsraum in einem — er kostet fast nichts und wird am meisten genutzt.
  • Laute und leise Nutzungen liegen weit auseinander, statt sich eine Decke zu teilen.

Spricht dagegen

  • Ein Viertelring ist kein Hof. Die erste Etappe muss fast vollständig sein, damit die Idee überhaupt trägt — die teuerste denkbare Anfangsetappe.
  • Braucht ein grosses, ebenes Grundstück (≈ 900 m² inkl. Hof).
  • Erschliessung über den Hof heisst bei Regen und Schnee: nass, und die Technik-Wege laufen mit.
  • Viel Aussenwand pro Nutzfläche — energetisch und finanziell ungünstig.
Geschossfläche
≈ 620 m²
Grundstück
≈ 900 m²
Etappierbar
schlecht
Grössenordnung
1,6–2,1 Mio
Passt zu
Föderation
CHalle mit
Möbeln

Querschnitt
C

Die Halle

Ein einziger, hoher, billiger, sehr langlebiger Raum — und alles Weitere ist Möbel. Studio und Serverraum sind gedämmte Boxen, die in die Halle gestellt werden; darüber liegt eine Galerie mit Werkbank und Bibliothek; die Werkstatt braucht ohnehin nur Boden, Strom und Absaugung. Beheizt werden die Boxen, nicht die Halle.

Das ist die Trennung nach Wechselrate, gebaut: das Tragwerk hält hundert Jahre und wird nie wieder angefasst, die Einbauten werden umgestellt, wenn sich der Verein ändert — ohne Bewilligung, ohne Bauzeit, ohne Handwerker. Und es ist die einzige Variante, die man mieten kann, statt sie zu bauen.

PV auf der Südseite Studio entkoppelt, doppelschalig Server + GPU, Abwärme → Galerie: Werkbank · Bibliothek Werkstatt nur Boden, Strom, Absaugung Saal / Schaufenster Möbel, keine Wände Installationsschiene — Strom, Netz, Luft, sichtbar 010 m

Abb. 4 — Variante C, Querschnitt. Nur die schwarze Linie ist Bauwerk; alles Farbige ist Ausbau und kann an einem Wochenende anders stehen.

Spricht dafür

  • Die mit Abstand günstigsten Quadratmeter — und die einzige Variante, die als Einmietung in ein bestehendes Ökonomiegebäude sofort funktioniert.
  • Schichtentrennung wörtlich: Tragwerk 100 Jahre, Einbauten 5 — genau der Rhythmus von Plattform und Apps.
  • Beheizt wird nur, was beheizt sein muss. Der Rest ist Kaltraum, wie eine Scheune.
  • Umbau ohne Bewilligung: was Möbel ist, braucht kein Baugesuch.
  • Die GPU-Abwärme reicht für Boxen, auch wenn sie für eine Halle nie reichen würde.

Spricht dagegen

  • Akustik. Eine Halle ist laut; Werkstatt und Telefonat im selben Luftraum funktionieren nicht ohne Disziplin und Absorber.
  • Die Grossraum-Falle: ohne die Boxen-Disziplin sitzen am Ende alle in einem Raum — das Gegenteil von „ein Produkt, ein Repo".
  • Kein repräsentativer Vereinsraum. Eine Mitgliederversammlung in einer Halle ist charmant oder schäbig, je nach Ausführung.
  • Ohne Hof oder Vorplatz fehlt der öffentliche Boden — deshalb die Ergänzung in der Empfehlung.
Geschossfläche
≈ 420 m²
+ Galerie
≈ 90 m²
Etappierbar
sehr gut
Neubau
0,9–1,2 Mio
Im Bestand
80–250 T
DRückgrat und
Zimmer

Grundriss EG
D

Der Riegel

Ein langes, schmales Haus mit einem Rückgrat in der Mitte: der Gang führt Menschen, Leitungen und Nachrichten zugleich. Räume hängen links und rechts daran, jeder mit einer Nummer. Gewachsen wird am Kopf — man verlängert das Haus um ein Feld, und alles Bestehende bleibt unberührt.

Das ist der Event-Bus als Bauwerk, und zugleich die Typologie, die im Thurgau ohnehin überall steht: das Ökonomiegebäude, der Riegelbau, die Remise. Die Zimmernummern sind die Ports.

Rückgrat: Gang + Installationsachse + Anschlagbrett — 3074 3001 Pforte + Schaufenster 3061 Kasse 3071 Vereinsbüro Werkstatt 3065 Magazin 3063/64 Studio Saal Küche · Tisch Archiv Server + Heizraum Abwärme speist den Gang Etappe +1 Feld anhängen Eingang N 010 m

Abb. 5 — Variante D, Grundriss. Ein Feld anhängen, und das Haus ist eine Etappe grösser; der Gang wächst einfach mit.

Spricht dafür

  • Additiv im besten Sinn: jede Etappe ist ein fertiges Haus, keine Vorleistung liegt brach.
  • Klare Adressen. Jeder Raum hat eine Nummer und einen Anschluss ans Rückgrat.
  • Billigste Statik, schmales Grundstück (≈ 15 × 60 m), passt in fast jede Gewerbezone.
  • Ortsbaukulturell die selbstverständlichste Form — sie fällt niemandem auf.

Spricht dagegen

  • Das Rückgrat ist ein Single Point of Failure — derselbe Befund, den der Architektur-Review dem Event-Bus gemacht hat. Ist der Gang blockiert, steht alles.
  • Linear heisst lange Wege: vom Studio zur Küche 50 Meter.
  • Der Gang ist verlorene Fläche, wenn er nicht auch Aufenthalt ist — dann muss er breiter und damit teurer werden.
  • Keine Mitte. Ein Verein braucht einen Ort, an dem man sich trifft, ohne sich verabredet zu haben.
Geschossfläche
≈ 480 m²
Grundstück
schmal, ≈ 15 × 60 m
Etappierbar
sehr gut
Grössenordnung
1,1–1,5 Mio
Passt zu
Event-Bus, Ports
EStreusiedlung
+ Knoten

Situation
E

Der Weiler

Kein Haus, sondern fünf kleine, je 40 bis 90 m², um einen gemeinsamen Anger gestellt. Jedes autark: eigenes Dach, eigener Ofen, eigene PV, eigener Zugang. Man geht über den Platz, um von einem ins andere zu kommen. Dazu Knoten ausserhalb des Grundstücks — Rechenleistung bei Mitgliedern, per Leitung angebunden, baulich gar nicht vorhanden.

Das ist local-first bis in die Bodenplatte und zugleich das dezentrale Compute-Netz: kein Ort kann das Ganze stilllegen, auch nicht der eigene.

Anger Werkbank+ Küche Werkstattlaut, abseits Saal+ Schaufenster TechnikServer · GPU Studio+ Archiv Knoten Knoten Knoten Mitglieder-GPUs, nicht auf dem Grundstück N 010 m

Abb. 6 — Variante E, Situationsplan. Gestrichelt: die Knoten, die zum Netz gehören, aber nicht zum Grundstück.

Spricht dafür

  • Kleinste denkbare erste Etappe. Ein Haus von 60 m² ist heute schon finanzierbar; der Weiler entsteht über zehn Jahre.
  • Kein Totalausfall: Brand, Umbau oder Sanierung trifft immer nur ein Haus.
  • Fügt sich massstäblich ins Ortsbild, wo ein 60-Meter-Riegel es nie täte.
  • Erzählt die Mission am direktesten — Unabhängigkeit als Grundriss.

Spricht dagegen

  • Teuerste Quadratmeter. Fünfmal Hülle, Dach, Fundament, Heizung, Anschluss — bei gleicher Nutzfläche deutlich über allen anderen Varianten.
  • Im Winter geht man mit dem Laptop durch den Schnee. Das klingt romantisch, bis es Alltag ist.
  • Baurechtlich in der Schweiz heute am schwierigsten: Verdichtung ist erklärtes Ziel, Streubau in der Bauzone wird kaum bewilligt.
  • Fünf Häuser wollen fünfmal gewartet werden — bei einem Betreiber ein reales Risiko.
Geschossfläche
≈ 400 m²
Grundstück
≈ 1 400 m²
Etappierbar
hervorragend
Grössenordnung
1,5–2,0 Mio
Passt zu
local-first, Knotennetz
04Abwägung
und Entscheid

Schnitt

Abgewogen: die Halle. Entschieden: der Hof.

Der Entscheid ist gefallen: Variante B. Ausgeführt wird sie nicht in Wänden und Riegeln, sondern in einem Wabenraster aus gleichen Sechseck-Zellen — das ist die Antwort auf B’s einzige echte Schwäche, die schlechte Etappierbarkeit. Blatt 05 führt das System aus. Dieses Blatt hält fest, wogegen entschieden wurde und was B sich davon mitnehmen muss; ein Dossier, das seine verworfene Alternative wegwirft, kann später nicht mehr begründen, warum.

Die verworfene Alternative

Abgewogen wurde C als Bauwerk, B als Freiraum: eine einfache, langlebige Halle im Norden, davor nach Süden ein Hof, der von einer niedrigen Mauer und einem Nebenbau gefasst wird. Die Halle ist die langsame Schicht, ihre Einbauten sind die schnelle. Der Hof ist der öffentliche Boden — und die Fläche, an die sich später weitere Beteiligte anlagern können, ohne dass am Haus gebaut wird. Das Rückgrat aus D bleibt als sichtbare Installationsachse an der Nordwand erhalten, ohne dass das Haus dadurch linear wird. E bleibt, was es ohnehin ist: ein Netz, keine Bauform.

Der eigentliche Grund ist nicht Ästhetik, sondern Tempo. Die Software des Vereins ändert sich schneller, als ein Gebäude reagieren kann. Nur eine Bauform, die das Innere zu Möbeln erklärt, hält diesen Unterschied aus — jede andere zwingt uns, in fünf Jahren gegen die eigenen Wände zu arbeiten.

Studio Technik Server · GPU · Speicher Galerie · Werkbank · Bibliothek Werkstatt Installationsachse, sichtbar geführt Hof öffentlicher Boden · Etappe 2 Etappe 3: Ring schliessen — Saal, Gast, weitere Beteiligte 010 m

Abb. 7 — Die verworfene Alternative C+B, Schnitt Nord–Süd. Zum Vergleich behalten: Sie bleibt der Massstab, an dem sich das Wabenraster in Kosten und Umbaubarkeit messen lassen muss.

Was der Hof sich von der Halle mitnehmen muss

Das stärkste Argument der Halle war nicht ihr Preis, sondern die Trennung nach Wechselrate: das Tragwerk hält hundert Jahre, der Ausbau fünf. Eine Wabe erfüllt das nicht von selbst — eine Zelle ist Bauwerk, kein Möbel, und wer 22 m² gemauert hat, stellt sie nicht am Wochenende um. Drei Dinge muss die gewählte Variante deshalb übernehmen:

Was das Haus nicht ist

05Das Waben­raster

Modul,
Gruppen,
Anordnungen

Ein Modul, sechs Nachbarn

Der Hof wird aus gleichen Sechseck-Zellen gebaut. Das ist keine Formidee — es ist die Geometrie, die am genauesten zu dem passt, was hier untergebracht wird.

Die eine Regel, die alles bestimmt: Regelmässige Sechsecke kacheln nur unter sich, wenn sie gleich gross sind. Zwei Modulgrössen im selben Feld gehen nicht auf, es bleiben Dreiecke übrig. Daraus folgt zwingend: eine einzige Zellgrösse — grosse Räume entstehen durch Zusammenlegen, nicht durch grössere Module. Die einzige zulässige Zweitform ist das Dreieck als Füllstück: Schacht, Nische, Nasszelle.

Das Mass kommt von der Wandtafel, nicht vom Raum

Naheliegend wäre, die Zelle so gross zu machen wie der grösste Raum. Das ist der falsche Weg — dann ist jede Zelle ein Sonderbau. Richtig ist der umgekehrte Schluss: die Seitenlänge a ist die Breite eines Wandelements. Sechs gleiche Tafeln plus sechs Dachdreiecke ergeben eine Zelle; alles andere folgt daraus.

möblierbar 2,90 × 5,02 m ≈ 67 % der Fläche Wandtafel a = 2,90 m sechs Anschlusskanten — jede kann Wand, Fenster, Tür oder nächste Zelle sein 5,80 m (Ecke–Ecke) 5,02 m Schlüsselweite 36,5 m² Fläche sechs mögliche Peers, keiner davon übergeordnet

Abb. 8 — Modul-Anatomie. Links das Mass, rechts die Nachbarschaft. Das eingeschriebene Rechteck ist die Fläche, auf der rechtwinklige Möbel wirklich stehen. Die Zeichnung zeigt a = 2,90 m, die damals empfohlene Grösse; Blatt 08 hat sie auf 3,75 m korrigiert. Die Verhältnisse stimmen unverändert, die Zahlen nicht.

Seite a Schlüsselweite Ecke–Ecke Fläche davon Rechteck Beurteilung
2,50 m4,335,00 16,2 m²10,8 m² Für einen Arbeitsraum zu klein. Gut als Füllzelle: Nasszelle, Schacht, Speis.
2,90 m5,025,80 21,8 m²14,6 m² Empfehlung dieses Blattes. Tafelmass, transportabel, zu zweit stellbar. 5,80 m Diagonale = einfache Balkenlage ohne Unterzug. Eine Zelle = ein Raum. Von Blatt 08 abgelöst: die längste gerade Wand ist nur 2,90 m, und 2,90 liegt als einzige der geprüften Grössen nicht auf dem 0,625-Ständerraster.
3,75 m6,507,50 36,5 m²24,4 m² Entschieden auf Blatt 08. 6 × 0,625 m Ständerraster, 3 × 1,25 m Plattenbreite — keine Stummelbucht. Eine 3,00-m-Zeile passt an eine Wand. Damit ist auch der Rohbau festgelegt: Holzrahmen-Tafelbau (Blatt 10).
3,20 m5,546,40 26,6 m²17,7 m² Grosszügiger, noch handwerklich einfach. Kranz aus 12 Zellen wächst auf 320 m².
3,50 m6,067,00 31,8 m²21,2 m² Räume werden gross, Gruppen grob. Ein 7-m-Spann braucht schon einen Unterzug.
4,00 m6,938,00 41,6 m²27,7 m² Eine Zelle ist ein halber Saal. Die Feinkörnigkeit — der eigentliche Vorteil des Rasters — geht verloren.

Für a = 2,90 m spricht ausserdem etwas, das kein Massband misst: sechs identische Tafeln pro Zelle sind ein Bauteil, das eine regionale Zimmerei in Serie fertigen kann — und das Mitglieder in einem Wochenend-Einsatz aufstellen können. Ein Verein, der sein Haus zum Teil selbst baut, ist genau die Fortsetzung von „Code als Allmende" ins Physische. Nachtrag: das galt der Zellgrösse 2,90 m. Blatt 08 hat sie auf 3,75 m korrigiert — das Argument bleibt, die Zahl nicht. Bei 3,75 m wiegt eine fertige Tafel allerdings gut 500 kg und kommt vom LKW; aufstellen können Mitglieder sie nicht mehr, bauen schon (Blatt 10).

Räume entstehen aus Zellzahlen

1 Zelle · 36,5 m² 2 Zellen · 73 m² 3 Zellen · 66 m² 4 Zellen · 87 m² 7 Zellen · 256 m²

Abb. 9 — Zellgruppen. 1: Studio, Server, Bibliothek, Gast, Pforte. 2: Werkbank, Werkstatt, Küche. 3: Saal für ~50. 4: Saal für 60–70. 7: der Hof — dieselbe Gruppe, nur nicht gebaut.

Beim Zusammenlegen bleibt der Eckstiel stehen. Ein Raum aus drei Zellen ist ein Raum, aber man sieht ihm seine drei Zellen an — das Tragwerk bleibt lesbar, und genau deshalb kann man später wieder trennen. Das ist die bauliche Entsprechung zu Modulen, die man zusammenschaltet, ohne sie zu verschmelzen.

Fünf Anordnungen

Aus demselben Modul lassen sich sehr verschiedene Häuser legen. Die fünf hier sind nach einem Kriterium sortiert, das für mana entscheidet: ab wann ist der Hof ein Hof?

B1Der Kranz

Hof 256 m² · ø 15 m Zisterne · Baum · Markt Saal 3 Zellen · 66 m² Pforte 3001 + WC Küche · Tisch Bibliothek Werkstatt + Lager, Zufahrt N Technik Server · GPU Studio Werkbank Etappe 4 angelagert Etappe 4 Tor, Süden N

Abb. 10 — B1, Grundriss. Farbe = ein Raum; die feine Linie darin ist die Zellfuge, die als Tragwerk stehen bleibt. Gestrichelt: angelagerte Zellen späterer Etappen.

Die direkte Übersetzung von Variante B: ein geschlossener Ring aus zwölf Zellen um einen Hof aus sieben ausgelassenen. Der Hof misst rund 15 m — gross genug für eine Mitgliederversammlung im Freien, klein genug, dass man quer darüber ruft.

Erschliessung ist hier die Kernfrage. Ohne Korridor wird jede Zelle zum Durchgangszimmer. Die Antwort ist ein Laubengang am Hof, zwei Meter tief, im gleichen Raster als Vordach geführt: er erschliesst alle zwölf Zellen, trägt die Installationsachse, und im Winter geht man trocken.

12 Zellen262 m² gebaut256 m² Hof Grundstück ≈ 800 m²Etappierbar: nur als B4

B2Die Wabe

Lichthof Lichthof Erweiterung Erweiterung Technik/Werk N Öffentlich S

Abb. 11 — B2, Grundriss. 17 gebaute Zellen, zwei ausgelassene als Lichthöfe.

Die dichteste Form: ein voller Cluster, aus dem einzelne Zellen als Lichthöfe ausgespart sind. Kürzeste Wege, kleinste Hülle, günstigste Heizung — und alle Räume unter einem einzigen, gefalteten Dach.

Der Preis ist der Hof selbst. Eine ausgelassene Zelle von 36,5 m² ist ein Lichtschacht, kein öffentlicher Boden. Damit verliert die Anordnung genau das, wofür Variante B gewählt wurde. Als spätere Verdichtung um einen Kranz herum ist die Wabe dagegen die richtige Logik.

17 Zellen371 m² gebaut2 × 36,5 m² Lichthof kleinste Hülleschwächster Hof

B3Der Doppelhof

Werkhof laut · Anlieferung 66 m² Vereinshof ruhig · Süd · 66 m² gemeinsamer Flügel

Abb. 12 — B3, Grundriss. Zwei Höfe zu je drei Zellen, verbunden durch einen gemeinsamen Flügel.

Zwei Höfe statt einem, verbunden über einen Flügel, der zu beiden gehört. Das löst ein Problem, das Variante B ungelöst liess: Werkstatt und Vereinsleben brauchen verschiedene Höfe. Der eine hat Zufahrt, Späne und Materiallager, der andere Sonne, Tisch und Ruhe.

Preis: mehr Aussenwand, zwei kleinere Höfe statt eines grossen, und eine Figur, die schwerer zu etappieren ist — der gemeinsame Flügel muss früh stehen, sonst hängen beide Ringe in der Luft.

16 Zellen350 m² gebaut2 × 66 m² Hof trennt laut/leiseetappiert schlecht

B4Die Sichel

Hof ab Tag eins gefasst Werkbank Studio Technik Werkstatt Lager Bibliothek Küche Etappe 3: Saal + Pforte schliessen den Ring Süden offen: Sonne, Zufahrt, Reserve

Abb. 13 — B4, Grundriss. Acht Zellen, Südseite offen. Gestrichelt die vier Zellen, die den Kranz später schliessen.

Der Kranz, an der Südseite offen gelassen. Damit ist der Hof vom ersten Tag an ein Hof — gefasst von acht Zellen, nach Süden von einer niedrigen Mauer, einer Pergola und zwei Bäumen. Das ist die direkte Antwort auf den Einwand gegen Variante B: ein Viertelring ist kein Hof, eine Sichel schon.

Die offene Seite arbeitet dreifach: Sonne in den Hof, Zufahrt für Anlieferung, und Bauplatz für die Etappe, die den Ring schliesst. Bis dahin ist die Lücke kein Mangel, sondern der Vorplatz.

8 Zellen175 m² gebaut256 m² Hof Etappierbar: sehr gutempfohlener Anfang

B5Die Traube

Anger verglaste Hälse verbinden die Cluster Werkstatt Technik · Studio Saal · Pforte Werkbank · Küche

Abb. 14 — B5, Situationsplan. Vier Dreiercluster, gepunktet die verglasten Verbindungen.

Vier Cluster à drei Zellen, lose um einen Anger gestellt, verbunden durch verglaste Hälse. Jeder Cluster ist ein eigenes kleines Haus mit eigenem Dach — die kleinste Etappe der ganzen Studie (drei Zellen, 66 m²), und der beste Ortsbild-Massstab.

Dafür ist die Mitte kein Hof, sondern eine Wiese: nicht gefasst, nicht wettergeschützt, im Winter kaum benutzbar. Und vier Dächer, vier Heizungen, vier Anschlüsse kosten bei einem Betreiber vor allem Wartungszeit.

4 × 3 Zellen262 m² gebautAnger ungefasst kleinste Etappehöchste Betriebslast

Empfohlener Weg: B4 → B1 → B2

Überholt am 28.07. Der Entscheid ist danach auf die kompakte Form gefallen: kein Hof, sondern die volle Rosette mit zweigeschossiger Mitte — Blatt 06. Der Weg unten bleibt als Etappenlogik gültig für den Fall, dass das Haus später doch zum Ring wächst; die Kostenkennzahlen pro Zelle gelten unverändert.

Nicht eine der fünf Anordnungen, sondern drei davon nacheinander — das ist der eigentliche Gewinn des Rasters. Als Sichel anfangen, zum Kranz schliessen, nach aussen verdichten. Jeder Schritt ist ein fertiges Haus, keiner macht den vorherigen rückgängig, und keiner braucht eine Entscheidung, die heute noch niemand treffen kann.

Etappe Zellen Was entsteht Grössenordnung
0 — heute Nichts bauen. Das Raumprogramm auf Blatt 00 ist die Inventur; parallel Standort und Zone klären. Betrieb bleibt, wo er ist.
1 — Kern4 Werkbank, Studio, Technik/Server, Werkstattkern. Ein bewohnbarer Viertelbogen — noch kein Hof, aber ein Betrieb. 250–330 T
2 — Sichel (B4)+4 Werkstatt komplett, Lager, Bibliothek, Küche. Ab hier ist der Hof ein Hof, nach Süden von Mauer und Bäumen gefasst. +250–330 T
3 — Kranz (B1)+4 Saal (3 Zellen) und Pforte schliessen den Ring. Erst hier wird aus dem Werkbetrieb ein Vereinshaus mit öffentlicher Adresse. +260–350 T
4 — Anlagerung+3 … Schaufenster, Gastzimmer, Sanitär, zusätzliche Werkbank — aussen an den Ring, nach der Waben-Logik von B2. Der Hof bleibt unangetastet. je ≈ 65–85 T

Ehrlich zur Kasse: Zwölf Zellen kosten in Summe 0,8–1,0 Mio — das ist nicht günstiger als die verworfene Halle, pro Quadratmeter eher teurer, weil kleinteilig gebaut wird. Was man kauft, ist nicht der Preis, sondern die Teilbarkeit: vier Zellen sind eine Etappe, die ein Verein stemmen kann, und keine davon ist eine Vorleistung, die brachliegt.

Was das Sechseck kostet

06 aDie Rosette

7 + 1 Zellen,
zwei Dach­terrassen

Blatt 06 in vier Teilen

Sieben um eine, eine darüber, zwei Dächer offen

Der Hof entfällt. Gebaut wird die volle Rosette: sechs Zellen um eine siebte, die nicht ausgelassen, sondern zweigeschossig ist. Von den sechs Nachbarn bekommen zwei — die Ost- und die Westzelle — statt eines Zeltdachs ein begrüntes Flachdach, das von der Empore aus schwellenlos begehbar ist. Von jeder der beiden Terrassen führt ausserdem eine eigene Treppe hinunter in den Garten. In den beiden Kerben des Grundrisses, nach Norden und nach Süden, hängt je eine weitere Zelle als Wintergarten. Zehn Zellen, zwei Terrassen, zwei Aussentreppen, zwei Wintergärten — alles im selben Raster.

Die Terrassen entscheiden die Rasterlage. Damit es eine echte Ost- und eine echte Westzelle gibt, muss das Wabenraster um 30° gedreht werden — von der Flachseite nach oben (flat-top) auf die Spitze nach oben (pointy-top). Erst dann liegen zwei der sechs Nachbarzellen exakt gegenüber auf der Ost-West-Achse. Der Preis: es gibt keine reine Nord- und keine reine Südzelle mehr, die sechs Nachbarn liegen jetzt auf NO, O, SO, SW, W und NW. Der Eingang wandert nach Südost, das Studio nach Nordost. Das ist keine Kleinigkeit, sondern die Konsequenz aus deiner Frage — und sie ist es wert.

Warum Ost und West das richtige Paar sind

Zwei Terrassen auf derselben Seite wären eine Terrasse in doppelter Grösse. Auf Ost und West gegenüber sind es zwei verschiedene Orte am selben Tag:

Unerwarteter Gewinn: die Flachdächer lösen das Kehlen-Problem. Bei sieben Zeltdächern laufen sechs Kehlen sternförmig auf die höhere Mitte zu — der kritischste Punkt des ganzen Entwurfs. Werden Ost und West flach, entfallen alle vier Kehlen, die an diesen beiden Zellen hängen. Übrig bleiben zwei: eine im Norden, eine im Süden. Die Terrassen sind damit nicht nur ein Wunsch, sie sind die Antwort auf den grössten konstruktiven Einwand gegen die Rosette.

Was die Terrassen kosten

06 bDie zwei
Treppen

gegen­läufig,
an den Zelt­dach­zellen

Zwei Treppen ins Freie

Bisher führte genau ein Weg auf die Terrassen: durch die Haustür, durch die Halle, die Treppe hinauf, über die Empore. Das ist ein Weg zu wenig — für den Betrieb, für die Pflege und für den Brandfall. Jede der beiden Terrassen bekommt deshalb eine eigene Treppe hinunter in den Garten.

Die Form kommt aus dem Raster. Eine gerade Treppe über 2,95 m Höhe braucht rund 5,10 m Lauflänge — deutlich mehr, als eine Facette lang ist (3,75 m). Die Treppe wird deshalb zweiläufig und wendet sich über ein Podest an einem Eckpunkt, 120° — derselbe Winkel, in dem sich in diesem Haus alles andere auch trifft.

Warum sie nicht an der Terrassenzelle steht

Der erste Entwurf legte beide Läufe an die Ost- beziehungsweise Westfassade der Terrassenzelle. Das ist genau die falsche Wand. Küche und Werkbank liegen unter den Terrassen und haben deshalb kein Dachlicht — ihre Fassade ist die einzige Lichtquelle, die sie haben. Eine Treppenwange davor kostet dort am meisten. Die vier Zeltdachzellen dagegen können ein Dachfenster tragen; ein Stück verstellte Fassade wiegt bei ihnen leichter.

Beim Umlegen kam ein zweiter Fehler ans Licht. Eine zweiläufige Treppe braucht zwei benachbarte Facetten — und jede Zelle ausser den Terrassenzellen hat genau zwei freie. Läuft die Treppe um eine Zelle herum, frisst sie deren ganze Fassade: die Werkstatt hätte ihr 2,40-m-Tor verloren, das Studio jedes Fenster. Die Treppe legt sich deshalb über die Ecke zwischen zwei Zellen und kostet je eine Facette von zweien — die Nordostkante der Küche, ihre unwichtigste, und die Ostwand des Studios, das dafür ein Dachfenster bekommt. Die Ostfassade der Küche mit der Morgensonne bleibt frei, das Werkstatt-Tor auch.

Gegenläufig statt gespiegelt

Die beiden Treppen sind nicht mehr Spiegelbilder, sondern punktsymmetrisch: die eine ist die andere, um 180° um die Hausmitte gedreht. Praktisch heisst das, sie laufen gegenläufig — steht man in der Halle, dreht die eine im Uhrzeigersinn nach unten, die andere dagegen. Die Osttreppe beginnt an der Nordostecke ihrer Terrasse und kommt im Nordosten an, die Westtreppe an der Südwestecke und kommt im Südwesten an.

Damit ist das ganze Haus punktsymmetrisch: Terrassen Ost und West, Wintergärten Nord und Süd, Treppen Nordost und Südwest. Und der Brandschutz bekommt nebenbei sein bestes Argument — die beiden Fluchtwege münden diagonal gegenüber, weiter auseinander geht es auf diesem Grundriss nicht.

MassWertWarum genau so
Steigung16,4 cm18 Steigungen auf 2,95 m. Schrittmass 2 × 16,4 + 30 = 62,8 cm — mitten im Wohlfühlbereich
Auftritt30 cmdraussen flacher als drinnen: nass, im Januar vereist, oft mit einer Kiste in der Hand
Neigung28,6°flach genug, dass man auch einen Sack Substrat hochträgt, ohne sich anzuhalten
Laufbreite1,20 mzwei Personen aneinander vorbei — und das Mass, das ein zweiter Fluchtweg braucht
Lauflänge2 × 2,40 mje 9 Steigungen und 8 Auftritte; ein Lauf passt damit an eine Facette
Podest1,20 × 1,20 mauf halber Höhe (+1,48 m), über der Zellecke, mit der 120°-Wendung
Auskragung1,20 mso weit steht die Treppe vor der Facette. In der Kerbenlage wächst das Baufeld dadurch nur noch um gut einen halben Meter je Seite statt um 1,20

Wohin sie führen

Die Osttreppe kommt an der Nordostseite an, an der stillsten Ecke des Hauses, direkt neben dem Studio — der Weg für Gerät, das ins Studio muss, ohne durch die Halle zu gehen. Die Westtreppe landet an der Werkstatt-Westwand, dort, wo die Zufahrt ist und ohnehin alles ankommt, was schwer ist. Zwei Treppen, zwei Ziele — dieselbe Überlegung wie bei den Terrassen und den Wintergärten: nicht dasselbe doppelt, sondern zwei verschiedene Orte.

Damit schliesst sich ein Rundweg, den das Haus vorher nicht hatte: Halle → Empore → Ostterrasse → Treppe → Garten → Wintergarten Süd → Halle. Ein Haus ohne Sackgasse.

Sie hängt nicht am Haus, sie steht daneben

Verzinkter Stahl auf drei Punktfundamenten, 6 cm Luft zur Fassade, Auftritte als Gitterrost oder geschlitzter Holzrost, damit Schnee und Wasser durchfallen statt liegenzubleiben. Kein Bauteil, das die Hülle durchdringt, keines, das die Fassade nass hält.

Das ist die Wechselraten-Regel aus Blatt 01 in Metall: ein Bauteil, das man an einem Tag abschrauben kann, ohne die Hülle zu öffnen. Die Treppe gehört zur schnellen Schicht, die Wand zur langsamen — und sie sind auch physisch getrennt, nicht nur im Diagramm.

Was die Treppen lösen

Was sie kosten

Die Treppen ändern den Rang der Terrassen. Solange sie nur von der Empore aus erreichbar waren, waren sie Zubehör des Obergeschosses. Mit einer eigenen Treppe sind sie Aussenräume mit zwei Anschlüssen — oben ans Haus, unten an den Garten. Das ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Raum, den man nur durch einen anderen betritt, und einem mit eigener Tür.

06 cDie Zeich­nungen

Belegung,
Risse,
Modell,
Sonne

Was wo liegt — und wie man es prüft

Erst die Belegung der neun Zellen, dann die Frage, welche Darstellung welchen Fehler aufdeckt, dann die Risse selbst: Grundrisse, Schnitt, Axonometrie, Dach- und Situationsplan, Ansicht, Treppendetail. Am Ende zwei Dinge, die ein Blatt Papier nicht kann — das drehbare Modell und die nachgerechnete Besonnung.

Belegung

ZelleLageNutzungDach
MitteHalle — Versammlung, langer Tisch, Treppe. Doppelte Höhe, Licht von oben, verteilt auf alle sechsLaterne 6,80 m22
OstMorgensonneKüche und TischTerrasse22
WestAbendsonneWerkbank, zwei bis drei ArbeitsplätzeTerrasse22
NordostindirektStudio, schallentkoppelt. Ostwand geschlossen (Osttreppe davor), Licht über Dachfenster und die NordostwandZeltdach22
Nordwestkühle SeiteTechnik, Server, Lager — kein Fenster nötig, Anlieferungstür nach WestenZeltdach22
Südostzur StrassePforte, Garderobe, WC — die eine Tür für alles; DachfensterZeltdach22
SüdwestZufahrtWerkstatt, Tor 2,40 m; Westwand hat die Westtreppe davor, dafür ein DachfensterZeltdach22
OG Mitteüber der HalleEmpore — Bibliothek, Rückzug, Gast; Zugang zu beiden Terrassen23
TerrassenOst + Westbegrünt, begehbar, von der Empore schwellenlos erreichbar2 × 30
AussentreppenOst + Westzweiläufig mit Podest, 120°-Wendung; zweiter Fluchtweg und Gartenzugangoffen2 × 7
Wintergarten Südangebautder warme: Sonnenfalle und Pufferraum zwischen Pforte und Werkstatt, Tür zu beiden und in den GartenGlas auf Balken22
Wintergarten Nordangebautder kühle: gleichmässiges Nordlicht für Studio und Technik, Überwinterung, Kaltlager, AnzuchtGlas auf Balken22

Innen bleiben es 256 m² Erdgeschoss und 23 m² Empore; dazu kommen 60 m² nutzbare Dachterrasse und 2 × 36,5 m² unbeheizter Wintergarten. Der Baukörper selbst dreht sich mit dem Raster auf 19,49 × 18,75 m — jetzt breiter als tief, was einem strassenseitigen Grundstück entgegenkommt. Mit den beiden Aussentreppen wächst das Baufeld in Ost-West-Richtung auf 20,53 m; in Nord-Süd-Richtung wächst er durch die beiden Wintergärten von 18,75 auf 30,15 m — das ist die grösste Zahl im ganzen Entwurf und die erste, die an einem realen Grundstück scheitern kann.

Welche Darstellung wofür?

Ein Entwurf wird nicht durch mehr Bilder besser, sondern durch die richtigen. Jede Darstellungsart beantwortet genau eine Frage — und deckt genau einen Fehler auf, den die anderen nicht sehen. Die Reihenfolge unten ist die, in der sie beim Planen gebraucht werden.

DarstellungBeantwortetDeckt aufStand
Grundriss 1:100Wo steht was, wie kommt man durch?Wege, die nicht funktionieren; Räume ohne TürAbb. 15
Grundriss OGWie hängen Empore und Terrassen zusammen?Türen, die auf eine Brüstung stossenAbb. 16
SchnittWie hoch, wie hell, wie kommt man hinauf und hinaus?Schwellen, Kopfhöhen, dunkle MittenAbb. 17
AxonometrieWie sieht das Ding aus, für alle die keine Pläne lesen?Missverständnisse in der VereinsversammlungAbb. 18
Dach- und SituationsplanWohin läuft das Wasser, wo liegt die PV, wo die Wintergärten?die Kehlen — die Schwachstelle dieser FormAbb. 19
AnsichtWie wirkt es von aussen, passt es ins Ortsbild?Höhen, die der Nachbarschaft auffallenAbb. 20
Treppen­plan + AbwicklungWie kommt man von der Terrasse hinunter?Podeste, die zu klein sind; Läufe, die an einem Fenster vorbeiziehenAbb. 21 · 22
Sonnenstands­diagrammAb wann steht welche Terrasse in der Sonne?ob das Ost-West-Versprechen wirklich stimmt — es stimmt nur halbAbb. 24 · 25
Grundriss 1:50, möbliertPassen Werkbank, Rack und Tisch wirklich hinein?die 120°-Ecken — der teuerste Irrtum dieser GeometrieBlatt 07
Knotendetail 1:5Wie treffen zwei Tafeln im 120°-Winkel, wie der Terrassen­anschluss?wo der Mehrpreis steckt, und wo Wasser eindringtBlatt 10
KartonmodellWas passiert, wenn man die Zellen anders legt?alles, was man am Bildschirm nicht ausprobiert — und dass 1:50 zu gross geworden istBlatt 12
EtappenplanWas steht nach Etappe 1, 2, 3?ob jede Etappe für sich benutzbar istBlatt 09
Situationsplan 1:500Grenzabstände, Zufahrt, Nordenob Haus, Treppen und Wintergarten auf die Parzelle passenbraucht Grundstück
Tafelliste / AbwicklungWie viele Teile, welche Typen?ob Selbstbau realistisch istvor der Offerte

Die vier, die jetzt zählen: das Sonnenstandsdiagramm (steht jetzt als Abb. 24 und 25 weiter unten — es hat die Terrassen-Idee zur Hälfte widerlegt und dafür die Brüstung als Kostentreiber des Morgens entlarvt), der Grundriss 1:50 möbliert (inzwischen auf Blatt 07 — er hat die Zellgrösse bestätigt und dafür eine grössere Lücke aufgedeckt), das Knotendetail — die Wand steht jetzt auf Blatt 10, der Dachknoten Flachdach an Zeltdach an Laternenwand fehlt weiterhin und ist der teurere von beiden — und das Kartonmodell, das jetzt als Bogen auf Blatt 12 liegt: eine Zelle, sieben- bis zehnmal ausgedruckt, an einem Abend gebaut. Es ist die einzige Darstellung, an der auch jemand mitentscheiden kann, der noch nie einen Plan gelesen hat. Nicht mehr 1:50, sondern 1:100 — bei 3,75 m Facette wäre das Haus sonst 39 cm breit.

Die Zeichnungen

Grundrisse, Schnitt und Ansicht sind im gleichen Massstab gezeichnet und lassen sich direkt übereinanderlegen; Situationsplan und Axonometrie stehen daneben.

Grundriss Erdgeschoss

Halle doppelte Höhe · Treppe · Tisch Küche · Tisch Ostterrasse darüber Werkbank Westterrasse darüber Studio Dachfenster · Osttreppe davor Technik Server · Lager · Heizraum Pforte Garderobe · WC · Dachfenster Werkstatt Tor 2,40 m · Dachfenster Wintergarten Süd 36,5 m² · Balken · sonnig Wintergarten Nord 36,5 m² · Balken · kühl WC Anlieferung Tor 2,40 m Eingang Südost B B 19,49 30,00 N

Abb. 15 — Grundriss EG. Sechs Türen, ein Verteiler, kein Korridor. Ost- und Westzelle tragen die Terrassen; ihre Decke ist flach, die der übrigen offen bis unters Zeltdach. Oben und unten die beiden angebauten Zellen: der Wintergarten Nord in der Kerbe zwischen Studio und Technik, der Wintergarten Süd zwischen Pforte und Werkstatt, jeder mit einer Tür zu beiden Nachbarn. Sie haben keine Wände — die kleinen Quadrate sind die sechs Eckständer. Das mittlere Fenster von Küche und Werkbank (Ost- und Westfacette) steigt wegen der Treppenwange auf 1,40 m Brüstung — hier noch als normales Fenster gezeichnet.

Grundriss Obergeschoss mit den Terrassen

Empore 23 m² Luftraum über der Halle Ostterrasse Morgensonne · Sedum · Hochbeete Westterrasse Abendsonne · Sedum · Hochbeete Tür, schwellenlos Tür, schwellenlos Austritt Austritt Osttreppe → Nordosten Westtreppe → Südwesten gestrichelt: Wintergärten, eingeschossig N

Abb. 16 — Grundriss OG. Die Empore reicht von der Ost- bis zur Westwand: beide Terrassentüren liegen auf demselben Boden. Nach Süden bleibt der Luftraum offen, damit das Licht der Laterne bis in die Halle fällt. Aussen an beiden Terrassen die neuen Treppen: erster Lauf an der Ost- bzw. Westfacette, Podest über der Zellecke, zweiter Lauf im 120°-Knick hinunter aufs Terrain. Blau der Weg abwärts, orange Geländer und Handlauf.

Schnitt B–B, Ost–West

Morgensonne Abendsonne Werkbank flache Decke, 2,60 m Küche Halle 5,30 m licht Empore +2,90 Laterne, verglast ab 4,10 Westterrasse +2,95 Ostterrasse +2,95 Aussen‑ treppe, quer 6,50 6,50 6,50 6,80

Abb. 17 — Schnitt B–B. Der Schnitt, der die ganze Idee trägt: Empore auf 2,90 m, Terrassenbelag auf 2,95 m — man tritt ohne Stufe hinaus, nach Osten wie nach Westen. Rechts fällt Morgenlicht ein, links Abendlicht, oben durch die Laterne Mittagslicht. Ganz aussen sind die beiden Treppen quer geschnitten — ihre Läufe stehen senkrecht auf der Schnittebene und laufen nach Süden davon; wie sie fallen, zeigen Abb. 21 und 22.

Axonometrie

N Norden hinten links · Süden vorn · 1 m = 23 px in der Höhe

Abb. 18 — Axonometrie, aus demselben Modell gerechnet wie Abb. 23. Die von Hand gezeichnete Vorgängerfassung hatte die Terrassen auf Nordwest und Südost statt auf Ost und West und kannte die Treppen noch nicht — Zeichnungen, die man von Hand nachführt, laufen dem Entwurf davon. Vorn der angebaute Wintergarten mit seinem Pultdach aus Glas.

Dach- und Situationsplan

Laterne 6,80 m · verglast Terrasse Ost begrünt, begehbar Terrasse West begrünt, begehbar Kehle 1 von 2 Kehle 2 von 2 Wintergarten Süd — Glas auf Balken, rund 7,6° nach Süden, darauf eine Rebe Wintergarten Nord — dasselbe Tragwerk, Gefälle nach Norden. Keine Rebe nötig. Studio Technik Pforte Werkstatt N

Abb. 19 — Dach- und Situationsplan. Statt sechs Kehlen bleiben zwei — die beiden Flachdächer haben die anderen vier aufgelöst — und die Wintergärten bringen keine dazu, weil ihre Pultdächer vom Haus weg abfallen statt gegen die Nachbarn anzusteigen. Nördlich und südlich Zellen als Skelett. Von oben wird sichtbar, was die Anbauten für die Parzelle bedeuten: die Treppen legen sich in die Kerben statt an die Aussenkanten und verbreitern das Baufeld nur auf 20,53 m, die beiden Wintergärten ziehen es in der Nord-Süd-Achse auf 30,15 m.

Ansicht Ost

Laterne, verglast Ostfassade Küche Brüstung 1,10 · dahinter Gründach Wintergarten Süd Wintergarten Nord Osttreppe: Lauf 1 verkürzt, Lauf 2 in der Bildebene Süden Norden 6,80 3,20

Abb. 20 — Ansicht Ost, schematisch (Facetten unverkürzt). Von aussen ist das Haus ein niedriger, breiter Körper mit einer begrünten Kante auf 3,20 m; die Höhe steckt in der Mitte. Die Treppe steht jetzt weiter nördlich: der erste Lauf zieht im 60°-Winkel nach hinten und erscheint verkürzt, der zweite läuft in der Bildebene an der Studio-Ostwand hinunter. Die Ostfassade der Küche in der Bildmitte ist frei — genau das war der Grund für den Umzug.

Teilgrundriss der Osttreppe

Ostterrasse Gründach, begehbar Brüstung 1,10 m Studio Zeltdach mit Dachfenster — deshalb steht die Treppe hier Austritt +2,95 Podest +1,48 120° Antritt ±0,00 — Nordosten Küche darunter — Ostfassade bleibt frei N

Abb. 21 — Teilgrundriss der Osttreppe. Sie legt sich über die Ecke zwischen zwei Zellen, nicht um eine herum: erster Lauf an der Nordostkante der Küche, Podest über der gemeinsamen Ecke, zweiter Lauf an der Ostwand des Studios hinunter. So kostet sie je eine Facette von zweien — die Ostfassade der Küche mit der Morgensonne bleibt frei, das Studio behält seine Nordostwand und bekommt zusätzlich ein Dachfenster. Die Brüstung öffnet sich am Treppenkopf auf 1,20 m. Die Westtreppe ist nicht das Spiegelbild, sondern die um 180° gedrehte Zwillingstreppe: sie läuft gegenläufig.

Abwicklung C–C durch die Treppe

3 Punktfundamente, frostfrei 2,95 18 × 16,4 2,40 1,20 2,40 Lauf 2 — 9 Steigungen Lauf 1 — 9 Steigungen Podest 1,20 × 1,20 120°-Wendung Geländer 1,10 Terrasse +2,95 Küche Handlauf beidseitig Garten ±0,00

Abb. 22 — Abwicklung C–C, beide Läufe in eine Ebene geklappt. So sieht man das Wesentliche auf einen Blick: 18 gleiche Steigungen à 16,4 cm, das Podest genau in der Mitte, nichts Krummes, nichts Gewendeltes. Die 120°-Wendung steckt im Podest — in der Abwicklung ist sie unsichtbar, gebaut ist sie der Punkt, an dem die Treppe der Wabe folgt.

Das Modell zum Drehen

Dieselbe Geometrie wie oben, nur nicht mehr aus einem festen Blickwinkel: ziehen dreht, + und − zoomen, die Pfeiltasten tun beides. Das Mausrad zoomt erst, wenn das Bild angeklickt ist — wer nur weiterlesen will, soll nicht im Modell hängenbleiben. Der Sonnenstand ist echt: die sechs Stände hinter den Knöpfen sind für Tägerwilen gerechnet (Höhe und Azimut stehen unter dem Pult), nicht nach Augenmass gesetzt. Wer den 21. Dezember am Nachmittag wählt, sieht denselben flachen Schatten, den die Messung in Abb. 25 zählt.

Für das drehbare Modell fehlt diesem Browser WebGL. Die Zeichnungen darüber zeigen dieselbe Geometrie.

Sonne
Tag

Ansicht

Abb. 23 — Das Modell, drehbar. Es rechnet aus denselben Zahlen wie die Grundrisse: Facette 3,75 m, Traufe 3,20, First 4,05, Terrasse 2,95, Laterne 6,80, Wintergarten 3,20 auf 2,20. Es ist ein Massenmodell — Wände haben keine Dicke, Möbel fehlen, die Treppen sind Stufen und Handlauf. Die beiden Wintergärten stehen als reines Holzskelett da: die Verglasung würde das Tragwerk verdecken, um das es geht.

Der Sonnenstand, nachgerechnet

Bis hierher war die Sonne in diesem Bericht eine Behauptung. „Ostterrasse: Morgensonne", „der Südgarten ist die Sonnenfalle", „Nordlicht, blendfrei" — plausibel, aber ungeprüft, und als fehlendes Sonnenstandsdiagramm auf der Lückenliste. Jetzt ist es gerechnet, und zwar zweistufig: der Sonnenstand nach dem NOAA-Verfahren für 47,658° N / 9,135° O, und die Besonnung als Strahl von je rund 155 Messpunkten gegen die 775 Flächen des Modells. Der Schatten kommt also aus dem eigenen Haus und nicht aus einer Annahme.

Was nicht drin ist: Nachbarbebauung, Bäume, Horizont, Wetter. Es gibt kein Grundstück, also auch keine Umgebung — was hier steht, gilt für ebenes, freies Gelände. Und es ist direkte Sonne: der Nordgarten ist an dem Tag, an dem die Tabelle 0,0 h meldet, nicht dunkel, er hat nur keine Sonne im Gesicht. Genau darum geht es bei ihm.

10° 20° 30° 40° 50° 60° 70° 30° 60° 90° 120° 150° 180° 210° 240° 270° 300° 330° Ost Süd West NO Ost SO SW West NW 6 8 10 12 14 16 18 20 21. Juni 8 10 12 14 16 18 21. März 10 12 14 16 21. Dezember Zahlen an der Bahn = volle Stunden Ortszeit (Juni MESZ, März und Dezember MEZ) · orange gestrichelt = die sechs Facettenrichtungen der Wabe

Abb. 24 — Die Sonnenbahn über Tägerwilen. Waagrecht der Azimut (wo die Sonne steht), senkrecht ihre Höhe über dem Horizont. Die drei Bahnen sind die drei Tage, die den Rahmen aufspannen. Orange gestrichelt stehen die sechs Facettenrichtungen der Wabe — daran liest man ab, was das gedrehte Raster kostet: Süden liegt zwischen zwei Facetten, keine Fassade schaut je direkt in die Mittagssonne. Das ist der Preis dafür, dass die Wabe pointy-top steht.

21. Juni 21. März 21. Dezember Ostterrasse These: Morgensonne 0 % 100 % Westterrasse These: Abendsonne 0 % 100 % Wintergarten Süd These: die Sonnenfalle 0 % 100 % Wintergarten Nord These: blendfrei, kühl 0 % 100 % 04:00 06:00 08:00 10:00 12:00 14:00 16:00 18:00 20:00 22:00 Anteil der besonnten Fläche · dünne Linie = die 50-Prozent-Marke, an der die Zeiten in der Tabelle abgelesen sind

Abb. 25 — Gemessene Besonnung. Für jeden Ort und jeden Zeitpunkt der Anteil der Fläche, der direkte Sonne bekommt. Nicht gerechnet, sondern gezählt: jeder Messpunkt schickt einen Strahl zur Sonne, und wenn er ein Bauteil trifft, liegt der Punkt im Schatten. Die dünne waagrechte Linie ist die 50-Prozent-Marke, an der die Zeiten in der Tabelle abgelesen sind.

OrtTheseüber 50 %SonnenstundenSpitze
21. Juni — Sonne 05:32 bis 21:19 MESZ, Höchststand 13:25 bei 65,8°
OstterrasseMorgensonne08:10–17:308,0 h88 %
WestterrasseAbendsonne09:30–18:508,0 h89 %
Wintergarten Süddie Sonnenfalle07:10–19:409,8 h86 %
Wintergarten Nordblendfrei, kühl06:00–21:0010,0 h78 %
21. März — Sonne 06:30 bis 18:32 MEZ, Höchststand 12:31 bei 42,7°
OstterrasseMorgensonne09:10–15:405,5 h80 %
WestterrasseAbendsonne09:30–16:005,7 h82 %
Wintergarten Süddie Sonnenfalle07:00–18:108,3 h83 %
Wintergarten Nordblendfrei, kühl07:00–18:104,4 h59 %
21. Dezember — Sonne 08:15 bis 16:28 MEZ, Höchststand 12:22 bei 18,9°
OstterrasseMorgensonne11:30–14:302,7 h61 %
WestterrasseAbendsonne10:30–14:003,1 h69 %
Wintergarten Süddie Sonnenfalle08:50–16:005,5 h79 %
Wintergarten Nordblendfrei, kühl—–—0,1 h0 %

Die Zeiten stehen in Ortszeit — Juni in MESZ, März und Dezember in MEZ. „Sonnenstunden" ist die besonnte Fläche über den Tag aufsummiert: eine halb besonnte Terrasse zwei Stunden lang zählt als eine Stunde. Die Spitze sagt, wie viel der Fläche im besten Moment des Tages Sonne hat — sie erreicht nie 100 %, weil die Brüstung immer einen Streifen wirft.

Drei Befunde, davon einer unbequem.

  • Die Terrassen sind kein Ost-West-Paar, sondern ein Paar an den Rändern des Tages. Im Juni hat die Ostterrasse von 08:10 bis 17:30 Sonne, die Westterrasse von 09:30 bis 18:50 — dazwischen liegen acht Stunden, in denen beide in der Sonne stehen. Der Satz „zu jeder Tageszeit gibt es eine sonnige und eine schattige Fläche" stimmt so nicht: er stimmt vor 09:30 und nach 17:30. Wer im Juli um 13 Uhr einen Schattenplatz sucht, findet ihn nicht auf den Terrassen, sondern im Nordgarten oder in der Halle.
  • Die Brüstung kostet den Morgen. Um 08:00 hat die Ostterrasse trotz freier Ostseite erst 48 % Sonne — nicht wegen des Hauses, sondern wegen der eigenen 1,10 m hohen Brüstung, die bei 23° Sonnenhöhe einen 2,6 m langen Schatten über die Fläche legt. Das ist die billigste Verbesserung im ganzen Entwurf: eine offene oder durchbrochene Brüstung auf der Ostfacette gibt das Frühstück zurück. Auf der Westterrasse gilt dasselbe für den Abend.
  • Die Wintergärten halten, was sie versprechen — deutlicher als gedacht. Der Südgarten hat am 21. Dezember 5,5 Sonnenstunden bei 8:13 h Tageslänge; er ist wirklich eine Falle. Der Nordgarten hat am selben Tag keine einzige Minute direkte Sonne und im Juni zehn Stunden. Genau das war der Zweck: kühl und blendfrei, wenn es darauf ankommt.
06 dWinter­gärten
und Bilanz

was die Form
gewinnt und
verliert

Bilanz und die zwei Wintergärten

Was diese Form gewinnt und was sie verliert

Gewinnt

  • Kein Korridor. 256 m² Erdgeschoss sind 256 m² Nutzfläche — bei einem Riegel wären 20 % davon Gang.
  • Vier Kehlen weniger. Die beiden Flachdächer entschärfen genau die Stelle, die vorher der grösste konstruktive Einwand war.
  • 60 m² Aussenraum ohne einen Quadratmeter Grundstück — und zwei davon, die sich in der Sonne ablösen.
  • Der Aufstieg lohnt sich doppelt. Die Treppe führt nicht nur zu 13 m² Empore, sondern zu zwei Terrassen. Das macht aus dem Obergeschoss einen Ort statt einer Abstellfläche.
  • Kompakteste Hülle der Studie, ein Bauvolumen, eine Traufe.
  • Zwei Fluchtwege, ohne innen Fläche zu verlieren. Die beiden Aussentreppen beantworten die Brandschutzfrage, bevor die Gemeinde sie stellt — und machen aus den Terrassen Aussenräume mit zwei Anschlüssen statt Zubehör des OG.
  • Den Hof zurück, als Zellenpaar. Die beiden Wintergärten füllen die zwei Kerben des Grundrisses und geben dem Haus wieder einen ebenerdigen Zwischenraum — den einzigen Verlust, der seit Variante B in der Liste stand. Und sie sind das billigste Bauteil des Entwurfs pro Quadratmeter: nur Balken.

Verliert

  • Die reine Nord- und Südzelle. Preis der Rasterdrehung: das Studio sitzt auf Nordost und braucht Blendschutz, der Eingang liegt auf Südost.
  • 20 m² PV. Zwei Dachflächen sind jetzt Terrasse statt Solarfläche.
  • Zwei offene Dachräume. Küche und Werkbank bekommen eine flache Decke auf 2,60 m — die anderen vier Zellen bleiben offen bis unters Zeltdach.
  • Zwei zusätzliche Wasserstellen. Jede Terrasse braucht Gully und Notüberlauf; ein Flachdach über beheizten Räumen verzeiht keinen Pfusch.
  • Fast fünf Meter Grundstück. Nach Süden und nach Norden wächst der Baukörper um je eine Zellhöhe: 18,75 → 30,15 m. Das ist die Zahl, an der der Entwurf an einer knappen Parzelle zuerst scheitert.
  • 2,40 m Baufeld. Die beiden Treppen legen sich aussen an und verbreitern das Baufeld auf 20,53 m; dazu die Nordostkante der Küche als hohes Band und eine geschlossene Studio-Ostwand. Plus zwei Absturzkanten, die auch dann erreichbar sind, wenn das Haus zu ist.

Die zwei Wintergärten

Die Laube war zwei rohe Zellen im Garten, eine Zellbreite abgerückt — nah genug, dass die Geometrie eine Familie blieb, weit genug, dass sie baurechtlich ein eigenes Nebengebäude war. Sie rückt ans Haus und wird zum Wintergarten. Und weil die Rosette zwei Kerben hat, wird sie zu zweien.

Der Grundriss hat genau zwei Stellen, an denen eine Zelle andocken kann, ohne dass etwas ausweichen muss: die Kerbe im Süden zwischen Pforte und Werkstatt und die im Norden zwischen Studio und Technik. Beide bekommen je eine Zelle, beide teilen sich zwei ihrer sechs Facetten mit den Nachbarn, und jede geteilte Facette bekommt eine Tür. Das Haus ist damit wieder punktsymmetrisch — der Wintergarten ist keine Anhängsel-Entscheidung mehr, sondern ein Paar wie die Terrassen.

Zwei Wintergärten, zwei Klimata — dieselbe Logik wie bei den Terrassen. Der Süden ist die Sonnenfalle: Speicherboden, Wintersonne, Pufferraum vor den beiden Räumen mit dem meisten Publikumsverkehr. Der Norden ist der kühle: gleichmässiges, blendfreies Nordlicht — die klassische Atelierlage, und genau das, was Studio und Technik brauchen. Er überhitzt nie, bleibt frostfrei und ist damit Überwinterungsplatz für Pflanzen, Kaltlager und Anzucht. Nicht dasselbe zweimal, sondern zwei verschiedene Räume aus demselben Bauteil.

Nur Balken

Beide Wintergärten sind kein Mauerwerk und keine Vorhangfassade, sondern ein Holzskelett: sechs Eckständer, eine Schwelle, ein Riegel auf 1,05 m, ein Rähm oben und fünf Sparren in Gefällerichtung. Mehr ist da nicht. Die Verglasung sitzt zwischen den Hölzern und ist im Modell bewusst nicht gebaut — sie würde genau das verdecken, worum es geht.

BauteilWieWarum so
TragwerkStänder 15/15, Rähm 15/19, Sparren 11/17, Schwelle und RiegelSichtbar geführt, geschraubt statt verklebt — dieselbe Regel wie für die Installationen im Haus. Wer verstehen will, wie es steht, muss nichts aufmachen.
DachPultdach, 3,20 → 2,20 m, rund 7,6° vom Haus wegEin Zeltdach hätte je zwei neue Kehlen gebracht und damit zunichte gemacht, was die Terrassen gewonnen haben. So bleibt es bei zwei Kehlen im ganzen Haus.
FüllungGlas zwischen den Hölzern; das äusserste Feld als SchiebeelementIm Sommer ganz zu öffnen: dann ist es eine überdeckte Loggia statt eines Glaskastens.
Beschattungnur im Süden: eine laubabwerfende Rebe auf Drahtwerk, 30 cm über dem GlasIm Sommer Schatten, im Winter kahl — kein Motor, keine Markise. Der Nordgarten braucht sie nicht, das ist sein eigentlicher Vorteil.
Lüftunghohe Klappe an der Hauskante, niedrige an der AussenkanteKamineffekt. Ein Wintergarten ohne Querlüftung ist im Juli unbenutzbar.
BodenSüd: dunkler massiver Belag als Speichermasse. Nord: dasselbe, aber es zählt dort nicht.Der Südgarten sammelt die Wintersonne und gibt sie nachts an Raum und Nachbarwände ab.
Heizungkeine, in keinem von beidenFrostfrei durch Sonne und die Wärme der Nachbarräume. Pufferräume, keine Aufenthaltsräume — das entscheidet auch, wie sie baurechtlich zählen.

Was sie ersetzen: den Hof. Variante B hatte einen, die kompakte Rosette hat ihn verloren, und in der Verlust-Liste stand seither „kein Aussenraum ebenerdig, der zum Haus gehört". Genau das sind die beiden jetzt — nur nicht mehr als Loch in der Mitte, sondern als zwei Zellen am Rand. Die Föderations-Idee ist damit nicht mehr gebaut, der Aussenraum ist wieder da.

Ein Wintergarten ist der eine Ort im Haus, an dem Bewegliches unvermeidlich ist. Schiebeelement, Lüftungsklappen, Beschattung — nichts davon lässt sich wegplanen. Die Regel aus Blatt 01 gilt trotzdem weiter, sie verschiebt sich nur: nicht „keine Mechanik", sondern „jede Mechanik von Hand bedienbar". Kurbel statt Stellmotor, Riegel statt Funkschloss.

Was die zwei Anbauten kosten

Zellen
7 + 1 + 2
Baukörper
19,49 × 18,75 m
mit Anbauten
20,53 × 30,15 m
Geschossfläche
≈ 279 m²
Terrassen
2 × 30 m²
Aussentreppen
2 × 30 Stg.
Höhe
3,20 / 4,05 / 6,80 m
Wintergärten
2 × 36,5 m²
Grössenordnung
0,88–1,27 Mio
07Passt das
hinein?

Möblierte
Grundrisse
1:50

Die Zelle ist entschieden — die Zellgrösse nicht

Alles an diesem Entwurf hängt an einer Zahl: 2,90 m Facette, 21,9 m² je Zelle. Sie ist bisher nie geprüft worden. Der schnellste Weg, sie zu prüfen, kostet nichts und braucht kein Grundstück: Möbel in die schwierigsten drei Zellen stellen und nachmessen. Das ist dieses Blatt.

Was eine Wabe von 21,9 m² wirklich hergibt

MassWertWas daraus folgt
Fläche21,9 m²ein Zimmer, kein Saal. Etwa so viel wie ein grosses Wohnzimmer.
Längste gerade Wand2,90 mDas Mass, an dem sich alles bricht. Eine Küchenzeile will 3,60 m, eine Werkbankwand gern 4,00 m, eine Bücherwand am liebsten mehr. In dieser Wabe gibt es nirgends mehr als 2,90 m am Stück.
Grösstes eingeschriebenes Rechteck5,02 × 2,90 m= 14,6 m². Alles, was rechteckig sein muss — Nasszelle, Raum-im-Raum, Serverschrank —, passt nur hier hinein. 7,3 m² jeder Zelle liegen ausserhalb und taugen nur für Wege, Pflanzen und Beiläufiges.
Ecken120°gut zum Durchgehen, schlecht zum Hinstellen. Ein Schrank in einer 120°-Ecke verliert seine Ecke; ein Mensch nicht.
Diagonale5,80 mdas längste Stück, das sich in einer Zelle drehen lässt — für die Werkstatt die relevante Zahl.

Die 2,90 m sind die eigentliche Entwurfsentscheidung, nicht die Sechseckform. Wer diese Zahl ändert, ändert Fussabdruck, Kosten und Dachneigung mit — und wer sie behält, muss mit Möbeln leben, die kürzer sind als anderswo. Beides ist vertretbar; unentschieden ist es nicht mehr.

Drei Zellen, möbliert

Nicht alle sieben — nur die drei, an denen es klemmen könnte: die Werkstatt (viel Gerät, Rangierfläche), das Studio (ein Rechteck im Sechseck) und die Pforte (hindernisfrei ist ein Zwang, kein Wunsch).

Werkbank 2,60 × 0,75 Regal 0,42 tief 3D-Drucker 1,60 × 0,80 Absaugung Tor 2,40 m Rangierfläche zur Halle 1 m 5,02 über die Flachseiten Werkstatt Südwestzelle · 21,9 m² · Dachfenster Geht auf: Werkbank, Regal, ein Maschinen­tisch und eine Rangierfläche, auf der sich 2,40 m Tor sinnvoll öffnen lassen. Geht nicht auf: das Raum­programm wollte 45 m². Zwei Maschinen­tische mehr, eine Absaug­anlage und der Materialvorrat brauchen eine zweite Zelle. Orange: die Wand, vor der die Westtreppe steht. Sie hat kein Fenster — und ist genau deshalb die beste Werkbankwand. Man arbeitet lieber gegen die Wand als gegen das Gegenlicht.

Abb. 26 — Werkstatt, möbliert. Die Wand, die durch die Westtreppe fensterlos wurde, ist ausgerechnet die beste Werkbankwand — man arbeitet ohnehin lieber gegen die Wand als gegen das Gegenlicht. Was nicht aufgeht: das Programm wollte 45 m².

Raum im Raum 4,00 × 2,20 lichte Weite = 8,8 m² entkoppelt, 0,20 m Luft ringsum Aufnahmetisch Schleuse Regie / Ablage zur Halle 1 m 5,02 über die Flachseiten Studio Nordostzelle · 21,9 m² · Dachfenster Geht auf: 8,8 m² entkoppelter Aufnahmeraum plus Regieplatz — genug für Sprachnotizen, TTS-Stimmen und die Vertonung der Lernbühne. Der Preis der Wabe steht hier als Zahl da: 13 m² der Zelle liegen ausserhalb des grössten Rechtecks und taugen nur für Wege und Ablage. Orange: die Wand, vor der die Osttreppe steht. Für ein Studio ist eine geschlossene Wand kein Verlust, sondern genau das, was man will.

Abb. 27 — Studio mit Raum im Raum. Hier wird der Preis der Wabe zur Zahl: von 21,9 m² bleiben 8,8 m² entkoppelter Aufnahmeraum. Das reicht für Sprachnotizen, Stimmen und Vertonung — für ein Ensemble nicht.

WC hindernisfrei 1,85 × 2,15 Wendekreis 1,50 WC 1,05 × 1,95 Garderobe 2,20 × 0,45 Eingang Südost zur Halle zum Wintergarten Windfang · Verteiler 1 m 5,02 über die Flachseiten Pforte Südostzelle · 21,9 m² · Dachfenster Geht auf, aber knapp: zwei WC — eines hindernisfrei mit 1,50-m-Wendekreis —, Garderobe und ein Windfang, der zugleich Verteiler zu Halle und Wintergarten ist. Zwei rechteckige Nasszellen lassen drei 120°-Ecken übrig, die nichts mehr können. Von den drei geprüften Zellen kostet hier die Geometrie am meisten.

Abb. 28 — Pforte mit hindernisfreiem WC. Der 1,50-m-Wendekreis passt — aber die beiden rechteckigen Nasszellen lassen drei 120°-Ecken übrig, die nichts mehr können. Von den drei Zellen ist das die teuerste Geometrie.

Das Programm gegen das Haus

Blatt 00 hat ein Raumprogramm von rund 430 m² aus dem laufenden Betrieb abgeleitet. Das kompakte Haus hat 167 m² beheizt plus 44 m² Wintergarten. Die Gegenüberstellung ist unbequem und gehört deshalb hierher:

Aus dem ProgrammsollIm kompakten Hausist
Pforte / Windfang12Teil der Südostzelle8
Sanitär, Garderobe22Rest der Südostzelle14
Werkbank45Westzelle22
Werkstatt45Südwestzelle22
Materiallager20Rest der Nordwestzelle6
Studio18Nordostzelle22
Serverschrank8Nordwestzelle8
Heiz-/Technikraum14Nordwestzelle8
Küche / Tisch25Ostzelle22
Bibliothek22Empore14
Vereinssaal, 60 Personen75Halle — reicht für 10 am Tisch, 20 im Stehen22
Schaufenster, Ausstellung40kein Ort (behelfsweise Wintergarten Süd)0
Gast- / Knotenzimmer16kein Ort0
Erschliessung65entfällt — kein Korridor im Haus0
Summe427beheizt, ohne Wintergärten168

Das kompakte Haus deckt rund 40 % des Programms. Der grösste Einzelposten ist nicht verkleinert, sondern gestrichen: ein Vereinssaal für 60 Personen. Dazu fehlen Schaufenster und Gastzimmer ganz. Auf der Habenseite steht eine Zahl, die man leicht übersieht: die 65 m² Erschliessung entfallen vollständig — das ist der Gewinn der Rosette, und er ist gross.

Der Saal ist die Grenze des Rasters

Alle anderen Lücken lassen sich durch Anbauen schliessen: das Raster wächst, jede zusätzliche Zelle hängt sich an eine freie Facette, und 22 m² mehr Werkstatt sind eine Zelle mehr. Der Saal nicht. Ein Raum für 60 Personen will eine Spannweite; dieses Haus besteht aus Fünf-Meter-Zellen. Sechs Zellen aneinander ergeben keinen Saal, sondern sechs Zimmer mit Stützen dazwischen.

AuswegWas er bringtWas er kostet
A · Etappieren
empfohlen
Das kompakte Haus ist Etappe 1: der arbeitende Teil des Vereins, 168 m², sofort baubar und finanzierbar. Der Saal kommt später — und als eigenes Bauwerk. Blatt 04 hat dafür längst eine Form: Variante C, die Halle.Der Verein hat bis dahin keinen eigenen Versammlungsraum für 60. Für zwei Termine im Jahr ist das ein Mietsaal, kein Bauprojekt.
B · Grössere ZelleFacette 3,60 statt 2,90 m ergibt 33,7 m² je Zelle, 236 m² im Erdgeschoss. Längste Wand 3,60 m — die Küchenzeile ginge auf.Fussabdruck 18,71 × 28,80 m statt 15,07 × 23,20; Kosten grob +45 %. Und der Saal geht trotzdem nicht auf — 33,7 m² sind keine 75.
C · ZweigeschossigDie vier Steilzellen zweigeschossig: +88 m² ohne einen Quadratmeter mehr Grundstück.Die Zeltdächer fallen weg, die Laterne verliert ihre Wirkung, der ganze Schnitt kippt. Das ist kein Ausbau mehr, das ist ein anderes Haus.

Die Empfehlung ist A — und mit ihr eine Frage, die vor jeder Zeichnung beantwortet gehört: Braucht der Verein wirklich einen eigenen Saal für 60? Eine Mitgliederversammlung findet ein- bis zweimal im Jahr statt. 75 m² für zwei Abende sind die teuersten Quadratmeter des ganzen Programms. Fällt die Antwort „nein", dann ist das kompakte Haus kein Kompromiss mehr, sondern das ganze Haus — und die Studie ist an ihrem Ziel.

Geprüfte Zellen
3 von 7
Längste Wand
2,90 m
Nutzbares Rechteck
14,6 m²
Programmdeckung
≈ 40 %
Ohne Ort
Saal · Schaufenster · Gast
Erschliessung gespart
65 m²
08Die Seiten­länge

Vier Grössen
im Vergleich

Standard­masse

Die letzte offene Zahl

Der Saal für 60 ist vom Tisch — er wird gemietet oder findet im Freien statt. Damit fällt der einzige Posten weg, den dieses Raster ohnehin nicht lösen konnte, und das Programm schrumpft auf rund 287 m² Nutzfläche (427 minus 75 m² Saal, minus 65 m² Erschliessung, die hier gar nicht erst entsteht). Übrig bleibt genau eine unentschiedene Zahl: die Seitenlänge der Wabe. Sie ist auch die einzige Entscheidung, die sich später nicht mehr korrigieren lässt — die Zahl der Zellen schon.

Was mit der Seitenlänge skaliert

GrösseFormelWächst
Fläche je Zelle2,598 · s²quadratisch. Von 2,90 auf 3,75 m sind +29 % Seitenlänge — und +67 % Fläche.
Längste gerade Wandslinear. Das Mass, an dem sich die Möblierung bricht (Blatt 07).
Schlüsselweite1,732 · slinear. Die Breite der Zelle über die Flachseiten.
Grösstes Rechteck1,732 · s × squadratisch. Alles, was rechteckig sein muss, passt nur hier hinein.
Fussabdruck Rosette5,196 · s × 5 · slinear je Richtung — aber beide zugleich, also quadratisch in der Fläche.
Zahl der Bauteilekonstantgar nicht. Immer sieben Zellen, immer sechs Wandtafeln je Zelle. Sie werden nur grösser — und grössere Tafeln sind pro m² billiger, weil Fugen, Ecken und Anschlüsse gleich viele bleiben.
Kosten≈ s1,9fast quadratisch. Etwas weniger, weil der Anschlussaufwand je m² sinkt.

Standardmasse im Holzbau — was wirklich bindet

Die Frage „gibt es Standardlängen?" hat eine überraschende Antwort: für die Seitenlänge selbst kaum. Was bindet, ist das Raster dahinter.

BauteilStandardmassWas es für die Wabe heisst
Plattenwerkstoffe
OSB, Gipsfaser, Dreischicht
1,25 m Breite
Ständerabstand 0,625 m
Das ist der Takt. Eine Wand, deren Länge ein Vielfaches von 0,625 m ist, hat lauter gleiche Gefache. Jede andere Länge endet in einer Stummelbucht — bei 2,90 m sind das 0,40 m, an jeder der achtzehn Aussenwände.
Brettsperrholz (BSP)Plattenbreite 2,95 / 3,00 / 3,50 m
Länge bis 16 m
Die Plattenbreite begrenzt nicht die Wandlänge, sondern die Wandhöhe. Bei 3,20 m Traufe braucht jede Tafel eine Fuge oder eine Sonderplatte.
KVH / Brettschichtholz5,00 / 6,00 / 8,00 / 10,00 / 13,00 munkritisch. Sparren und Rähm bleiben in jeder der vier Grössen deutlich darunter.
TransportLadefläche 13,60 × 2,48 m
bis 3,00 m ohne Sondertransport
Eine fertige Wandtafel muss in 3,00 m Höhe und Breite passen. Bis s = 3,00 m geht sie liegend gestapelt; darüber wird es eine Frage der Ladungssicherung, kein Verbot.
Gipskarton innen2,50 / 2,60 / 3,00 m LängeRaumhöhen von 2,50, 2,60 oder 3,00 m sind fugenfrei. 2,60 m lichte Höhe passt zu allen vier Kandidaten.

Der teuerste Fund steht in der zweiten Zeile und hat mit s gar nichts zu tun: die Traufhöhe von 3,20 m liegt über der Standard-Plattenbreite von 2,95/3,00 m. Jede Aussenwand braucht deshalb eine Fuge, die niemand sehen will, oder eine Sonderplatte, die niemand zahlen will. Traufe auf 3,00 m senken und jede Wand ist eine Tafel. Der Terrassenbelag bleibt bei 2,95, der First rutscht von 4,05 auf 3,85 — im Bild kaum sichtbar, in der Kalkulation deutlich.

Vier Zellen, gleicher Massstab, dieselben Möbel

A · 2,50 m Fläche 16,2 m² längste Wand 2,50 m Ständerbucht 4 × 0,625 Rechteck 4,33 × 2,50 m Zeile 3,00 m passt NICHT B · 2,90 m Fläche 21,8 m² längste Wand 2,90 m Ständerbucht 4,64 × 0,625 Rechteck 5,02 × 2,90 m Zeile 3,00 m passt NICHT C · 3,125 m Fläche 25,4 m² längste Wand 3,125 m Ständerbucht 5 × 0,625 Rechteck 5,41 × 3,12 m Zeile 3,00 m passt D · 3,75 m Fläche 36,5 m² längste Wand 3,75 m Ständerbucht 6 × 0,625 Rechteck 6,50 × 3,75 m Zeile 3,00 m passt

Abb. 29 — Vier Zellen im gleichen Massstab. In jede ist dasselbe hineingestellt: eine 3,00-m-Zeile an die rechte Flachseite, ein Tisch 1,60 × 0,90 und ein Wendekreis von 1,50 m. Gestrichelt das grösste eingeschriebene Rechteck. Bei A und B ist die Zeile orange — sie passt nicht an die Wand, sie müsste um die 120°-Ecke.

Vier Rosetten, gleicher Massstab

A · 2,50 m 12,99 × 12,50 m 7 Zellen = 114 m² mit Wintergärten 12,99 × 20,00 m B · 2,90 m 15,07 × 14,50 m 7 Zellen = 153 m² mit Wintergärten 15,07 × 23,20 m C · 3,125 m 16,24 × 15,62 m 7 Zellen = 178 m² mit Wintergärten 16,24 × 25,00 m D · 3,75 m 19,49 × 18,75 m 7 Zellen = 256 m² mit Wintergärten 19,49 × 30,00 m

Abb. 30 — Dieselben vier Längen als ganzes Haus. Der Sprung von B nach D sieht auf dem Blatt klein aus und ist es nicht: 4,4 m mehr in der Breite, 4,25 m mehr in der Tiefe, 103 m² mehr Fläche.

Die vier Kandidaten

A · 2,50B · 2,90C · 3,125D · 3,75
Fläche je Zelle16,2 m²21,8 m²25,4 m²36,5 m²
Schlüsselweite4,33 m5,02 m5,41 m6,50 m
Ständerbuchten44 + Stummel56
3,00-m-Zeile an eine Wandneinneinjaja
Rosette, 7 Zellen114 m²153 m²178 m²256 m²
+ Empore≈ 10≈ 14≈ 16≈ 23
Deckung des Programms
287 m² ohne Saal
43 %58 %68 %97 %
Fussabdruck Rosette12,99 × 12,5015,07 × 14,5016,24 × 15,6319,49 × 18,75
… mit zwei Wintergärten× 20,00× 23,20× 25,00× 30,00
Kostenindex0,751,001,151,63
Grössenordnung0,50–0,650,66–0,860,76–0,991,08–1,40

Verdikt

Zwei der vier fallen sofort weg. A (2,50 m) ist der reine Rastergedanke ohne Rücksicht auf die Nutzung: 16 m² sind ein Zimmer, keine Werkstatt, und eine Zeile von drei Metern passt nirgends an eine Wand. B (2,90 m), der heutige Stand, teilt diesen Mangel — und liegt als einziger Kandidat nicht auf dem Ständerraster. Er ist offenbar aus der Zeichnung entstanden, nicht aus dem Bau.

Die Empfehlung ist D · 3,75 m. Drei Gründe, in dieser Reihenfolge:

1. Es ist die einzige Grösse, in der das Programm ohne Saal in sieben Zellen aufgeht — 279 gegen 287 m². Bei C fehlt ein Drittel, und ein Drittel schliesst man nicht mit Möblierungsgeschick.

2. Die Zellgrösse ist die einzige Entscheidung, die sich später nicht revidieren lässt. Die Zellzahl schon: etappieren heisst weniger Zellen, nicht kleinere. Vier Zellen zu 36,5 m² sind eine sinnvolle erste Etappe; vier Zellen zu 21,8 m² sind ein Provisorium, das man nie mehr los wird.

3. 3,75 m = 6 × 0,625 m = 3 × 1,25 m. Jede Wandtafel hat sechs gleiche Gefache und verbraucht drei volle Plattenbreiten. Keine Stummelbucht, kein Reststreifen — achtzehnmal.

Der Preis steht ehrlich in der Tabelle: Kostenindex 1,63 und ein Baufeld von 19,49 × 18,75 m für die Rosette allein. Mit beiden Wintergärten werden daraus 19,49 × 30,00 m — das ist mehr, als ein normales Einfamilienhaus-Grundstück hergibt. Zwei Auswege, beide verträglich: nur einen Wintergarten bauen (dann 19,49 × 26,25 m), oder mit vier bis fünf Zellen anfangen statt mit sieben.

Und wenn das Geld nicht reicht: dann ist C · 3,125 m die richtige Antwort, nicht B. Sie ist die kleinste Zelle, in der eine Drei-Meter-Zeile an eine Wand passt, sie liegt sauber auf dem Ständerraster, und sie kostet nur 15 % mehr als der heutige Stand. B · 2,90 m sollte in keinem Fall bleiben — es ist die einzige der vier Zahlen, für die es kein Argument gibt.

Empfehlung
3,75 m
Rückfallwert
3,125 m
Zelle
36,5 m²
Rosette
256 m²
Baufeld
19,49 × 18,75 m
Kostenindex
1,63
09Die erste
Zelle

Kosten­rechnung
und Grundriss

Eine Zelle kostet kein Siebtel

Die naheliegende Rechnung — 1,08 Mio geteilt durch sieben, also rund 155 000 für den Anfang — ist falsch, und zwar in beide Richtungen. Falsch nach unten, weil ein grosser Teil der Kosten überhaupt nicht mit der Zellenzahl zusammenhängt: Baugesuch, Statik, Baustelleneinrichtung, Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss fallen einmal an, ob man eine Zelle baut oder sieben. Falsch nach oben, weil die erste Zelle sechs Aussenwände hat und jede weitere nur noch drei.

Die Fixkosten — einmal, unabhängig von allem

PostenvonbisWarum er nicht kleiner wird
Baugesuch, Planung, Statik, Bauleitung2845Ein Baugesuch für 36 m² ist fast so aufwendig wie eines für 256 — dieselben Nachweise, dieselben Ämter.
Vermessung, Absteckung, Baugrund47Der Baugrundnachweis gilt für die ganze Parzelle.
Baustelleneinrichtung, Aushub, Zufahrt1018Bagger und Kran kommen einmal — für eine Zelle genauso wie für drei.
Anschlüsse Wasser, Abwasser, Strom2238Anschlussgebühren und Grabenmeter bis zur Parzellengrenze. Der teuerste Einzelposten, den niemand auf dem Bild sieht.
Umgebung minimal, Entwässerung814Zugang und Regenwasser braucht auch ein einzelnes Gebäude.
Summe72122in Tausend CHF

Die erste Zelle selbst

PostenMengevonbis
Bodenplatte, gedämmt36,5 m²1519
Wände — alle sechs aussen67,5 m²3647
Zeltdach inkl. Dämmung und Eindeckung38,5 m²1519
Fenster, Tür, Tor 2,40 m1220
Elektro, Wasser, Holzofen1828
Nassecke: WC und Becken3,4 m²914
Innenausbau, Boden, Oberflächen36,5 m²913
Zelle114160
mit Fixkosten186282
je m²36,5 m²5 1007 700

Jede weitere Zelle kostet 71–103 Tausend — rund 2 000 bis 2 800 CHF je m² statt 5 100 bis 7 700. Der Unterschied sind die Fixkosten, die schon bezahlt sind, und die drei Wände, die zur Nachbarzelle hin nicht mehr gebaut werden müssen.

Die Kostenkurve

0 2 000 4 000 6 000 1 Zellen · 6 411 CHF je m² · 234 kCHF gesamt 6,4k 1 2 Zellen · 4 397 CHF je m² · 321 kCHF gesamt 4,4k 2 3 Zellen · 3 726 CHF je m² · 408 kCHF gesamt 3,7k 3 4 Zellen · 3 390 CHF je m² · 495 kCHF gesamt 3,4k 4 5 Zellen · 3 189 CHF je m² · 582 kCHF gesamt 3,2k 5 6 Zellen · 3 055 CHF je m² · 669 kCHF gesamt 3,1k 6 7 Zellen · 2 959 CHF je m² · 756 kCHF gesamt 3,0k 7 Zahl der Zellen CHF je m², kumuliert

Abb. 31 — Was der Quadratmeter kostet, je nachdem wie weit man baut (Mittelwerte, Rohbau bis Innenausbau, ohne Land, ohne Terrassen, Treppen, Laterne und Wintergärten). Die erste Zelle ist mehr als doppelt so teuer je m² wie die siebte. Ab der dritten wird die Kurve flach — der Sprung, der sich lohnt, ist der von eins auf drei, nicht der von sechs auf sieben.

Die Leiter

EtappeWas stehtkCHFje m²
0 · WintergartenNur Balken: sechs Ständer, Schwelle, Riegel, Rähm, Sparren. Unbeheizt, auf Punktfundamenten, ohne Erschliessung. Das Übungsstück im Massstab 1:1 — und es steht schon an seinem endgültigen Platz.27–44
verglast 41–66
740–1 200
1 · WerkstattzelleEine beheizte Zelle mit Tor, Nassecke und Holzofen. Erschliessung liegt. Ab hier arbeitet der Verein im eigenen Haus.186–2825 100–7 700
2 · +2 ZellenWerkbank und Halle. Damit ist der Kern beisammen: arbeiten, sich treffen, ankommen.+142–2063 000–4 400
3 · +4 ZellenStudio, Technik, Pforte, Küche. Die Rosette ist geschlossen.+284–4122 300–3 200
4 · AufbautenEmpore und Laterne, zwei Dachterrassen, zwei Aussentreppen, zweiter Wintergarten.+240–330
SummeDer volle Ausbau aus Blatt 06≈ 880–1 270≈ 2 900

Etappe 0 ist der eigentliche Fund. Der Wintergarten besteht nur aus Balken, steht auf Punktfundamenten, braucht keinen Anschluss und keine Dämmung — und er steht bereits an seinem endgültigen Platz. Für 27 bis 44 Tausend baut der Verein damit ein Übungsstück im Massstab 1:1: dieselben 120°-Winkel, dieselben Zuschnitte, dieselbe Gruppe, ein Zehntel des Risikos. Wer den Wintergarten gebaut hat, weiss vor der ersten beheizten Zelle, ob Selbstbau in dieser Gruppe funktioniert. Ob er ohne ordentliches Baugesuch geht, entscheidet die Gemeinde — das ist die erste Frage, die sich zu stellen lohnt, weil sie so wenig kostet.

Der Grundriss der ersten Zelle

Gebaut wird die Südwestzelle: die Werkstatt. Sie ist die einzige Nutzung, die ohne die anderen auskommt — Software-Arbeit geht überall, Löten, 3D-Druck, NFC-Schmiede und Münzprägen nicht. Sie hat das Tor, also die Anlieferung. Und mit 3,75 m Facette passt die 3,00-m-Werkbank endlich an eine Wand.

Werkbank 3,00 × 0,75 — jetzt passt sie an eine Wand Regal 3,00 × 0,45 3D-Drucker 1,60 × 0,80 Nassecke 1,60 × 2,10 WC + Becken Holzofen Tor 2,40 m Rangierfläche 1 m 6,50 über die Flachseiten Die erste Zelle Werkstatt · Seitenlänge 3,75 m · 36,5 m² · frei stehend Gebaut wird die Südwestzelle: die Werkstatt. Sie ist die einzige Nutzung, die keinen Anschluss an die anderen braucht — Software-Arbeit geht überall, Löten, 3D-Druck und Münzprägen nicht. Und sie hat das Tor. Vier ihrer sechs Wände werden im Endausbau Innenwände (gestrichelt). Sie werden deshalb als abschraubbare Tafeln gebaut: kommt die Nachbarzelle, wandert die Tafel nach aussen weiter statt in den Container. Aussen bleiben nur zwei: die Torwand und die Wand, vor der später die Westtreppe steht. Gestrichelt: wird später Innenwand.

Abb. 32 — Die erste Zelle als frei stehendes Haus. Durchgezogen die beiden Wände, die für immer aussen bleiben: die Torwand und die, vor der später die Westtreppe steht. Gestrichelt die vier, die im Endausbau innen liegen.

Die vier künftigen Innenwände werden als abschraubbare Tafeln gebaut. Kommt die Nachbarzelle, wandert die Tafel nach aussen weiter, statt in den Container zu gehen. Das ist die Wechselraten-Regel aus Blatt 01 wörtlich genommen: geschraubt statt verklebt, damit die schnelle Schicht die langsame nicht mit sich reisst. Es ist auch der Grund, warum die Werkstatt eine gute erste Zelle ist und die Mitte eine schlechte wäre — die Mitte bekommt später sechs Nachbarn.

Was die Sparsamkeit kostet

Etappe 0
27–44 kCHF
Erste Zelle
186–282 kCHF
Je weitere
71–103 kCHF
Fixkosten
72–122 kCHF
Erste Zelle je m²
5 100–7 700
Siebte Zelle je m²
≈ 2 960
10 aWeg A
Material
und
Schichten

Knoten­detail
1:5

Vier Schichten, vier Lebensdauern, eine Regel

Bis hierher steht das Haus als Geometrie und als Zahl da. Material ist nur beiläufig gefallen: „Holz und Ziegel“ in der Ortsbaukultur-Zeile auf Blatt 01, „verzinkter Stahl“ bei den Treppen, „Glas auf Balken“ bei den Wintergärten. Das war keine Lücke aus Versehen — solange die Seitenlänge wanderte, wäre jede Materialliste Makulatur gewesen. Seit Blatt 08 steht sie.

Zwei Zeilen aus dem Übersetzungsschlüssel nehmen die meisten Entscheidungen vorweg, und beide sind längst getroffen: „Schichten nach Wechselrate“ und „das Mass kommt von der Wandtafel“. Aus der ersten folgt, wie gefügt wird; aus der zweiten, woraus.

Die Regel, aus der der Rest folgt: jede Schicht muss sich zurückbauen lassen, ohne die langsamere darunter zu zerstören. Das ist kein ökologisches Bekenntnis, sondern dieselbe Regel wie im Repo — eine schnelle Schicht darf keine harte Abhängigkeit in eine langsame schreiben. Baulich heisst das: geschraubt statt verklebt, hinterlüftet statt verputzt, gestapelt statt verbunden.

heute 25 Jahre 50 Jahre 75 Jahre 100 Jahre Tragwerk Holzrahmen-Tafel, Fichte/Tanne einmal gebaut Hülle Schalung, Dach, Fenster 3 × erneuert Technik Lüftung, Elektro, Server 6 × erneuert Ausbau Dreischichtplatte, Lehmputz 19 × erneuert Geschraubt statt verklebt heisst: jede Zeile lässt sich wechseln, ohne die Zeile darüber anzufassen.

Abb. 33 — Was die Wechselraten in hundert Jahren bedeuten. Der Ausbau wird neunzehnmal gewechselt, während das Tragwerk einmal steht. Jeder dieser neunzehn Wechsel ist entweder eine Schraube, die man aufdreht, oder eine Wand, die man aufschlägt.

Das Tafelmass entscheidet den Rohbau, nicht der Geschmack

Die 3,75 m sind ein Fertigungsmass. Damit ist der Rohbau faktisch schon gewählt: Holzrahmen-Tafelbau. Brettsperrholz fällt aus zwei Gründen weg — eine Platte 3,75 × 3,00 m in 100 mm wiegt rund 530 kg und braucht einen Kran, und sie ist verklebt. Das erste widerspricht dem Selbstbau-Versprechen aus Blatt 05, das zweite der Regel oben.

Der Takt aus Blatt 08 geht auf — beinahe. 3,75 m sind exakt sechs Gefache à 0,625 m; die Stummelbucht, die 2,90 m an jeder der achtzehn Aussenwände hinterlassen hätte, ist weg. Bis der Eckständer kommt: er frisst an jedem Wandende gut 20 cm (siehe unten), und was dazwischen bleibt, ist kein Vielfaches von 0,625 mehr. Entweder man legt das Ständerraster von der Ecke nach innen — dann stimmen die Gefache und die Plattenstösse liegen schief — oder umgekehrt. Das ist eine Entscheidung für die Werkplanung, keine für dieses Blatt, aber sie gehört notiert, bevor jemand sechs gleiche Tafeln bestellt.

Eine Zahl aus Blatt 05 muss dabei nachgeschärft werden. „Zu zweit stellbar“ stimmt für den rohen, liegend zusammengeschraubten Rahmen, der vor Ort aufgekippt wird — bei 3,75 m rund 180 kg, mit Hebel machbar. Eine fertige Tafel mit Dämmung und beidseitiger Beplankung liegt bei gut 500 kg; die kommt vom LKW und braucht einen Minikran. Das ändert nicht den Entwurf, aber die Erzählung: Mitglieder bauen die Tafeln, sie stellen sie nicht.

Der Auszug aus dem Modell

Bis hierher standen die Flächen dieses Berichts als Zahlen im Text — jemand hatte sie ausgerechnet, und man musste es glauben. Sie fallen jetzt aus derselben Geometrie heraus, die auch gezeichnet wird (mengen.mjs): ändert sich die Seitenlänge, ändert sich der Auszug mit. Zwei Dinge musste die Rechnung dafür lernen. Erstens, dass jede Zelle alle sechs Facetten zeichnet — wo zwei Zellen aneinanderstossen, liegen zwei Wände übereinander, und wer sie nicht zusammenfasst, zählt 38 statt 18 Aussenwänden. Zweitens, dass die Mitte höher steht als ihre Nachbarn: die gemeinsame Höhe ist Innenwand, der Überstand bleibt aussen.

BauteilMengeAnmerkung
Zelle36,5 m²Sechseck mit Facette 3,75 m, Apothem 3,25 m
Sieben Zellen255,7 m²Bruttogrundfläche Erdgeschoss, ohne Wandstärke
Aussenwand236,3 m²die 18 freien Facetten, dazu die Stücke, mit denen eine höhere Zelle über ihre Nachbarn hinaussteht
Innenwand138,4 m²die zwölf geteilten Facetten, je einmal gerechnet — nicht zweimal
Fenster und Türen45,0 m²davon 15,6 m² Türen — 19 % der Aussenwand
Laternenverglasung27,0 m²das Glasband über den Nachbarfirsten
Zeltdach191,3 m²geneigte Fläche, nicht Grundfläche — die fünf Zeltdächer inklusive Laterne
Gründach73,1 m²die beiden Terrassen

Bruttogrundfläche der sieben Zellen, ohne Wandstärke — Empore, Wintergärten und Terrassen kommen im Raumprogramm von Blatt 08 dazu und sind hier bewusst nicht mitgerechnet. Öffnungen sind im Modell Aufkleber vor der Wand; sie stehen als eigene Zeile und sind von der Aussenwandfläche nicht abgezogen.

Der Tafeltakt, gezählt statt behauptet. Aus dem Modell fallen 18 freistehende Aussenfacetten — die drei freien jeder der sechs Aussenzellen. Bei 3,75 m Seitenlänge sind das genau 3 Platten à 1,25 m und 6 Gefache à 0,625 m je Facette, zusammen 54 Tafeln — der Takt geht ohne Rest auf. Die höchste bodenstehende Tafel misst 3,20 m und liegt damit über der grössten gängigen Plattenbreite von 3,00 m — jede Aussenwand braucht eine Fuge oder eine Sonderplatte. Die Traufe auf 3,00 m zu senken löst das, und zwar für alle achtzehn auf einmal.

Schicht für Schicht

SchichtMaterialWechselWer baut
GründungBodenplatte aus RC-Beton, Zement CEM III, auf Schaumglasschotter statt XPS — tragfähig, kapillarbrechend, frostsicher, mineralisch, aus Altglas. Ein Bauteil statt drei.100+Betrieb
TragwerkHolzrahmen-Tafel, Fichte/Tanne aus der Region. Rähmring und Laternenstützen in Brettschichtholz — der Ring nimmt den Schub von sechs Zeltdächern. Verbindungen: Vollgewindeschrauben und CNC-gefräste Stahlblech-Formteile, kein Leim.100Zimmerei
DämmungEinblas-Zellulose 240 mm im Gefach, aussen 22 mm Holzfaser-Unterdeckplatte. Nicht aus Prinzip, sondern wegen der Phasenverschiebung: dieses Haus hat eine verglaste Laterne und zwei Wintergärten und ist sommerhitzegefährdet.30Verein
FassadeSägerohe Weisstanne oder Lärche, senkrecht, unbehandelt, hinterlüftet, darf vergrauen. Unterste 30 cm Spritzwasserzone in Blech. Kein chemischer Holzschutz — konstruktiv gelöst.30Verein
ZeltdächerStehfalz in vorbewittertem Aluminium. Nicht Titanzink: das Dachwasser läuft in die Zisterne. Siehe die Abwägung unten — hier widerspricht das Haus seiner eigenen Ortsbaukultur-Zeile.40–60Spengler
FlachdächerWarmdach, Gefälledämmung, zweilagig bituminös mit FLL-Wurzelschutz, darüber der begehbare Aufbau. Plus eine Leckortungsschicht — ohne sie ist ein Loch unter Substrat und Holzrost nicht auffindbar.30–40Fachbetrieb
FensterHolz-Metall, 3-fach für Laterne und Zellen: Holz innen, Alu-Wetterschale aussen — der 100/30-Schnitt in einem Bauteil. Beschattung aussen, nicht über Sonnenschutzglas.30–40Betrieb
WintergärtenEinfach- oder unbeschichtetes Zweifachglas zwischen den Hölzern, äusserstes Feld als Schiebeelement. Nur solange sie unbeheizte Pufferräume bleiben — siehe Blatt 11.30Betrieb
Ausbau trockenDreischichtplatte auf Lattung, geschraubt — Werkstatt, Studio, Magazin, Lager. Trägt Lasten an jeder Stelle, kommt ohne Spachtel aus, ist in einer Stunde wieder weg.5–15Verein
Ausbau schwerLehmbauplatte mit Lehmputz in Halle, Empore, Küche und Aufenthalt; dazu eine Speicherwand aus Stampflehm in der zweigeschossigen Mitte. Begründung unten — das ist die einzige Stelle, an der Masse hingehört.30+Verein
BödenMassivholzdielen, geschraubt und abschleifbar. In Werkstatt, Pforte und Magazin ein geschliffener Zementüberzug — Späne, Rollen, Nässe.20–50gemischt
TechnikzelleKalksandstein oder Beton, EI 60, Steinwolle, kein Holz innen. Die eine Zelle, in der das Modul bricht.100Fachplaner
HaustechnikSichtbar auf der Rückgrat-Achse: Kabel auf Pritsche, Rohre auf Schellen, nichts eingeputzt. Neben jeder Automatik ein mechanischer Schalter.15Betrieb

Der Eckknoten — wo der Mehrpreis wirklich sitzt

Blatt 05 sagt: „der Mehrpreis steckt in den Anschlüssen, nicht im Rohbau.“ Das ist die teuerste Behauptung der ganzen Skizze und war bisher unbelegt. Der Schnitt unten belegt sie — und liefert gleichzeitig die Antwort darauf.

120° 24 Schalung sägeroh, senkrecht, unbehandelt 40 Traglattung waagrecht 30 Konterlattung senkrecht = Hinterlüftung 22 Holzfaser-Unterdeckplatte, diffusionsoffen 240 Ständer 60/240, Gefach Einblas-Zellulose 15 OSB — Aussteifung und luftdichte Ebene 40 Installationsebene, Lattung 40 19 Dreischichtplatte, geschraubt Wandaufbau 430 mm U ≈ 0,16 W/m²K · Ständeranteil gerechnet Eckleiste 40/60 deckt den Stoss, keine Gehrung Hinterlüftung 30 unten und oben offen Eckständer 21 cm Vollholz je Tafel luftdichte Ebene nicht gestossen aussen innen 0 500 mm Horizontalschnitt 1:5

Abb. 34 — Wandaufbau im 120°-Eckknoten, Horizontalschnitt 1:5. Aussen oben. Die Fuge auf der Winkelhalbierenden ist die Gehrung zwischen den beiden Tafeln.

Die senkrechte Schalung ist die eigentliche Antwort auf das Sechseck. Jede 120°-Ecke wird zu einer aufgesetzten Eckleiste — ein Brett, fertig. Waagrechte Schalung, Plattenwerkstoffe oder Putz machen aus derselben Ecke eine Gehrung oder ein Sonderprofil, und davon gibt es sechs je Zelle. Senkrecht schalen kostet an der Ecke nichts; von den rund 200 m² Fassade der ganzen Rosette sind dann 100 % Katalogware.

Was die Ecke dagegen wirklich kostet, steht in der Mitte des Schnitts. Bei 240 mm Rahmentiefe reicht der Eckständer gut 21 cm weit in jede Tafel hinein — kürzer geht nicht, sonst stünde er jenseits der Winkelhalbierenden. Das ist der teuerste Ständer im Haus, sechsmal je Zelle, und die einzige Sonderform, die eine Tafel überhaupt hat. Er ist zugleich eine Wärmebrücke aus Vollholz. Wer sie wegrechnen will, dämmt den Eckkeil und arbeitet mit zwei schlanken Ständern — dann ist die Ecke wärmer und der Zuschnitt deutlich fummeliger. Diese Entscheidung gehört in dieselbe Offerte wie das Tafelmass.

Der Rest des Schnitts ist bewusst gewöhnlich: 430 mm Gesamtstärke, U ≈ 0,16 W/m²K mit gerechnetem Ständeranteil, die luftdichte Ebene auf der OSB und um die Ecke durchlaufend statt dort gestossen — Ecken sind die Stelle, an der Luftdichtheit im Betrieb verloren geht. Dass Blatt 08 die Traufe von 3,20 auf 3,00 m gesenkt hat, zahlt hier ein zweites Mal ein: eine Wand aus einer Platte hat auch keinen waagrechten Stoss in der Dichtebene. Die Installationsebene innen schützt sie zusätzlich — eine Steckdose durchstösst dann eine Lattung, keine Dichtung. Dass die Haustechnik ansonsten sichtbar auf der Rückgrat-Achse läuft, bleibt davon unberührt.

Ziegel oder Blech — hier widerspricht das Haus sich selbst

Die Ortsbaukultur-Zeile verspricht „Riegel, Holz und Ziegel“. Die Geometrie bestraft den Ziegel: ein sechseckiges Zeltdach hat sechs Grate, jede Reihe ist beidseitig geschnitten, die Gratwinkel sind keine Katalogware — und davon gibt es vier, plus die zwei verbliebenen Kehlen und den Anschluss an die Laternenwand.

Spricht für Ziegel

  • Ortsbild. Ein Ökonomiegebäude am Bodensee ist rot und gedeckt, nicht metallisch.
  • Reparierbar durch jeden — ein Ziegel ist ein Handteil.
  • Kein Wärmedehnungs- und kein Geräuschthema.
  • Dachlatten kann der Verein legen; falzen kann er nicht.

Spricht für Stehfalz

  • Ein Spengler kantet jede Geometrie. Verschnitt ist bei Blech kein Kostentreiber — bei Ziegel ist er genau der Posten, der diese Form teuer macht.
  • Die drei kritischen Knoten liegen dann im selben Material wie die Anschlussbleche — statt Glas, Holz, Blech und Ziegel an einem Punkt.
  • Geringeres Gewicht auf einem Dach, das ohnehin über zwei Gründächern sitzt.
  • Flachere Neigungen möglich, falls die Traufe noch einmal wandert.

Empfehlung: Stehfalz — und die Zeile auf Blatt 01 umschreiben, nicht das Dach. „Holz und Ziegel“ war eine Beschreibung der Typologie, keine Materialvorschrift. Was das Ortsbild trägt, ist die sägerohe Holzfassade; das Dach eines Sechsecks sieht ohnehin nach nichts aus, was hier schon stand.

Die beiden Flachdächer sind der einzige Klebstoff im Haus

Blatt 11 sagt es schon: „ein Flachdach über beheizten Räumen verzeiht keinen Ausführungsfehler — hier ist Selbstbau die falsche Stelle zum Sparen.“ Materialseitig heisst das eine unbequeme Wahrheit: für eine begehbare, begrünte Abdichtung über beheiztem Raum gibt es keine biobasierte Lösung, der man dreissig Jahre zutrauen kann. Bitumen oder FPO, geschweisst, vom Fachbetrieb, mit Gewährleistung.

Das sind rund 36 m² verklebte Fläche in einem Haus, das sonst vollständig geschraubt ist. Wir schreiben es hin, statt es zu verstecken: es ist der eine bewusste Bruch mit der Regel ganz oben, und er ist an der richtigen Stelle gemacht — dort, wo ein Fehler nicht reparierbar, sondern ruinös wäre.

Wo Masse hingehört — und warum ausgerechnet in die Mitte

Ein Holzbau mit dieser Menge Glas hat ein Problem, das kein Dämmstoff löst: er hat keine Speichermasse. Die Laterne wirft im Sommer Licht in einen Kern, der nichts davon puffert; die GPU-Grundlast von 0,3–0,8 kW ist ohne Speicher nur ein warmer Luftzug; und der Südwintergarten heizt, bis die Rebe deckt.

Deshalb eine Stampflehm-Wand in der zweigeschossigen Mitte, dort wo das Licht der Laterne auftrifft. Sie ist regional, rückstandslos rückbaubar, im Verein baubar, akustisch wirksam — und sie steht an der einzigen Stelle, an der eine schwere Wand die Wechselraten-Logik nicht verletzt: die Mitte ist die Schicht, die sich nicht ändert. platform/ in Lehm, apps/ in geschraubtem Holz. Das ist kein Bild, das ist dieselbe Regel.

Der zweite Ort für Masse ist der Schallschutz zwischen Werkstatt und Studio — ein Problem, das die offenen Punkte seit Blatt 06 mitschleppen und das mit Dämmung allein nicht lösbar ist. Es braucht Gewicht: doppellagige Gipsfaser plus eine Splittschüttung in der Balkenlage, grob 50 kg/m² je Schale. Zellulose hilft dabei, aber sie trägt nichts zu dem bei, was nur Masse leisten kann.

Die eine Zelle, die kein Holz ist

Serverschrank, USV und LiFePO4-Speicher wollen einen eigenen Brandabschnitt, eigene Lüftung und eine Abnahme. Materialseitig heisst das: Kalksandstein oder Beton, EI 60, Steinwolle statt Zellulose, kein Holz an der Innenseite.

Damit bricht die Regel „ein Modul, überall gleich“ — genau einmal, an einer benennbaren Stelle, aus einem prüfbaren Grund. Das ist besser als eine Ausnahme, die erst der Fachplaner findet.

Was nicht in Frage kommt

NichtWarum nicht
Brettsperrholzverklebt und kranpflichtig — bricht das Tafelmass und „geschraubt statt verklebt“ in einem Bauteil.
Strohballen36 cm sprengen den 0,625-Takt, 120°-Ecken sind in Stroh eine Qual, Gewährleistung und Versicherung in der Schweiz ein Kampf. Wertekonform, entwurfsfeindlich.
Gipskartondie verspachtelte Schicht ist per Definition nicht rückbaubar — und widerspricht „wer verstehen will, muss keine Wand aufschlagen“.
WDVS / EPSKleber, Dübel, Gewebe, Putz ergeben ein untrennbares Bauteil. Das Anti-Schichten-Material schlechthin.
PVCmaterialseitiger Vendor-Lock; als Abdichtung braucht es ausserdem Trennlagen zu allem Holzigen.
Chemischer Holzschutzbei Hinterlüftung und konstruktivem Holzschutz unnötig — und er macht das Holz am Lebensende zu Sondermüll.
Systemfassaden„kein Vendor-Lock“ gilt auch für Bauteile, die in fünfzehn Jahren abgekündigt sind.
Titanzink blankschwemmt Zink ins Dachwasser. Dieses Haus sammelt sein Dachwasser in einer Zisterne.

Was das je Quadratmeter heisst

Die Kostenrechnung steht auf Blatt 09 und bleibt dort. Die Zahlen hier sind die Bauteilpreise, die dort eingehen — Grössenordnungen auf Schweizer Niveau, ohne Gewähr und ohne Teuerung. Sie sagen nichts über die Bausumme, sondern nur, welche Materialentscheidung überhaupt einen Unterschied macht.

PositionCHF/m²Bemerkung
Schalung Weisstanne, unbehandelt30–50Material; Lärche 60–90. Montage im Verein. Rund 200 m² an der ganzen Rosette.
Stehfalz Aluminium, verlegt180–280Verschnitt spielt kaum eine Rolle — der Grund für die Empfehlung.
Ziegel auf dem Zeltdach120–180plus Grat- und Verschnittzuschlag, und genau der ist hier der Posten.
Gründachaufbau über der Abdichtung200–3002 × 18 m². Abdichtung, Gefälledämmung und Leckortung kommen dazu.
Einblas-Zellulose 240 mm30–45im Selbstbau mit Mietmaschine deutlich weniger.
Lehmputz zweilagig60–100handwerklich; im Verein ein Bruchteil davon, mit Anleitung.

Die Materialwahl ist nicht der Hebel — und das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Blattes. Zwischen der teuersten und der günstigsten vertretbaren Zeile oben liegen Zehntausende. Zwischen der ersten und der siebten Zelle liegen laut Blatt 09 5 100 gegen 2 960 CHF je m². Material entscheidet nicht, ob gebaut wird; es entscheidet, wer baut — und das ist bei diesem Verein die eigentliche Währung.

Genau deshalb steht dieses Blatt nach der Kostenrechnung und nicht davor. Etappe 0, der Wintergarten aus lauter Balken, prüft von alledem nur eines — ob die Gruppe 120° zuschneiden kann. Wandaufbau, Dichtebene und Dach kommen erst mit der ersten beheizten Zelle, und bis dahin ist jede Zeile oben umstossbar.

Wandstärke
430 mm
U-Wert
≈ 0,16
Schichten
4
Dämmstoff
Zellulose
Eckständer
21 cm
Verklebt
nur Flachdach
Nichtbrennbar
1 Zelle
Fassade
unbehandelt
10 bWeg B
Stein

Der Stein dämmt nicht

Blatt 10 a beschreibt einen Weg: Holzrahmen, leicht, trocken, geschraubt. Er ist gut begründet, aber er ist eine Wahl unter mehreren. Die drei folgenden Blätter prüfen die Alternativen am selben Haus — gleiche Geometrie, gleiche Facette von 3,75 m, gleiches Programm. Verglichen wird auf Blatt 10 e.

Naturstein hat alles, was diesem Haus fehlt: Masse, Dauerhaftigkeit, eine Oberfläche, die altert statt zu verfallen. Er hat aber auch eine Eigenschaft, die den ganzen Weg bestimmt.

Stein ist Speichermasse, kein Dämmstoff. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt bei rund 2,2 W/mK — etwa das Fünfzigfache von Zellulose. Eine einschalige Natursteinwand, die den Dämmwert des Holzbaus erreichen soll, müsste rechnerisch gut vierzehn Meter dick sein. Damit ist die Frage „massiv oder gedämmt“ nicht mehr offen: In Tägerwilen wird jede Steinwand zweischalig.

Der Aufbau folgt daraus. Innen trägt eine Natursteinschale von 300 mm, davor liegt die Dämmung, und aussen steht eine vorgemauerte Schale von 150 mm, die sichtbar bleibt und das Wetter nimmt. Der Stein tut damit zweimal etwas Sinnvolles — innen speichert er, aussen schützt er — aber er trägt nur einmal, und dazwischen liegt eine Dämmebene, die es in keinem historischen Steinbau gab.

Was die Ecke kostet

Die Wabe hat 18 freie Aussenfacetten und damit 18 Aussenecken von 120°. Im Holzbau ist das eine Frage des Eckständers (10 a). Im Steinbau ist es eine Frage der Steinmetzarbeit: Jede Ecke braucht zugehauene Ecksteine im stumpfen Winkel, Lage für Lage, innen wie aussen. Das ist die Stelle, an der dieser Weg teuer wird — nicht das Material, sondern die Ecke.

Dazu kommt, was der Weg am Entwurf erzwingt. Die beiden auskragenden Terrassendächer und die zweigeschossige Mitte sind aus einem leichten Tragwerk gedacht. In Stein brauchen sie Auflager, Stürze über jeder Öffnung und ein Fundament, das eine andere Grössenordnung hat — die Wände allein wiegen ein Vielfaches des Holzbaus. Und die Etappierung aus Blatt 09 wird schwierig: Eine zweischalige Wand lässt sich nicht zur Hälfte bauen und später ergänzen.

Wanddicke
765 mm
U-Wert
0,155
Wandgewicht
1146 kg/m²
Masse Wände
354 t
gegenüber A
16,3×
Zelle innen
28,4 m²
Eigenleistung
10 %

Der Weg ist damit nicht erledigt, aber er ist eingegrenzt. Als ganzes Haus verlangt er das meiste Geld, die dickste Wand und die wenigste Eigenleistung. Als Sockel, als Speicherwand in der Mitte oder für die eine Zelle, die ohnehin nichtbrennbar sein muss (die Technikzelle aus 10 a), spielt er alle seine Stärken aus. Die ehrliche Empfehlung lautet deshalb: Stein an den Stellen, wo Masse und Dauerhaftigkeit gebraucht werden — nicht als Bauweise für 18 Facetten.

10 cWeg C
Erde

Achtzehn gleiche Facetten, eine Schalung

Stampflehm hat dasselbe bauphysikalische Problem wie der Stein — er speichert, aber er dämmt nicht — und dieselbe Folge: eine Dämmebene aussen. Alles andere an diesem Weg ist jedoch anders, und an einer Stelle passt er zu diesem Haus besser als jeder andere.

Der Kostentreiber beim Stampflehm ist die Schalung, nicht das Material. Dieses Haus hat 18 freie Aussenfacetten — und weil die Wabe regelmässig ist, sind sie alle gleich lang. Eine Schalung, achtzehnmal versetzt. Was in einem beliebig geformten Grundriss den Lehmbau verteuert, fällt hier weg.

Dazu kommt der Aushub. Wird auf der Parzelle ohnehin ausgehoben, und stimmt die Körnung, ist das Wandmaterial bereits da. Das ist das eigentliche Argument dieses Weges — und zugleich seine grösste Unsicherheit, denn ohne Grundstück ist es eine Annahme (Blatt 11).

Zwei unbequeme Punkte

Erstens: Man sieht den Lehm nicht. Wenn die Dämmung aussen liegt und davor eine hinterlüftete Schalung, dann steht aussen Holz — wie bei Weg A. Die Lehmwand wirkt nach innen: als Oberfläche, als Speichermasse, als Feuchtepuffer. Wer Stampflehm wählt, weil er die gestampften Lagen sehen will, muss sie innen suchen. Aussen sichtbarer Stampflehm wäre ein anderer Entwurf — mit weit vorstehendem Dach, hohem Sockel und einem Wärmeschutz, der nicht dem heutigen Standard entspricht.

Zweitens: die Regellage. Für den Lehmbau gibt es in der Schweiz keine eigene Norm, auf die sich eine Baueingabe stützen könnte. In der Praxis heisst das Einzelnachweis — Materialprüfung, Statik über den Einzelfall, ein Ingenieur, der das mitträgt. Das ist machbar und wird gemacht, kostet aber Zeit und Geld im Bewilligungsverfahren und gehört als Risiko in die Rechnung, nicht in die Fussnote.

Dem stehen zwei Vorzüge gegenüber, die kein anderer Weg hat. Der Rückbau ist vollständig: Eine unstabilisierte Stampflehmwand wird wieder zu Erde — die Regel aus Blatt 10 a, dass jede Schicht rückbaubar sein muss, ist hier nicht Anspruch, sondern Materialeigenschaft. Und das Stampfen selbst ist die laienfähigste Arbeit unter allen vier Wegen: Es ist anstrengend, aber es ist unter Anleitung erlernbar. Für einen Verein, der bauen will statt bauen zu lassen, ist das kein Nebenpunkt.

Der Preis dafür steht im Kalender. Lehm wird nass gebaut und muss trocknen; gestampft wird in der frostfreien Zeit. Ein Bauabschnitt braucht Wochen, in denen nichts passiert.

Wanddicke
744 mm
U-Wert
0,160
Wandgewicht
950 kg/m²
Masse Wände
308 t
gegenüber A
14,1×
Zelle innen
28,6 m²
Eigenleistung
60 %
10 dWeg D
Hybrid

Holz trägt, Lehm speichert

Die Wege B und C bezahlen ihre Masse mit Wanddicke: beide über 70 cm, beide kosten dem Haus mehr als zwanzig Quadratmeter Nutzfläche. Der vierte Weg fragt, ob sich das trennen lässt — ob die Masse dorthin kann, wo sie wirkt, ohne dass die Wand die ganze Last trägt.

Er tut das mit der ältesten Antwort, die es darauf gibt: Fachwerk. Ein Holzskelett trägt, die Gefache werden mit Stampflehm gefüllt. Neu ist daran nur die Rechnung — 240 mm Lehm innen, 240 mm Holzfaser aussen, hinterlüftete Schalung.

Das Ergebnis liegt zwischen den Extremen, aber nicht in der Mitte. Die Wand ist rund 20 cm dünner als bei den Massivwegen, die Masse liegt bei etwa der Hälfte — und der Wärmeschutz ist derselbe. Die Speichermasse sitzt dort, wo sie wirkt: innen, an der Raumluft.

Drei praktische Vorteile

Die Ecke wird einfach. Im Steinbau braucht jede der 18 Aussenecken zugehauene Ecksteine, im Holzbau frisst der Eckständer 21 cm in jede Tafel. Hier sitzt der Ständer ohnehin in der Ecke, wo er statisch hingehört, und der Lehm stösst stumpf an ihn an. Kein Sonderteil, kein Verschnitt.

Das Bauen lässt sich teilen. Das Skelett steht trocken, schnell und witterungsunabhängig — im Zweifel in einer Woche, mit Dach darüber. Die Ausfachung folgt danach, Gefach für Gefach, in der warmen Jahreszeit. Damit ist dieser Weg als einziger der drei massereichen mit der Etappierung aus Blatt 09 verträglich: Die Zelle kann stehen und dicht sein, bevor der Lehm drin ist.

Der Rückbau bleibt möglich. Lehm ausräumen, Skelett steht weiter. Die Regel aus Blatt 10 a — jede Schicht rückbaubar, ohne die langsamere zu zerstören — gilt hier auch zwischen Tragwerk und Ausfachung, nicht nur zwischen Hülle und Tragwerk.

Der Preis ist Arbeit. Gefache stampfen ist aufwendiger, als Zellulose einzublasen, und es braucht zwei Gewerke statt einem. Wer den Weg nur wegen der Speichermasse geht, sollte zuerst prüfen, ob die Stampflehmwand in der Mitte aus Blatt 10 a nicht schon genügt — sie war genau dafür gedacht.

Wanddicke
534 mm
U-Wert
0,165
Wandgewicht
530 kg/m²
Masse Wände
192 t
gegenüber A
8,8×
Zelle innen
30,8 m²
Eigenleistung
45 %
10 eVier Wege
neben­einander

Schnitte
1:10

Gleicher Wärmeschutz, vier Preise

Die vier Wege sind bewusst so eingestellt, dass sie denselben U-Wert erreichen — rund 0,16 W/m²K, der Wert aus Blatt 10 a. Das ist keine Schönfärberei, sondern die Bedingung dafür, dass der Vergleich etwas aussagt: Wer Wände mit unterschiedlichem Dämmwert nebeneinanderstellt, vergleicht Komfort mit Kosten und bekommt jedes gewünschte Ergebnis.

Die Wege unterscheiden sich nicht im Wärmeschutz, sondern darin, was sie dafür aufbieten müssen: Dicke, Masse, Arbeitszeit, Jahreszeit und Nutzfläche. Genau diese fünf Grössen stehen unten in der Tabelle.

Weg A — Holzrahmen 430 mm · U 0,163 · 67 kg/m² 19 Dreischichtplatte 40 Installationsebene 15 OSB, luftdicht 240 Zellulose-Einblas 22 Holzfaser 30 Hinterlüftung 64 Lattung + Schalung Weg B — Stein 765 mm · U 0,155 · 1146 kg/m² 15 Kalkputz 300 Naturstein 260 Holzfaser 40 Hinterlüftung 150 Naturstein Weg C — Erde 744 mm · U 0,160 · 950 kg/m² 450 Stampflehm 240 Holzfaser 30 Hinterlüftung 24 Lattung + Schalung Weg D — Hybrid 534 mm · U 0,165 · 530 kg/m² 240 Stampflehm 240 Holzfaser 30 Hinterlüftung 24 Lattung + Schalung Weg E — Container 164 mm · U 0,161 · 32 kg/m² 13 Gipsfaserplatte 150 PU-Sprühschaum 2 Corten-Wellblech 500 mm — alle vier im gleichen Massstab · innen links, aussen rechts

Abb. 36 — Die vier Aussenwände im gleichen Massstab. Innen links, aussen rechts. Der Unterschied ist keine Frage der Dämmung, sondern der tragenden Schicht.

Was die Wand innen kostet

Die Wabe ist im Achsmass festgelegt: Die Facette misst 3,75 m, unabhängig davon, woraus die Wand besteht. Jede zusätzliche Wandstärke geht deshalb nach innen — und weil eine Zelle sechs Wände hat, wirkt sie sechsfach.

A — 31,9 m² B — 28,4 m² (-3,4) C — 28,6 m² (-3,2) D — 30,8 m² (-1,1) Achsmass 36,5 m² · Facette 3,75 m Innenflächen der vier Wege, übereinandergelegt · Klammer = Verlust je Zelle

Abb. 37 — Eine Zelle, vier Innenkonturen. Das Achsmass bleibt gleich; was die Wand dicker macht, fehlt im Raum.

Weg A 22 t Weg B 354 t — 16,3× so schwer Weg C 308 t — 14,1× so schwer Weg D 192 t — 8,8× so schwer Aussen- und Innenwände zusammen, ohne Dach, Decken und Fundament

Abb. 38 — Die Masse aller Wände. Sie entscheidet über das Fundament, über „zu zweit stellbar“ und darüber, ob ein Kran auf die Parzelle muss.

Die Wege in einer Tabelle

 Weg A — HolzrahmenWeg B — SteinWeg C — ErdeWeg D — Hybrid
TragprinzipHolzrahmen-Tafel, Wände tragen als ScheibeInnenschale Naturstein tragend, Aussenschale vorgemauertStampflehmwand tragend, einschalig gestampftHolzskelett trägt, Gefache mit Stampflehm ausgefüllt
Wanddicke430 mm765 mm744 mm534 mm
U-Wert0,163 W/m²K0,155 W/m²K0,160 W/m²K0,165 W/m²K
Flächengewicht67 kg/m²1146 kg/m²950 kg/m²530 kg/m²
Masse Wände gesamt22 t354 t (16,3×)308 t (14,1×)192 t (8,8×)
Nutzfläche, 7 Zellen223,0199,1 m² (−24,0 m²)200,5 m² (−22,5 m²)215,4 m² (−7,6 m²)
Die 120°-EckeEckständer reicht 21 cm in jede Tafel — Wärmebrücke aus Vollholz120°-Ecke braucht zugehauene Ecksteine — Steinmetzarbeit, 18×18 gleiche Facetten — eine Schalung, achtzehnmal verwendetStänder sitzt in der Ecke, Lehm stösst stumpf an — kein Sonderteil
Trocknungkeine — trockene Bauweise, ganzjährigMörtel bindet ab, Rohbau nur frostfreiWochen je Abschnitt, nur in der frostfreien ZeitGefache trocknen einzeln, Skelett steht vorher
Bauzeit, WitterungTafeln vorgefertigt, Aufbau in TagenRohbau wetterabhängig, Monatenass gebaut, Saison gebundenSkelett trocken und schnell, Ausfachung nach Saison
Eigenleistung möglich30 %10 %60 %45 %
Rückbaugeschraubt, sortenrein trennbarnur bei Kalkmörtel; Zementmörtel macht den Stein unbrauchbarunstabilisiert vollständig — die Wand wird wieder ErdeLehm ausräumen, Skelett bleibt stehen
Woher das MaterialHolz regional; Zellulose aus AltpapierBruch in der Region nötig; sonst fällt das Hauptargument wegAushub der eigenen Parzelle, wenn die Körnung passtHolz regional, Lehm aus dem Aushub
Aussenwand, Kosten126–164 kCHF272–508 kCHF208–390 kCHF151–284 kCHF

Dicke, U-Wert, Gewicht, Masse und Nutzfläche sind aus dem Schichtaufbau und den Flächen von Blatt 10 a gerechnet. Eigenleistung und Kosten sind Annahmen — Grössenordnungen aus Richtpreisen und Referenzbauten, keine Offerten. Die Kostenzeile umfasst nur die Aussenwand, nicht das Haus. Ein fünfter Weg — der Containerbau — fehlt hier bewusst: Er behält die Wabe nicht bei und hat deshalb keine gemeinsame Zelle, auf die sich Nutzfläche und Masse beziehen liessen.

Was daraus folgt

Weg A bleibt der günstigste und schnellste, und er ist der einzige, der ohne Jahreszeit auskommt. Sein bekannter Mangel steht in Blatt 10 a: Das leichte Haus hat keine Speichermasse und braucht sie sich in der Mitte dazuzukaufen.

Weg B ist als ganzes Haus nicht zu empfehlen — dickste Wand, grösste Masse, höchste Kosten, geringste Eigenleistung, und 18 Ecken, die je zugehauene Ecksteine brauchen. Als Sockel, als Speicherwand oder für die nichtbrennbare Technikzelle bleibt er richtig.

Weg C ist der Weg mit dem grössten Hebel für einen Verein: Der Aushub liefert das Material, die 18 gleichen Facetten teilen sich eine Schalung, und mehr als die Hälfte der Arbeit kann die Bauhütte selbst leisten. Er bezahlt das mit einer 74 cm dicken Wand, mit Trocknungszeiten und mit einem Bewilligungsverfahren ohne Norm im Rücken.

Weg D ist der Kompromiss, der sich rechnet — rund 20 cm dünner als die Massivwege, etwa die halbe Masse, dieselbe Dämmung, die einfachste Ecke von allen vieren, und als einziger massereicher Weg mit der Etappierung verträglich, weil das Skelett vor der Ausfachung steht.

Was dieser Vergleich nicht entscheidet. Er sagt nichts über das Sommerverhalten — dafür bräuchte es eine thermische Simulation, nicht eine U-Wert-Rechnung, und genau dort liegt der eigentliche Vorteil der schweren Wege. Er sagt nichts über die graue Energie, weil dafür belastbare Datensätze für Stampflehm aus eigenem Aushub fehlen. Und er hängt an einer Parzelle, die es noch nicht gibt: Ob Aushub und Stein vor Ort verfügbar sind, ist die Voraussetzung von B und C, nicht ihr Ergebnis.

Die nächste Entscheidung ist deshalb keine Materialentscheidung. Sie steht auf Blatt 11: erst das Grundstück, dann die Wand.

10 fWeg E
Container

bricht
das Raster

Die Kiste passt nicht in die Wabe

Die Wege B, C und D tauschen den Wandaufbau und lassen die Geometrie stehen. Weg E kann das nicht. Ein Container ist rechtwinklig, und er hat ein festes Mass — er lässt sich nicht auf eine Facette von 3,75 m bringen.

Die Zahl, die den ganzen Weg entscheidet: Das grösste Rechteck, das in eine Wabenzelle passt, misst 6,50 × 3,75 m. Ein 40-Fuss-Container ist 12,19 m lang. Er passt nicht hinein — und ein 20-Fuss-Container, der hineinpasste, liesse ein Drittel der Zelle ungenutzt. Wer mit Containern baut, gibt das Wabenraster auf und damit die Blätter 05 bis 08, die Rosette, die beiden Treppen und die Wintergärten.

Deshalb steht dieser Weg nicht in der Tabelle auf Blatt 10 e. Dort werden vier Aufbauten für dasselbe Haus verglichen; Weg E ist ein anderes Haus. Verglichen wird er hier — und nur auf den Ebenen, auf denen beide etwas gemeinsam haben.

Was für ihn spricht

Er hat die dünnste Wand von allen fünf Wegen. Mit 150 mm PU-Sprühschaum kommt der Aufbau auf 164 mm und erreicht denselben U-Wert wie die 765 mm des Steinbaus. Rechnerisch. Der Vorbehalt steht weiter unten.

Er etappiert besser als jeder andere Weg. Blatt 09 baut darauf, dass zuerst eine Einheit steht und später weitere dazukommen. Beim Wabenhaus heisst das: erste Zelle mit sechs Aussenwänden, deren Innenwände später nach aussen wandern. Beim Container heisst es: eine Kiste hinstellen. Die nächste kommt, wenn Geld da ist. Das ist keine Näherung an modulares Bauen, das ist modulares Bauen.

Er steht auf acht Punkten. Ein Container trägt über seine Eckbeschläge, nicht über die Wände. Punktfundamente statt Streifen unter 18 Facetten — auf einer knappen Parzelle und für einen Rückbau ohne Spuren ist das ein echter Vorteil.

Und der Rohstoff ist billig. Zwölf gebrauchte High Cubes kosten weniger als der Wandaufbau einer einzigen Zelle in Naturstein.

untere Ebene — 6 Kisten obere Ebene — 6 Kisten eine Wabenzelle 36,5 m² 12 × 40 Fuss High Cube · je 24,1 m² nutzbar · Baufeld 14,6 × 12,2 m 5 m

Abb. 39 — Zwölf 40-Fuss-High-Cubes in zwei Ebenen decken das Raumprogramm. Daneben eine Wabenzelle im gleichen Massstab. Das Baufeld wird deutlich kleiner als beim Wabenhaus — die Kiste ist kompakter, aber sie ist auch schmaler, als ein Raum sein möchte.

Was gegen ihn spricht

Der Stahl ist eine durchgehende Wärmebrücke. Corten leitet Wärme rund tausendmal besser als Zellulose. Der U-Wert oben ist die Idealrechnung durch die Fläche; die Wellblechrippen, die Eckpfosten und die Rahmen sind darin nicht enthalten. Real liegt der Wert spürbar darüber, und die kalten Stellen sitzen dort, wo Kondensat entsteht.

Deshalb ist die Dämmung dampfdicht und geklebt. Die Praxislösung ist PU-Sprühschaum direkt auf die Stahlhaut — weil jede andere Innendämmung eine Dampfsperre braucht, deren kleinste Undichtigkeit zu Tauwasser auf dem Stahl führt. Das ist zugleich die Stelle, an der dieser Weg mit dem Bericht kollidiert:

🛑 Weg E bricht die Regel aus Blatt 10 a. Dort steht: jede Schicht muss sich zurückbauen lassen, ohne die langsamere darunter zu zerstören — und daraus folgte „geschraubt statt verklebt“. Beim Container sind Tragwerk, Aussteifung und Hülle ein einziges Bauteil, das sich nicht in Schichten zerlegen lässt, und der Schaum verbindet sich unlösbar damit. Ein so ausgebauter Container ist am Ende weder Container noch Rohstoff, sondern Sondermüll. Die Wiederverwendung — das beste Argument des ganzen Weges — wird durch seine eigene Bauweise aufgebraucht.

Jeder Ausschnitt ist Stahlbau. Die Wellblechwand steift den Container aus. Wer ein Fenster hineinschneidet, nimmt Tragfähigkeit weg und muss einen Rahmen einschweissen. Wer zwei Container zu einem Raum verbinden will, schneidet eine Längswand heraus und braucht einen Portalrahmen. Genau hier verschwindet der Preisvorteil: Die Kiste ist billig, die Öffnung nicht.

Der Raum ist schmal und niedrig. Innen bleiben 2,35 m Breite; nach der Dämmung 2,05 m. Das ist schmaler als jedes Zimmer dieses Programms, und es ist der Grund, warum Containerbauten fast immer zu zweit oder zu dritt zusammengeschnitten werden — womit man wieder beim Stahlbau ist. Bei der Höhe rettet nur der High Cube das Projekt: Nach Boden- und Deckendämmung bleiben 2,40 m lichte Höhe. Mit einem Standardcontainer wären es unter 2,10 m.

Und die Masse fehlt. Blatt 10 a hat die Stampflehmwand in der Mitte eingeplant, weil dem leichten Haus sonst die Speichermasse für Laterne und Abwärme fehlt. Der Container ist noch leichter. Im Sommer heizt sich eine gedämmte Stahlkiste unter dem Zeltdach-losen Flachdach schnell auf; ohne Masse und ohne Verschattung wird das ein Klimagerät nach sich ziehen — das, was Weg C in Gando gerade vermeidet.

Wabe und Container nebeneinander

 Wabenhaus — Weg AContainer — Weg E
GrundformSechseck, 120°, 7 + 1 ZellenRechteck, 40 Fuss High Cube
BausteinZelle 36,5 m² im AchsmassKiste 29,7 m² Aufstandsfläche
Nutzbar je Baustein31,924,1 m² (19 % geht an Stahl und Dämmung)
Anzahl für das Programm7 Zellen12 Container
Nutzfläche gesamt223,0 m² — sieben Zellen im Erdgeschoss, ohne die zweigeschossige Mitte288,9 m² — alle 12 Kisten, beide Ebenen
Lichte Höhefrei wählbar, Traufe 3,00 m2,40 m — nach Boden- und Deckendämmung
Wanddicke430 mm164 mm — der dünnste Aufbau von allen
U-Wert Wand0,1630,161 rechnerisch — real schlechter (Rippen, Rahmen, Eckpfosten)
Masse22 t Wände47 t Kisten (Tara)
FundamentStreifen oder Punkte unter 18 Facettenacht Punktlasten je Container
GrundflächeBaufeld 20,5 × 30,1 m14,6 × 12,2 m bei 6 je Ebene, zwei Ebenen
Bauzeit RohbauTafeln vorgefertigt, Aufbau in TagenAusbau in der Halle, Aufstellen an einem Tag
EtappierenZelle für Zelle, Innenwände wandern nach aussenKiste für Kiste — der stärkste Punkt dieses Weges
ÖffnungenTafel ist ohnehin gestossen, kein Sonderaufwandjeder Ausschnitt schwächt die tragende Haut → Stahlrahmen einschweissen
Rückbaugeschraubt, sortenrein trennbarSchaum verklebt mit der Haut; Container danach Schrott
Regel aus Blatt 10 aSchichten nach Wechselrate — erfüllt🛑 Tragwerk und Hülle sind ein Bauteil — nicht trennbar
Kosten126–164 kCHF Aussenwand30–54 kCHF für die Kisten, 433–751 kCHF fertig ausgebaut

Container-Masse nach dem 40-Fuss-High-Cube (ISO 668). Nutzflächen und Anzahl sind gerechnet, Preise sind Annahmen. Die Zeile „fertig ausgebaut“ ist der ehrliche Vergleichswert — der Rohcontainer allein sagt nichts.

Fazit

Der Weg ist verführerisch, weil er günstig aussieht und weil er das Etappierungsproblem elegant löst. Beides stimmt nur bis zur ersten Öffnung. Danach zahlt man Stahlbau, und man zahlt ihn zwölfmal.

Der schwerere Einwand ist aber nicht der Preis, sondern die Haltung. Dieses Haus ist als Übersetzung einer Software-Architektur entworfen: Schichten nach Wechselrate, jede für sich austauschbar, nichts verklebt. Der Container ist das genaue Gegenteil — ein Monolith, bei dem Tragwerk, Aussteifung und Hülle dasselbe Blech sind. Er wäre in diesem Bericht ein Fremdkörper, und zwar ein begründeter.

Wo der Container trotzdem richtig ist: als Etappe 0 anstelle des Wintergartens — eine einzelne Kiste als Werkstatt und Materiallager während der Bauzeit, ungedämmt, unverändert, danach weiterverkauft. Dafür braucht es keinen Ausschnitt, keinen Schaum und keine Bewilligung für ein Gebäude. Genau das, was ein Container gut kann: eine Kiste sein.

Wanddicke
164 mm
U-Wert
0,161 *
Container
12
je Kiste
24,1 m²
lichte Höhe
2,40 m
Masse
47 t
Verlust
19 %
10 gWenn die
Form dem
Material
folgt

Grundrisse
1:200

Fünf Häuser statt eines

Die Blätter 10 a bis 10 f haben eine Frage beantwortet und eine andere übergangen. Sie halten die Wabe fest und tauschen den Wandaufbau — als wäre die Form gegeben und das Material eine Füllung. So arbeitet aber kein Baustoff. Jedes Material hat eine Form, in der es am wenigsten Widerstand leistet, und in den Blättern zuvor musste sich jedes in eine Form fügen, die für ein anderes gedacht war.

Dieses Blatt dreht die Frage um: Wie sähe das Haus aus, wenn nicht das Raster, sondern der Baustoff den Ausschlag gäbe? Gleiches Programm, gleicher Ort, gleiche 287 m² — aber jede Bauart darf die Gestalt annehmen, die zu ihr passt.

Zuerst: was die Wabe wirklich kostet

Bevor fünf neue Formen antreten, gehört ein Missverständnis ausgeräumt. Man könnte vermuten, das Sechseck sei umständlich und deshalb teuer. Das stimmt nicht.

Die Wabe braucht 0,26 Laufmeter Aussenwand je Quadratmeter Grundfläche. Die sparsamste der fünf materialgerechten Formen — der gewölbte Block in Stein — kommt auf 0,30, die übrigen liegen darüber. Das Sechseck ist nach dem Kreis die beste Flächenpackung, und das bleibt es auch hier. Sein Preis steht woanders: bei 18 Aussenecken von je 120°, gegen vier rechte Winkel beim Riegel.

Die Wabe ist also keine schlechte Geometrie. Sie ist eine Organisationsform: Sie beantwortet, wie ein Haus wächst, wie Zellen aneinanderstossen, wie eine Mitte entsteht. Was sie nicht beantwortet, ist die Frage, wie ein Bauteil gefügt wird — und genau dort entstehen die Kosten. Der 21-cm-Eckständer aus Blatt 10 a, die zugehauenen Ecksteine aus 10 b, die Sonderschalung aus 10 c: Alle drei sind Fügungskosten, keine Flächenkosten.

Damit ist die Wahl klarer, als sie aussieht. Wer die Wabe behält, kauft Kompaktheit und Wachstumslogik und bezahlt mit achtzehn stumpfen Ecken. Wer sie aufgibt, bekommt einfache Fügung und verliert die Eigenschaft, die dieses Haus überhaupt zu einer Rosette gemacht hat.

A — Holzrahmen 153 m² Grund · 2 Gesch. · 270 m² nutzbar B — Stein 184 m² Grund · 2 Gesch. · 323 m² nutzbar C — Erde 147 m² Grund · 2 Gesch. · 259 m² nutzbar D — Hybrid 169 m² Grund · 2 Gesch. · 297 m² nutzbar E — Container 178 m² Grund · 2 Gesch. · 289 m² nutzbar 10 m — alle fünf im gleichen Massstab, Grundriss Erdgeschoss

Abb. 40 — Fünf Grundrisse im gleichen Massstab, jeder für seinen Baustoff entworfen. Dünne Linien sind tragende Wände oder Stützenachsen; die helle Fläche bei C ist der Dachüberstand, bei E sind es die überdachten Zwischenräume.

Die fünf Formen

A — Der aufgeständerte Riegel · Holzrahmen

Rechtwinklig, weil die Platte rechtwinklig ist. Alle Masse liegen auf dem Takt von 1,25 m — kein Verschnitt, kein Sonderteil, kein Eckständer im stumpfen Winkel.

Tragwerk: Zwei tragende Längswände, Deckenbalken spannen 4,4 m — die billigste Spannweite im Holzbau.
Unten: Aufgeständert auf Punktfundamenten. Kein Erdkontakt, kein Keller, spurloser Rückbau.
Oben: Flach geneigtes Pultdach, eine Richtung, keine Kehle.
Wachsen: In der Länge, Takt für Takt. Die Stirnwand wandert.

B — Der gewölbte Block · Stein

Gedrungen und kompakt, weil jede Aussenwand teuer ist. Drei Gewölbeschiffe à 4,5 m — der Stein arbeitet unter Druck, also spannt er im Bogen, nicht im Balken.

Tragwerk: Vier tragende Längswände, dazwischen Tonnengewölbe. Öffnungen klein, im Bogen überfangen.
Unten: Massiv auf dem Erdreich, hoher Sockel. Das Gewicht will Grund unter sich.
Oben: Leichter Dachstuhl über dem Gewölbe, oder begehbare Terrasse.
Wachsen: Kaum — ein Gewölbe schiebt seitlich. Dieses Haus baut man einmal ganz und nutzt es dann um.

C — Der lange Riegel unter dem grossen Dach · Erde

Lang und gerade, weil die Schalung wandert. Vier Ecken statt achtzehn — jede Ecke ist beim Stampfen ein Sonderteil, jede gerade Bahn ist Wiederholung.

Tragwerk: Tragende Längswände, 500 mm gestampft. Öffnungen klein und tief in der Laibung.
Unten: Hoher Sockel aus Stein, weit auskragendes Dach — guter Schuh, guter Hut. Ohne beides hält Lehm nicht.
Oben: 1,5 m Überstand rundum. Das ist keine Geste, das ist der Witterungsschutz der Wand.
Wachsen: In der Länge. Die Schalung ist schon da, das nächste Feld kostet nur Arbeit.

D — Das Fachwerkraster · Hybrid

Ein Stützenraster von 3,75 m — dieselbe Zahl wie die Wabenfacette, aber rechtwinklig. Das Skelett trägt, die Ausfachung füllt; beides bleibt sichtbar getrennt.

Tragwerk: Holzskelett in beiden Richtungen, Gefache mit Stampflehm. Zwei Geschosse ohne Weiteres.
Unten: Punktfundamente unter den Stützen, Sockel nur unter den Ausfachungen.
Oben: Satteldach über dem Raster, Sparren in Stützenachse.
Wachsen: Feld für Feld in beide Richtungen. Ein Gefach lässt sich auch wieder ausräumen.

E — Die Reihe mit Zwischenräumen · Container

Nicht zusammenschweissen, sondern Abstand lassen. Zwischen je zwei Kisten liegt eine Zone derselben Breite unter demselben Dach — dort entsteht der Raum, den die Kiste nicht hat, und keine tragende Wand muss aufgeschnitten werden.

Tragwerk: Jede Kiste trägt sich selbst über acht Eckbeschläge. Das Dach spannt zwischen den Reihen.
Unten: Punktfundamente unter den Eckbeschlägen. Sonst nichts.
Oben: Ein durchgehendes leichtes Dach über allem — es macht die Zwischenräume nutzbar und beschattet die Kisten.
Wachsen: Eine Kiste hinstellen. Das Dach wächst mit.

Nebeneinander

 A — HolzrahmenB — SteinC — ErdeD — HybridE — Container
FormDer aufgeständerte RiegelDer gewölbte BlockDer lange Riegel unter dem grossen DachDas FachwerkrasterDie Reihe mit Zwischenräumen
Grundfläche153,1183,6147,0168,8178,3
Geschosse22222
Nutzfläche269,5323,1258,7297,0288,8
deckt das Programm94 %113 %90 %103 %101 %
Aussenecken444424
Aussenwand je m² Grund0,34 lfm0,30 lfm0,38 lfm0,31 lfm0,98 lfm
Taktmass1,25 m4,50 m3,50 m3,75 m2,44 m
TragwerkZwei tragende Längswände, Deckenbalken spannen 4,4 m — die billigste Spannweite im Holzbau.Vier tragende Längswände, dazwischen Tonnengewölbe. Öffnungen klein, im Bogen überfangen.Tragende Längswände, 500 mm gestampft. Öffnungen klein und tief in der Laibung.Holzskelett in beiden Richtungen, Gefache mit Stampflehm. Zwei Geschosse ohne Weiteres.Jede Kiste trägt sich selbst über acht Eckbeschläge. Das Dach spannt zwischen den Reihen.
BodenanschlussAufgeständert auf Punktfundamenten. Kein Erdkontakt, kein Keller, spurloser Rückbau.Massiv auf dem Erdreich, hoher Sockel. Das Gewicht will Grund unter sich.Hoher Sockel aus Stein, weit auskragendes Dach — guter Schuh, guter Hut. Ohne beides hält Lehm nicht.Punktfundamente unter den Stützen, Sockel nur unter den Ausfachungen.Punktfundamente unter den Eckbeschlägen. Sonst nichts.
DachFlach geneigtes Pultdach, eine Richtung, keine Kehle.Leichter Dachstuhl über dem Gewölbe, oder begehbare Terrasse.1,5 m Überstand rundum. Das ist keine Geste, das ist der Witterungsschutz der Wand.Satteldach über dem Raster, Sparren in Stützenachse.Ein durchgehendes leichtes Dach über allem — es macht die Zwischenräume nutzbar und beschattet die Kisten.
ErweiternIn der Länge, Takt für Takt. Die Stirnwand wandert.Kaum — ein Gewölbe schiebt seitlich. Dieses Haus baut man einmal ganz und nutzt es dann um.In der Länge. Die Schalung ist schon da, das nächste Feld kostet nur Arbeit.Feld für Feld in beide Richtungen. Ein Gefach lässt sich auch wieder ausräumen.Eine Kiste hinstellen. Das Dach wächst mit.

Grundfläche, Nutzfläche, Ecken und der Wandkennwert sind aus den Geometrien gerechnet; die Nutzfläche mit pauschal 12 % Wandanteil, bei den Containern aus dem Nettomass der Kisten. Tragwerk, Bodenanschluss und Dach sind Entwurfsaussagen, keine Rechenergebnisse.

Was daraus folgt

Vier der fünf Formen sind Rechtecke. Das ist kein Mangel an Vorstellungskraft, sondern die Antwort der Baustoffe: Die Platte ist rechtwinklig, die Schalung ist gerade, das Skelett steht im Raster, die Kiste ist genormt. Nur der Stein hätte gern die Gewölbetonne, und auch er baut sie in einen rechteckigen Block.

Die Container-Form ist die einzige, die sich wirklich neu erfindet. Kisten mit Abstand unter einem gemeinsamen Dach lösen genau das Problem, an dem Blatt 10 f den Weg hat scheitern lassen: Der Raum, den die Kiste nicht hat, entsteht zwischen den Kisten — ohne dass eine tragende Wand aufgeschnitten werden muss. Der Preis steht in der Tabelle: fast dreimal so viel Aussenwand je Quadratmeter wie bei allen anderen. Das ist der Grund, warum diese Form gut aussieht und schlecht heizt.

Der Lehmriegel ist die konsequenteste Form. Vier Ecken, eine wandernde Schalung, ein weit auskragendes Dach, ein hoher Sockel — jede Entscheidung folgt direkt aus dem Material. Er ist zugleich die Form, die am wenigsten nach diesem Verein aussieht: ein langes Haus, das nicht wächst, sondern verlängert wird.

Die eigentliche Entscheidung liegt eine Ebene höher. Die Wabe ist gewählt worden, weil sie beschreibt, wie der Verein wächst — Zelle für Zelle, um eine Mitte herum (Blatt 04). Diese fünf Formen wachsen anders: in der Länge, im Raster, gar nicht. Wer die Form dem Material folgen lässt, entscheidet damit auch, wie das Haus sich künftig verändern darf. Das ist keine Materialfrage mehr, sondern eine über die Organisation.

Für die nächste Runde heisst das: nicht „welches Material“, sondern zuerst „welche Wachstumslogik“. Bleibt sie zellular, bleibt die Wabe richtig, und dann ist Weg D der Baustoff mit dem geringsten Widerstand — sein Ständer sitzt ohnehin in der Ecke. Wird sie linear, ist der Lehmriegel die ehrlichste Antwort, und die Blätter 05 bis 08 wären neu zu schreiben.

Diese fünf Grundrisse sind Prinzipskizzen, keine Entwürfe. Sie zeigen Proportion, Tragrichtung und Wachstumsrichtung — nicht Räume, nicht Erschliessung, nicht Öffnungen. Ein ausgearbeiteter Vergleich bräuchte je Form eine eigene Möblierungsprobe, wie sie Blatt 07 für die Wabe geführt hat.

10 hWie das
Haus
wächst

Etappen
1:200

Die Wand, die ihre Aufgabe verliert

Blatt 09 hat gezeigt, dass eine Zelle kein Siebtel kostet: Fixkosten fallen einmal an, und die erste Zelle hat sechs Aussenwände statt drei. Blatt 10 g hat fünf Formen danebengestellt, die jede anders wachsen. Beides zusammen ergibt eine Frage, die in keinem der Blätter steht.

Wer in Etappen baut, baut Wände, die später keine Aussenwände mehr sind. Sie werden zu Innenwänden oder sie fallen ganz. Was mit dieser Wand geschieht, unterscheidet die Formen stärker als ihr Material.

· — Wabe erste Zelle 36,5 m² · 50 % der Wand wandert später A — Holzrahmen erste Etappe 55 m² · 29 % der Wand fällt später B — Stein erste Etappe 184 m² · nichts wird zurückgebaut C — Erde erste Etappe 49 m² · 25 % der Wand fällt später D — Hybrid erste Etappe 84 m² · 30 % der Wand fällt später E — Container erste Etappe 89 m² · nichts wird zurückgebaut 10 m · gefüllt = erste Etappe, dünne Linie = Vollausbau, dicke Linie = Wand, die ihre Aufgabe verliert

Abb. 41 — Erste Etappe gefüllt, Vollausbau als dünne Linie, und dick die Wand, die beim Weiterbauen ihre Aufgabe verliert. Bei B gibt es keine erste Etappe: Das Gewölbe schiebt seitlich, dieses Haus wird einmal ganz gebaut.

Nebeneinander

 · WabeA — HolzrahmenB — SteinC — ErdeD — HybridE — Container
Erste Etappe36,5 m² Grundfläche54,7 m² Grundfläche183,6 m² Grundfläche49,0 m² Grundfläche84,4 m² Grundfläche89,2 m² Grundfläche
Aussenwand der Etappe22,5 lfm30,0 lfm54,6 lfm28,0 lfm37,5 lfm39,0 lfm
davon später überflüssig11,3 lfm (50 %)8,8 lfm (29 %)7,0 lfm (25 %)11,3 lfm (30 %)
Was damit geschiehtversetzt — weil alle Facetten gleich lang sind, passt jede Tafel an jede Stelle. Blatt 09 sieht sie deshalb als abschraubbare Tafeln vor, die nach aussen wandern.abgerissen — die Stirnwand ist ein Sonderteil und passt nirgends sonst hinentfällt — dieses Haus wird nicht etappiert, sondern einmal ganz gebautabgerissen — gestampfter Lehm lässt sich nicht versetzenausgeräumt — die Ausfachung fällt, das Skelett bleibt und trägt weiterentfällt — es wird nichts zurückgebaut, nur angestellt
Wie es weitergehtZelle für Zelle um die Mittein der Länge, Takt für Taktgar nicht; ein Gewölbe schiebt seitlichin der Länge, die Schalung steht schonFeld für Feld in beide Richtungeneine Kiste hinstellen, das Dach wächst mit

Der Befund

Die Zahlen fallen anders aus, als man erwarten würde. Die Wabe hat mit Abstand den höchsten Anteil: Von den sechs Aussenwänden der ersten Zelle liegen drei im Vollausbau innen — die Hälfte. Beim Riegel sind es 29 %, beim Lehmriegel 25 %, bei den Containern nichts.

Danach müsste die Wabe der schlechteste Weg sein, um schrittweise zu bauen. Sie ist der beste, und der Grund steht schon auf Blatt 08:

Weil alle achtzehn Facetten gleich lang sind, passt jede Tafel an jede Stelle. Die drei Wände, die innen zu liegen kommen, werden nicht abgerissen, sondern abgeschraubt und nach aussen versetzt — genau so sieht es Blatt 09 für die erste Zelle vor. Beim Riegel ist die Stirnwand ein Sonderteil, das nirgendwo sonst hinpasst; beim Lehmriegel lässt sich gestampfte Erde überhaupt nicht versetzen.

Damit kehrt sich der Befund aus Blatt 10 g um, ohne ihn aufzuheben. Dort kostete die Gleichteiligkeit der Wabe achtzehn stumpfe Ecken. Hier zahlt dieselbe Gleichteiligkeit zurück: Sie ist der Grund, warum die Wand wandern kann statt zu verfallen. Was bei der Fügung teuer ist, ist beim Wachsen billig.

Zwei Formen brauchen diesen Kunstgriff gar nicht. Beim Container wird nichts zurückgebaut, sondern nur angestellt — er ist die einzige Bauart, bei der eine Etappe wirklich nichts kostet, das später verloren geht. Und beim Fachwerkraster fällt nur die Ausfachung: Das Skelett bleibt stehen und trägt weiter, ein Gefach lässt sich ausräumen wie eine Schublade.

Der Gegenpol ist der Steinbau. Ein Gewölbe schiebt seitlich, und dieser Schub braucht ein Widerlager — eine Aussenwand, die man später nicht einfach öffnet. Blatt 10 b hat das als Einschränkung notiert; im Etappenvergleich wird daraus ein Ausschluss. Weg B ist nicht etappierbar, er verlangt die volle Summe am Anfang. Für einen Verein, dessen Finanzierung noch offen ist, ist das der härteste Einwand von allen — härter als der Preis je Quadratmeter.

Was das für die Reihenfolge heisst

Aus Blatt 10 g stand die Frage im Raum, ob das Wachstum zellular oder linear gedacht ist. Dieses Blatt beantwortet sie nicht, aber es macht den Preis der beiden Antworten sichtbar:

Zellular heisst: hoher Anteil versetzter Wand, dafür wächst das Haus in jede Richtung und behält seine Mitte. Das setzt voraus, dass die Tafeln wirklich schraubbar ausgeführt werden — sonst ist der Vorteil nur behauptet. Linear heisst: weniger Verlust je Etappe, aber jede Erweiterung geht nur an einem Ende weiter, und das Haus hat keine Mitte, sondern einen Anfang und ein Ende.

Beides ist vertretbar. Nicht vertretbar wäre, die Wabe zu behalten und die Tafeln fest zu verbauen — dann bezahlt man die achtzehn Ecken und bekommt die Gegenleistung nicht.

Als Nächstes offen: Blatt 09 beziffert die Kostenleiter für die Wabe (erste Zelle 186–282 kCHF, jede weitere 71–103). Für die vier anderen Formen fehlt diese Leiter. Sie wäre der nächste Schritt — und sie braucht mehr als eine Rechnung aus der Geometrie, nämlich Richtpreise, die zu diesem Ort und diesem Jahr passen.

10 iWas der
Material­wechsel
wirklich
kostet

Die Wand ist ein Siebtel

Acht Blätter lang ging es um Material. Bevor daraus eine Entscheidung wird, gehört die Frage gestellt, wieviel davon überhaupt am Geld hängt.

Die Antwort steht schon in Blatt 09, man muss sie nur zu Ende rechnen. Dort kostet die Aussenwand der ersten Zelle — 67,5 m² — zwischen 36 und 47 kCHF. Auf dieser Zahl beruhen alle folgenden: Weg A ist daran geeicht, die übrigen sind relativ dazu skaliert. Eine zweite Preisbasis nebenher hätte den Bericht in zwei Wahrheiten gespalten.

Weg A 880–1270 kCHF · Wand 126–164 Weg B 1026–1614 kCHF · Wand 272–508 Weg C 962–1495 kCHF · Wand 208–390 Weg D 905–1389 kCHF · Wand 151–284 dunkel = Aussenwände · mittel = übrige Bausumme (Mindestwert) · hell = Spanne bis zum Höchstwert

Abb. 42 — Die Bausumme je Weg. Der dunkle Streifen am Anfang ist alles, was die Materialentscheidung überhaupt berührt.

 Weg A — HolzrahmenWeg B — SteinWeg C — ErdeWeg D — Hybrid
Aussenwand je m²533–696 CHF1150–2150 CHF880–1650 CHF640–1200 CHF
Erste Zelle, nur Wände36–47 kCHF78–145 kCHF59–111 kCHF43–81 kCHF
Alle Aussenwände126–164 kCHF272–508 kCHF208–390 kCHF151–284 kCHF
Mehrkosten gegenüber A+146–344 kCHF+82–225 kCHF+25–119 kCHF
Bausumme880–1270 kCHF1026–1614 kCHF962–1495 kCHF905–1389 kCHF
Aufschlag auf die Bausumme+17 bis +27 %+9 bis +18 %+3 bis +9 %
Wandanteil an der Bausumme14–13 %26–31 %22–26 %17–20 %
von Weg A unterscheidbar?ja, sicher teurerja, sicher teurer🛑 nein — die Spannen überlappen

Basis: Bausumme in Weg A 0,88–1,27 Mio (Blatt 08), Wandposition aus Blatt 09. Die Aufschläge betreffen nur die Aussenwände — Fundament und Decken ändern sich mit der Masse zusätzlich, das ist hier nicht eingerechnet und geht zulasten der schweren Wege.

Drei Befunde

Erstens: Die Aussenwand ist rund ein Siebtel der Bausumme. Bei Weg A sind es 13 bis 14 Prozent. Alles andere — Fundament, Decken, Dach, Fenster, Technik, Ausbau, Honorare, Anschlüsse — hängt nicht daran, woraus die Wand besteht. Wer die Baukosten dieses Hauses ernsthaft senken will, findet an der Wand nicht genug.

Zweitens: Der teuerste Weg kostet gut ein Viertel mehr. Naturstein schlägt mit 17 bis 27 Prozent auf die Bausumme durch, Stampflehm mit 9 bis 18. Das ist erheblich, aber es ist keine andere Grössenordnung — es ist derselbe Bau, nicht ein anderes Vorhaben.

Drittens, und das ist der wichtigste Befund: Zwischen Weg A und Weg D lässt sich mit diesen Zahlen nicht entscheiden. Die Spannen überlappen — 126–164 gegen 151–284 kCHF. Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist kleiner als die Unsicherheit der Schätzung. Wer behauptet, das Fachwerk sei „teurer als der Holzbau“, sagt mehr, als diese Rechnung hergibt.

Was daraus folgt

Die Materialfrage entscheidet sich nicht am Preis — jedenfalls nicht zwischen den beiden aussichtsreichsten Wegen. Sie entscheidet sich an dem, was die Blätter davor aufgeschrieben haben: an der Speichermasse, die dem leichten Haus fehlt (10 a), am Anteil, den der Verein selbst bauen kann (10 c), an der Rückbaubarkeit (10 e) und daran, wie das Haus wächst (10 h).

Für Stein und Lehm liegt der Fall anders: Beide sind sicher teurer, und zwar deutlich. Sie brauchen deshalb ein Argument, das den Aufschlag trägt — beim Lehm ist es der Aushub vor Ort und die Eigenleistung, beim Stein wäre es die Dauerhaftigkeit über Jahrhunderte. Ob dieses Argument zählt, ist keine Rechenfrage.

Was diese Rechnung nicht kann. Sie skaliert eine einzige belastbare Zahl aus Blatt 09 mit Faktoren, die auf Richtpreisen und Referenzbauten beruhen — nicht auf Offerten für dieses Haus an diesem Ort. Die Spannen sind bewusst breit, und sie sind trotzdem zu schmal: Fundament und Decken wachsen mit der Masse mit, die Ecken kosten je Bauart Verschiedenes, und die Eigenleistung verschiebt alles noch einmal. Der nächste Schritt ist hier kein weiteres Blatt, sondern eine Kostenschätzung von jemandem, der in dieser Gegend baut.

Damit ist die Materialreihe so weit gerechnet, wie sie sich ohne Grundstück und ohne Planer rechnen lässt. Was offen bleibt, steht auf Blatt 11 — und die grösste Lücke ist dort unverändert dieselbe wie vorher: Es gibt kein Grundstück.

11Offene
Punkte

Offene Punkte

Bewusst nicht wegdiskutiert. Was hier steht, ist ungelöst — nicht nebensächlich.

12Der
Bastelbogen

Sieben Zellen zum Ausschneiden

Das Kartonmodell steht auf Blatt 06 als „empfohlen ★", mit der Begründung, man probiere am Bildschirm nicht aus, was passiert, wenn die Zellen anders liegen. Genau dafür braucht es keine Abwicklung des ganzen Hauses, sondern eine Zelle, sieben- bis zehnmal ausgedruckt — und dann einen Tisch.

Der Massstab hat sich dabei geändert, und das ist ein Befund. Blatt 06 schlug 1:50 vor; das stammt aus der Zeit, als die Facette 2,90 m mass. Bei 3,75 m wäre die Wandbahn einer einzigen Zelle 45 cm lang — drei Blätter A4, geklebt — und das fertige Haus 39 cm breit. Bei 1:100 passt eine ganze Zelle auf ein Blatt quer, und das Haus wird 19,5 cm gross: ein Ding, das man in eine Hand nimmt und umlegt. Die Zellgrösse hat also nicht nur die Kosten geändert, sondern auch, wie man über den Entwurf reden kann.

Die Abwicklung ist zugleich eine Prüfung: was sich nicht in die Ebene legen lässt, existiert gebaut auch nicht. Zwei Zahlen fallen dabei heraus, die keine Zeichnung bisher zeigt — der Dachgrat von der Traufecke zur Spitze misst 3,357 m, und ein Dachdreieck öffnet sich abgewickelt um 67,9°. Sechs davon ergeben 407° — mehr als eine volle Umdrehung. Das Zeltdach lässt sich deshalb nicht als ein Stück auslegen; es braucht zwei Hälften. Wer das übersieht, schneidet einen Fächer aus, der sich beim Kleben selbst überlappt.

Wandbahn · sechs Facetten à 3,75 m · Höhe 3,20 m Orange, 0,25 m unter der Oberkante: dort kürzen für die Terrassenzelle (2,95 m). Im Massstab 1:100 sind das 2,5 mm — der ganze Unterschied zwischen den beiden Zelltypen. Zeltdach, Hälfte 1 Hälfte 2 Terrassendeckel schneiden falzen (nach innen) kleben Massstab 1:100 · A4 quer, 100 % drucken, keine Seitenanpassung · Zelle 36,5 m² Stückliste für das ganze Haus: 4 × Wandbahn 3,20 m mit Zeltdach · 2 × Wandbahn 2,95 m mit Deckel · 1 × Mitte, Wandbahn 5,30 m mit Zeltdach Die beiden Dachhälften werden von unten mit einem Streifen Klebeband verbunden; das fertige Dach wird nur aufgelegt, nicht geklebt.

Abb. 35 — Der Bogen für eine Zelle, Massstab 1:100. Auf A4 quer bei 100 % ausdrucken, nicht „an Seite anpassen" — sonst stimmt der Massstab nicht mehr. Die Wandbahn wird zum Sechseck geschlossen, das Dach besteht aus zwei Fächern, weil sechs Dreiecke nebeneinander mehr als eine volle Umdrehung ergeben und sich überlappen würden. Das Dach wird nicht geklebt — es liegt auf. So kann man hineinschauen, und man kann dieselbe Zelle einmal mit Zeltdach und einmal mit Deckel zeigen.

Was man damit prüft, und was nicht. Das Modell beantwortet Anordnungsfragen: ob der Ring auch mit sechs Zellen trägt, wie eine Etappe aussieht, wo die Wintergärten sitzen könnten, was passiert, wenn man eine Zelle wegnimmt. Es beantwortet keine Höhenfragen — Empore, Laterne und Terrassenbrüstung sind darin nicht enthalten, und die beiden Wintergärten schon gar nicht: sie bestehen nur aus Balken und lassen sich nicht abwickeln, weil sie keine Flächen haben.

13Was das
Bau­reglement
erlaubt

Zum ersten Mal ein Grundstück

Alle Blätter bis hierher rechnen im Freifeld. Blatt 11 nennt das seit jeher als grösste Lücke: Es gibt kein Grundstück, und deshalb kennt die Besonnung keine Nachbarn, die Kostenleiter keine Erschliessung und der Entwurf keine Bauordnung.

Das ändert sich. Es gibt jetzt eine konkrete Parzelle in Tägerwilen von rund 3170 m², die für dieses Haus in Frage kommt. Nummer und E-GRID stehen bewusst nicht auf dieser Seite — das Grundstück gehört jemand anderem, und eine öffentlich abrufbare Absichtserklärung kann eine spätere Verhandlung belasten. Für die Prüfung genügt die Fläche.

🛑 Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Das steht nicht mehr als Vermutung da, sondern als Auszug aus dem ÖREB-Kataster des Kantons — dem rechtsverbindlichen Register der Eigentumsbeschränkungen. Er nennt für das Grundstück zwei Einträge: Nutzungsplanung: Landwirtschaftszone (Lw), 100 % und Lärmempfindlichkeitsstufe III, 100 %.

Damit ist die Frage entschieden, und zwar negativ. In der Landwirtschaftszone ist nur zonenkonform, was der Landwirtschaft dient (Art. 16a RPG). Ein Vereinsgebäude gehört nicht dazu — daran ändert weder die Grösse der Parzelle noch die Höhe des Hauses etwas. Auf diesem Grundstück lässt sich nicht bauen, solange es nicht eingezont wird, und eine Einzonung ist ein politischer Prozess mit eigenem Zeithorizont, kein Planungsschritt.

Korrektur. Eine frühere Fassung dieses Blattes hielt fest, der ÖREB-Kataster lasse sich „nur über die Kartenoberfläche abfragen, nicht maschinell“. Das war falsch — es lag am angesteuerten Host. Der Kanton Thurgau stellt einen JSON-Auszug bereit, der auf die E-GRID-Nummer antwortet. Die Zonenaussage oben stammt aus dieser Quelle und ersetzt den vorher hier zitierten Übersichtsdatensatz des Bundes, der zum selben Ergebnis kam, aber nicht verbindlich ist.

Die Prüfung gegen die Zonenwerte unten bleibt trotzdem stehen. Sie beschreibt, was der Entwurf braucht — und sie gilt, sobald eine Bauzone feststeht, hier oder anderswo.

Was über das Gelände bekannt ist

Aus den Geodiensten des Bundes lässt sich einiges ohne Ortstermin ablesen. Das Gelände liegt auf rund 411 bis 414 m über Meer und steigt über die Länge des Grundstücks nur etwa drei Meter — ein Gefälle von rund 1,6 %, praktisch eben. Für ein Haus, das auf Punktfundamenten steht und dessen Terrassen auf einer Ebene liegen sollen, ist das die günstigste Ausgangslage; ein Hang hätte den Entwurf aus Blatt 06 erheblich verändert.

Das Grundstück ist unbebaut und grenzt direkt an eine Gemeindestrasse — Erschliessung wäre also keine Erschliessung über fremdes Land. Seine Ausdehnung ist mit rund 190 × 100 m allerdings viel grösser als seine Fläche: Das Grundstück ist kein kompaktes Rechteck, sondern schmal und langgezogen. Ob das Baufeld von gut 620 m² hineinpasst, entscheidet damit nicht die Fläche, sondern der Zuschnitt — und das lässt sich erst mit der genauen Parzellengeometrie beantworten.

Der Entwurf gegen die Masstabelle

Das Baureglement der Gemeinde arbeitet nicht mit der Ausnützungsziffer, sondern mit der Baumassenziffer — Kubikmeter Bauvolumen je Quadratmeter Grundstück. Dazu kommen Gesamthöhe, Grenzabstände und, in den kleineren Zonen, eine begrenzte Gebäudelänge.

Der Entwurf bringt rund 930 m³ Bauvolumen mit (sieben Zellen bis zur Traufe, die Mitte ein zweites Mal, fünf Zeltdächer), eine Firsthöhe von 6,80 m und ein Baufeld von 20,53 × 30,15 m mit beiden Wintergärten beziehungsweise 19,49 × 18,75 m ohne sie.

ZoneBMZzulässiges VolumenGesamthöheHöhe ok?GebäudelängeLänge ok?
W1.4 — Wohnzone 1.41,44439 m³ → 21 % genutzt11,00 mja30 mmit nein · ohne ja
W1.6 — Wohnzone 1.61,65074 m³ → 18 % genutzt11,50 mja30 mmit nein · ohne ja
W2.3 — Wohnzone 2.32,37293 m³ → 13 % genutzt15,00 mja40 mmit ja · ohne ja
D — Dorfzonekeine Ziffer16,00 mja30 mmit nein · ohne ja
WA1.8 — Wohn- und Arbeitszone 1.81,85708 m³ → 16 % genutzt12,50 mja40 mmit ja · ohne ja
WA2.5 — Wohn- und Arbeitszone 2.52,57928 m³ → 12 % genutzt15,00 mja50 mmit ja · ohne ja
Oe — Zone für öffentliche Bauten und Anlagenkeine Ziffer17,00 mjakeine Grenze
Lw — Landwirtschaftszonekeine Ziffer11,50 mjagegenstandslos — nicht zonenkonform

Zonenwerte abgeschrieben aus der Masstabelle des Baureglements Tägerwilen (Fassung 2014, Stand 2020); die Prüfung darunter ist gerechnet. „mit“ und „ohne“ meint: mit beiden Wintergärten oder nur die Rosette.

Drei Befunde

Die Baumasse ist kein Engpass — nicht einmal annähernd. Selbst in der dichtesten der geprüften Wohnzonen nutzt der Entwurf nur rund ein Fünftel des zulässigen Volumens, in den grösseren Zonen ein Achtel. Auf 3170 m² könnte vier- bis achtmal so viel Bauvolumen stehen, wie dieses Haus braucht. Das ist eine gute Nachricht für die Etappierung aus Blatt 09: Auch ein späterer Anbau, ein zweites Bauwerk für den Saal (Variante C) oder eine Werkstatt hätten Luft.

Die Höhe ist unkritisch. 6,80 m First gegen 11,00 m zulässige Gesamthöhe in der niedrigsten Zone — das Haus bleibt in jeder geprüften Zone deutlich darunter. Auch die Traufe von 3,00 m liegt weit unter den zulässigen Fassadenhöhen.

🛑 Die Gebäudelänge reisst — und zwar genau wegen der Wintergärten. In den Wohnzonen W1.4 und W1.6 sowie in der Dorfzone sind 30,00 m zulässig. Der Entwurf misst mit beiden Wintergärten 30,15 m. Fünfzehn Zentimeter. Ohne die Wintergärten passt er in jede geprüfte Zone.

Die fünfzehn Zentimeter

Diese Zahl ist im Bericht nicht neu. Blatt 06 d nennt die Nord-Süd-Ausdehnung von 30,15 m ausdrücklich „die Zahl, an der der Entwurf an einer knappen Parzelle zuerst scheitert“. Damals war das eine Vermutung über den Platz. Jetzt ist es eine Grenze im Reglement — und sie trifft nicht die Fläche, sondern die Länge.

Drei Auswege stehen offen, und sie sind unterschiedlich aufwendig:

Erstens: die Auslegungsfrage. Das Reglement behandelt Klein- und Anbauten gesondert. Ob zwei reine Balkenkonstruktionen mit Pultdach, unbeheizt und ohne Fundament, überhaupt zur Gebäudelänge zählen, ist keine Rechenfrage — das entscheidet die Baubehörde. Fällt die Antwort günstig aus, ist der Punkt erledigt.

Zweitens: fünfzehn Zentimeter finden. Der Nordwintergarten müsste um diesen Betrag schmaler werden oder enger ans Haus rücken. Bei einem Pultdach von 3,20 auf 2,20 m über eine Tiefe von rund 3,5 m ist das keine Katastrophe — es ist eine Detailänderung, keine Entwurfsänderung.

Drittens: die Zone. Liegt die Parzelle in einer Wohn- und Arbeitszone (40–50 m) oder in der Zone für öffentliche Bauten (keine Längenbegrenzung), stellt sich die Frage gar nicht. Das ist der Grund, warum der ÖREB-Auszug der nächste Schritt ist und nicht eine weitere Rechnung.

Eine Beobachtung am Rand. Die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen kennt weder eine Baumassenziffer noch eine Gebäudelänge, erlaubt 17 m Gesamthöhe und verlangt nur 5 m Grenzabstand auf allen Seiten. Für ein Vereinsgebäude wäre das die sachlich passende Zone — aber eine Umzonung ist ein politischer Prozess mit eigenem Zeithorizont, kein Planungsschritt. Sie gehört auf die Liste, nicht in den Zeitplan.

Wo sonst

Wenn dieses Grundstück ausfällt, verschiebt sich die Frage von „passt das Haus hierhin?“ zu „wo passt es überhaupt?“. Parallel zu diesem Bericht ist dafür ein Prüfer entstanden, der Grundstücke aus der amtlichen Vermessung holt, ihre Zone aus der Nutzungsplanung liest, die bebauten aussortiert und für den Rest ausrechnet, ob das Baufeld mit den nötigen Abständen hineinpasst — bei Bedarf gedreht.

Über fünfundzwanzig Gemeinden der Region ergab das 1598 Treffer, von denen nach Abzug der bebauten Grundstücke und der Zonen, die kein Gebäude zulassen, 101 übrig bleiben. Achtzig davon liegen in der Grössenordnung, die für dieses Haus sinnvoll ist — gross genug für das Baufeld von gut 620 m², klein genug, um bezahlbar zu bleiben.

Zehn dieser Kandidaten liegen in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Das ist genau die Zone, die weiter oben als die sachlich passende für ein Vereinsgebäude auffiel: keine Baumassenziffer, keine Begrenzung der Gebäudelänge, 17 m Gesamthöhe, 5 m Grenzabstand ringsum. Was dort vorher eine theoretische Beobachtung war, ist damit eine Liste. In der Wunschgemeinde selbst sind acht unbebaute Kandidaten übrig, allerdings überwiegend in Arbeitszonen.

Die Auswahl ist damit nicht getroffen — eine Zone, die ein Gebäude zulässt, sagt nichts über Preis, Verfügbarkeit, Lage im Ort oder darüber, ob jemand verkaufen will. Aber die Frage ist jetzt eine der Auswahl und nicht mehr eine der Hoffnung.

Was jetzt zu klären ist

Die Reihenfolge ergibt sich aus dem Hebel:

Der ÖREB-Auszug für die Parzelle — er beantwortet Zone, Lärmempfindlichkeitsstufe und allfällige weitere Eigentumsbeschränkungen in einem Dokument, und er entscheidet, ob die Längenfrage überhaupt besteht.

Die Parzellenform. 3170 m² sagen nichts über den Zuschnitt. Bei 4 m kleinem und 8 m grossem Grenzabstand bleibt von einem schmalen Grundstück wenig übrig, von einem gedrungenen viel. Das Baufeld dieses Hauses ist mit gut 620 m² ein Fünftel der Parzelle — der Zuschnitt entscheidet, ob es hineinpasst und wie es ausgerichtet werden kann.

Der Baugrund. Er entscheidet über mehr als die Fundamente: Die Wege C und D aus Blatt 10 c und 10 d haben ihr Hauptargument im Aushub vor Ort. Stimmt die Körnung nicht, fällt es weg, und beide Wege verlieren genau das, was sie von Weg A unterschieden hat.

Die Nachbarbebauung — die Besonnungsrechnung aus Blatt 11 läuft bisher ohne Umgebung. Mit einer konkreten Lage liesse sich prüfen, ob die acht Stunden, in denen beide Terrassen Sonne haben, überhaupt erreicht werden.

mana — Verein in Gründung Skizze, kein Vorprojekt Kosten = Grössenordnungen, kein Kostenvoranschlag Flächen ± 15 % 28.07.2026