Eine Machbarkeits-Skizze für ein mana‑HQ, abgeleitet aus der Architektur, die wir ohnehin schon betreiben. Aus fünf Varianten wurde eine — hier steht, wie weit sie gediehen ist.
Die Software des Vereins hat längst eine Ordnung: eine gemeinsame Plattform, darauf eigenständige Apps; eine Tür für alle Konten; Räume, die auch dann funktionieren, wenn die Leitung nach draussen abreisst; Installationen, die offen liegen, weil sie jeder nachlesen können soll. Das sind keine technischen Zufälle — das sind Entwurfshaltungen. Ein Haus, das aus ihnen folgt, sieht in fünf sehr verschiedenen Richtungen aus.
Jede Variante unten ist eine ernst gemeinte, eigenständige Antwort — nicht vier Strohmänner und ein Favorit. Entschieden wurde inzwischen Variante B, der Hof — ausgeführt als Wabenraster aus gleichen Sechseck-Zellen. Blatt 04 hält die Abwägung fest, Blatt 05 das Modul, seine Grössen und fünf Anordnungen. Seither ist der Entwurf einen Schritt weiter: gebaut wird kompakt, ohne Hof — sieben Zellen um eine zweigeschossige Mitte, zwei davon mit begrünter Dachterrasse nach Osten und Westen, von jeder Terrasse eine eigene Treppe hinunter in den Garten, und nach Norden wie nach Süden je eine angebaute Zelle als Wintergarten aus Balken: Blatt 06, dort auch die Frage, welche Darstellungen zum Planen taugen, und das drehbare Modell. Blatt 07 stellt Möbel hinein und rechnet nach, wie viel vom Raumprogramm dieses Haus wirklich fasst — die Antwort ist unbequem.
Dieses Blatt ist über mehrere Runden gewachsen und liest sich in der Reihenfolge, in der es entstanden ist. Wer nur wissen will, wo der Entwurf steht, liest diese Seite — das Register darunter sagt, wann was entschieden wurde und was es abgelöst hat.
Jede Zahl genau einmal. Wo in den Blättern etwas anderes steht, gilt diese Tabelle — die Blätter halten den Stand ihres Entstehungstags fest.
| Grösse | Wert | Woher |
|---|---|---|
| Seitenlänge a | 3,75 m | Blatt 08 — 6 × 0,625 m Ständerraster |
| Fläche je Zelle | 36,5 m² | 2,598 · a² |
| Schlüsselweite | 6,50 m | über die Flachseiten |
| Ecke–Ecke | 7,50 m | Diagonale |
| Grösstes eingeschriebenes Rechteck | 6,50 × 3,75 m | = 24,4 m². Alles Rechteckige passt nur hier hinein |
| Rosette, 7 Zellen | 256 m² | Erdgeschoss |
| Empore | 23 m² | über der Halle |
| Dachterrassen | 2 × 30 m² | begrünt, begehbar |
| Wintergärten | 2 × 36,5 m² | unbeheizt, nur Balken |
| Traufe / First / Laterne | 3,20 / 4,05 / 6,80 m | Höhen sind absolut, sie folgen der Nutzung |
| Zeltdachneigung | 14,7° | bei 3,75 m Facette — trägt Stehfalz, keine Ziegel |
| Wintergarten-Gefälle | 7,6° | an der unteren Grenze für Glas |
| Baufeld Rosette | 19,49 × 18,75 m | 5,196 a × 5 a |
| Baufeld mit Treppen und Wintergärten | 20,53 × 30,15 m | die Zahl für den Grundstückskauf |
| Programmdeckung ohne Saal | 97 % | 279 von 287 m² (08) |
| Fixkosten, einmalig | 72–122 kCHF | unabhängig von der Zellenzahl (09) |
| Etappe 0 — Wintergarten allein | 27–44 kCHF | nur Balken, keine Erschliessung |
| Erste beheizte Zelle | 186–282 kCHF | 5 100–7 700 je m² |
| Jede weitere Zelle | 71–103 kCHF | 2 000–2 800 je m² |
| Voller Ausbau | ≈ 880–1 270 kCHF | ohne Land, ohne Reserve |
Der Bericht ist gewachsen, und spätere Blätter haben frühere korrigiert. Statt die alten Stellen zu löschen, stehen sie weiter da — hier steht, was inzwischen gilt und was es abgelöst hat.
| Entschieden | Statt | Warum | Blatt |
|---|---|---|---|
| Variante B, der Hof | Sockel, Halle, Riegel, Weiler | Gleichrangige Räume im Ring statt Hierarchie; die Föderation als Bauform. | 04 |
| Wabenraster aus Sechsecken | rechtwinkliges Karree | Ein Modul, sechs Nachbarn, wachstumsfähig in jede Richtung. | 05 |
| Kompakt, ohne Hof — volle Rosette 7 + 1 | Ring um einen offenen Hof | Kein Korridor, kürzeste Leitungen, eine Traufe. Der Hof geht verloren. | 06 |
| Raster um 30° gedreht (pointy-top) | flat-top | Erst so gibt es eine echte Ost- und eine echte Westzelle. Preis: keine reine Nord- und Südzelle. | 06 |
| Zwei begrünte Dachterrassen, Ost und West | sieben Zeltdächer | Zwei Aussenräume, die sich in der Sonne ablösen — und vier der sechs Dachkehlen verschwinden. | 06 |
| Von jeder Terrasse eine Aussentreppe | ein Weg über die Empore | Zweiter Fluchtweg gebaut statt vertagt; Pflege ohne Weg durch die Küche. | 06 |
| Treppen an den Zeltdachzellen, punktsymmetrisch | an den Terrassenzellen, gespiegelt | Küche und Werkbank haben kein Dachlicht — vor ihre Hauptfassade gehört keine Wange. Gegenläufig münden die Fluchtwege diagonal gegenüber. | 06 |
| Wintergarten, ans Haus angebaut | Gartenlaube, eine Zellbreite abgerückt | Er ersetzt den Hof, den Variante B hatte. Kostet den Nebengebäude-Status. | 06 |
| Zwei Wintergärten, Nord und Süd, nur aus Balken | einer im Süden, mit Glasflächen | Der Grundriss hat zwei Kerben. Süd ist die Sonnenfalle, Nord das blendfreie Atelierlicht. | 06 |
| Kein eigener Saal für 60 | Vereinssaal 75 m² aus dem Raumprogramm | Ein Raum für 60 will eine Spannweite; dieses Haus besteht aus Zellen. Für zwei Termine im Jahr ist das ein Mietsaal. | 07 |
| Seitenlänge 3,75 m | 2,90 m | Einzige Grösse, in der das Programm ohne Saal in sieben Zellen aufgeht — und die einzige Entscheidung, die sich später nicht revidieren lässt. | 08 |
| Holzrahmen-Tafelbau | Brettsperrholz | BSP ist verklebt und kranpflichtig — es bricht „geschraubt statt verklebt" und das Tafelmass in einem Bauteil. | 10 |
| Traufe bleibt bei 3,20 m | Absenken auf 3,00 m | Der Vorschlag hing an der BSP-Plattenbreite. Mit Holzrahmen gibt es diese Grenze nicht mehr. | 10 |
| Stehfalz empfohlen | Ziegel aus der Ortsbaukultur-Zeile | Sechs Grate je Zeltdach machen Ziegelverschnitt zum Kostentreiber. Noch nicht entschieden. | 10 |
| Eine Geometrie, zwei Renderer | von Hand nachgeführte Zeichnungen | Die alte Axonometrie hatte die Terrassen auf Nordwest/Südost und kannte die Treppen nicht. Pläne, Axonometrie und 3D rechnen jetzt aus modell.mjs. | 06 |
Was in den Blättern stehen bleibt. Blatt 05 empfiehlt weiterhin 2,90 m und Blatt 07 prüft die Möblierung an dieser Grösse — beides ist durchgestrichen und mit einem Verweis versehen, aber es bleibt lesbar. Blatt 07 ist der Grund, warum Blatt 08 überhaupt entstanden ist; wer es löscht, löscht die Begründung mit.
Abb. 1 — Massenskizzen der fünf Varianten, gleicher Massstab-Eindruck, ohne Massstab. Anklickbar.
Ein HQ für mana ist kein Bürohaus. Es ist eine Werkstatt mit Rechenzentrum, Tonstudio und Vereinslokal — und der grösste Teil davon steht heute schon irgendwo herum: der Mac Mini als Plattform-Server, die GPU-Workstation für STT, TTS und Bildgenerierung, die 3D-Drucker der Werkstatt, die Sprachnotizen-Aufnahmen, die Druckerzeugnisse, das Vereinsarchiv.
Das Programm folgt also nicht aus einem Wunsch, sondern aus dem Inventar. Grössenordnungen, bewusst klein gehalten — ein Verein mit einem Betreiber und ein paar Aktiven, nicht ein Institut:
| Raum | Wofür — aus dem laufenden Betrieb | m² |
|---|---|---|
| Pforte / Windfang | Eine Tür, ein Schlüssel. Ankommen, Post, Schuhe. | 12 |
| Werkbank | 2–4 Arbeitsplätze, Bildschirme, Bücher in Griffweite. | 45 |
| Werkstatt | 3D-Druck, Löten, NFC-Schmiede, Münzen, Prototypen. Laut, staubig. | 45 |
| Materiallager | Filament, Platinen, Druckerzeugnisse, Versand. | 20 |
| Studio | Sprachnotizen, TTS-Stimmen, Lernbühne-Vertonung. Schallentkoppelt. | 18 |
| Serverschrank | Mac Mini, Switch, USV, Storage. Kein Rechenzentrum — ein Schrank. | 8 |
| Heiz-/Technikraum | GPU-Knoten, Batteriespeicher, Wärmeabgabe, Netzübergabe. | 14 |
| Bibliothek | Archiv, Belege, Statuten, Bücher, ruhiger Leseplatz. | 22 |
| Vereinssaal | Mitgliederversammlung (~60 Personen), Kurse, Vorträge. | 75 |
| Küche / Tisch | Der eigentliche Vereinsraum. Wird am meisten benutzt. | 25 |
| Schaufenster | Ausstellung, Kisten-Spielecke für Kinder, Galerie. | 40 |
| Gast- / Knotenzimmer | Besuch, Mitarbeit auf Zeit, ein Knoten des Compute-Netzes. | 16 |
| Sanitär, Garderobe | Publikumsverkehr heisst: zwei WC, eines barrierefrei. | 22 |
| Erschliessung | Gänge, Treppe, Wände (≈ 18 % Zuschlag). | 65 |
| Summe | Geschossfläche, gerundet | ≈ 430 |
Das ist die Endausbau-Zahl. Kein Bauteil davon muss in der ersten Etappe stehen — die Etappierbarkeit ist deshalb bei jeder Variante eine eigene Kennzahl, und am Ende das entscheidende Kriterium.
Der Reiz der Aufgabe liegt nicht in der Bebilderung („Server = Herz des Hauses"), sondern darin, dass die Regeln des Stacks tatsächlich bauliche Konsequenzen haben. Diese Tabelle ist die Grundlage aller fünf Varianten — sie gilt in jeder davon.
| Im Code | Im Haus |
|---|---|
| mana-auth ein Konto, alle Apps |
Eine Tür. Ein Schlüssel öffnet Werkstatt, Studio, Saal und Archiv. Es gibt keinen zweiten Eingang „nur für die Werkstattleute". |
| JWKS lokal, kein Live-Call |
Jedes Schloss kennt den Schlüssel selbst. Niemand ruft beim Pförtner an, um hineinzukommen — der Pförtner darf schlafen, ohne dass das Haus stillsteht. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Zutrittsanlage, die am Netz hängt, und einem Schliessplan. |
| X-Service-Key | Der Lieferanteneingang: andere Tür, anderes Schloss, kein Publikumsverkehr, direkt ans Lager. |
| Local-first, „lokal heisst gratis" |
Jeder Raum funktioniert allein: Tageslicht, ein Ofen, ein Fenster zum Öffnen, eine Handkurbel. Netzausfall ist kein Betriebsausfall. Kein Raum, der ohne Zentrale dunkel bleibt. |
| Offen by default AGPL / Apache |
Installationen sichtbar geführt — Leitungen, Lüftung, Statik ablesbar, nicht hinter Gipskarton. Wer verstehen will, wie das Haus funktioniert, muss keine Wand aufschlagen. Der einzige geschlossene Raum ist der, in dem fremde Daten liegen. |
| Kein Vendor-Lock | Keine Cloud-Gebäudetechnik, kein proprietäres Bussystem, das in fünf Jahren abgekündigt wird. Neben jeder Automatik ein mechanischer Schalter. |
| Langlebigkeit vor Tempo |
Die Schichten werden nach ihrer Wechselrate getrennt gebaut: Tragwerk 100 Jahre, Hülle 30, Technik 15, Ausbau 5. Geschraubt statt verklebt, damit die schnelle Schicht die langsame nicht mit sich reisst. |
| Ein Produkt, ein Repo |
Jede Tätigkeit ein eigener Raum mit eigener Tür und eigenem Rhythmus — kein Grossraum, in dem alle gleichzeitig leise sein müssen. |
| mana-events Pub/Sub |
Die Hausleitung im Rückgrat: eine sichtbare Installationsachse, an die sich jeder Raum anschliesst — Strom, Netz, Luft, Anschlagbrett. |
| mana-share Föderation |
Der Hof. Gemeinsamer Boden, den alle betreten, ohne dass einer der Räume dem anderen übergeordnet wäre. Neue Beteiligte hängen sich an den Ring, statt einzuziehen. |
| mana-media MinIO-Buckets |
Das Magazin: fensterlos, kühl, hohe Regale, ein Register an der Tür. Nichts Repräsentatives, alles auffindbar. |
| mana-credits | Die Kasse — verglast. Wer will, sieht das Buch. Die Aufteilung 80/5/5/5/5 hängt als Tafel daneben, nicht in einem PDF. |
| GPU-Box RTX 3090 |
Der Heizraum. Die Abwärme wird nicht weggelüftet, sondern ins Haus geführt — realistisch 0,3–0,8 kW Dauerleistung: eine Grundlast, keine Heizung. Sommer-Bypass übers Dach. |
| Ports PORTS.md |
Die Zimmernummern. 3001 Pforte, 3061 Kasse, 3063/64 Studio, 3065 Magazin, 3067 Poststelle, 3071 Vereinsbüro, 3072 Hof, 3076 Auskunft. Eine Nummer wird nicht zweimal vergeben — im Haus so wenig wie im Register. |
| Reduced Motion, ruhige Listen |
Keine bewegte Fassade, keine Medienbespielung, kein Licht, das auf Anwesenheit reagiert. Das Haus tritt in den Hintergrund, wie die Apps es sollen. |
| Reichweite, alte Geräte |
Barrierefrei ohne Gerät: Rampe vor Lift, Klinke vor App, Beschriftung vor Bildschirm. Wer kein Smartphone hat, kommt trotzdem rein. |
| Grassroots, lokal anfangen |
Ortsbaukultur Thurgau/Bodensee: Ökonomiegebäude-Typologie, Riegel, Holz und Ziegel, kein Signature-Bau. Ein Haus, das aussieht, als hätte es schon immer dort gestanden. |
Zwei dieser Zeilen entscheiden die Variantenwahl fast allein: „Schichten nach Wechselrate" und „lokal heisst gratis". Die erste verlangt, dass sich der Ausbau ändern lässt, ohne das Tragwerk anzufassen. Die zweite verlangt, dass kein Raum von einer Zentrale abhängt. Beides zusammen zeigt später auf Variante C.
Ein durchgehender, massiver Sockel nimmt alles Gemeinsame auf: Pforte, Kasse, Magazin, Technik, Heizraum, Archiv. Darauf stehen leichte Pavillons — einer je Tätigkeit, jeder mit eigenem Dach, eigenem Fenster, eigener Treppe. Wer in einen Pavillon will, geht immer erst durch den Sockel.
Das ist platform/ und apps/, eins zu eins in Beton und Holz: die Plattform
trägt, die Produkte stehen darauf und können einzeln abgebrochen und neu gebaut werden, ohne dass
das Fundament angerührt wird.
Abb. 2 — Variante A, schematischer Schnitt. Der Sockel ist ein Bauwerk, die Pavillons sind austauschbar.
Gleichrangige Räume im Ring, in der Mitte ein Hof. Kein Raum ist wichtiger als der andere, keiner liegt „unter" einem anderen. Erschlossen wird über den Hof — man tritt ins Freie, um in den nächsten Raum zu gehen, und begegnet dabei zwangsläufig den anderen. In der Mitte steht ein kleiner Pavillon: Anschlagbrett, Auskunft, Übergabe. Die Drehscheibe, nicht die Zentrale.
Das ist die Föderation als Bauform. Ein neuer Beteiligter — eine befreundete Organisation, ein Auftragsprojekt mit eigener Hardware — hängt sich an den Ring an, ohne dass innen umgebaut wird.
Abb. 3 — Variante B, Grundriss Erdgeschoss. Der Hof ist der eigentliche Hauptraum; die gestrichelte Fläche zeigt, wie der Ring später wächst.
Ein einziger, hoher, billiger, sehr langlebiger Raum — und alles Weitere ist Möbel. Studio und Serverraum sind gedämmte Boxen, die in die Halle gestellt werden; darüber liegt eine Galerie mit Werkbank und Bibliothek; die Werkstatt braucht ohnehin nur Boden, Strom und Absaugung. Beheizt werden die Boxen, nicht die Halle.
Das ist die Trennung nach Wechselrate, gebaut: das Tragwerk hält hundert Jahre und wird nie wieder angefasst, die Einbauten werden umgestellt, wenn sich der Verein ändert — ohne Bewilligung, ohne Bauzeit, ohne Handwerker. Und es ist die einzige Variante, die man mieten kann, statt sie zu bauen.
Abb. 4 — Variante C, Querschnitt. Nur die schwarze Linie ist Bauwerk; alles Farbige ist Ausbau und kann an einem Wochenende anders stehen.
Ein langes, schmales Haus mit einem Rückgrat in der Mitte: der Gang führt Menschen, Leitungen und Nachrichten zugleich. Räume hängen links und rechts daran, jeder mit einer Nummer. Gewachsen wird am Kopf — man verlängert das Haus um ein Feld, und alles Bestehende bleibt unberührt.
Das ist der Event-Bus als Bauwerk, und zugleich die Typologie, die im Thurgau ohnehin überall steht: das Ökonomiegebäude, der Riegelbau, die Remise. Die Zimmernummern sind die Ports.
Abb. 5 — Variante D, Grundriss. Ein Feld anhängen, und das Haus ist eine Etappe grösser; der Gang wächst einfach mit.
Kein Haus, sondern fünf kleine, je 40 bis 90 m², um einen gemeinsamen Anger gestellt. Jedes autark: eigenes Dach, eigener Ofen, eigene PV, eigener Zugang. Man geht über den Platz, um von einem ins andere zu kommen. Dazu Knoten ausserhalb des Grundstücks — Rechenleistung bei Mitgliedern, per Leitung angebunden, baulich gar nicht vorhanden.
Das ist local-first bis in die Bodenplatte und zugleich das dezentrale Compute-Netz: kein Ort kann das Ganze stilllegen, auch nicht der eigene.
Abb. 6 — Variante E, Situationsplan. Gestrichelt: die Knoten, die zum Netz gehören, aber nicht zum Grundstück.
Der Entscheid ist gefallen: Variante B. Ausgeführt wird sie nicht in Wänden und Riegeln, sondern in einem Wabenraster aus gleichen Sechseck-Zellen — das ist die Antwort auf B’s einzige echte Schwäche, die schlechte Etappierbarkeit. Blatt 05 führt das System aus. Dieses Blatt hält fest, wogegen entschieden wurde und was B sich davon mitnehmen muss; ein Dossier, das seine verworfene Alternative wegwirft, kann später nicht mehr begründen, warum.
Abgewogen wurde C als Bauwerk, B als Freiraum: eine einfache, langlebige Halle im Norden, davor nach Süden ein Hof, der von einer niedrigen Mauer und einem Nebenbau gefasst wird. Die Halle ist die langsame Schicht, ihre Einbauten sind die schnelle. Der Hof ist der öffentliche Boden — und die Fläche, an die sich später weitere Beteiligte anlagern können, ohne dass am Haus gebaut wird. Das Rückgrat aus D bleibt als sichtbare Installationsachse an der Nordwand erhalten, ohne dass das Haus dadurch linear wird. E bleibt, was es ohnehin ist: ein Netz, keine Bauform.
Der eigentliche Grund ist nicht Ästhetik, sondern Tempo. Die Software des Vereins ändert sich schneller, als ein Gebäude reagieren kann. Nur eine Bauform, die das Innere zu Möbeln erklärt, hält diesen Unterschied aus — jede andere zwingt uns, in fünf Jahren gegen die eigenen Wände zu arbeiten.
Abb. 7 — Die verworfene Alternative C+B, Schnitt Nord–Süd. Zum Vergleich behalten: Sie bleibt der Massstab, an dem sich das Wabenraster in Kosten und Umbaubarkeit messen lassen muss.
Das stärkste Argument der Halle war nicht ihr Preis, sondern die Trennung nach Wechselrate: das Tragwerk hält hundert Jahre, der Ausbau fünf. Eine Wabe erfüllt das nicht von selbst — eine Zelle ist Bauwerk, kein Möbel, und wer 22 m² gemauert hat, stellt sie nicht am Wochenende um. Drei Dinge muss die gewählte Variante deshalb übernehmen:
Der Hof wird aus gleichen Sechseck-Zellen gebaut. Das ist keine Formidee — es ist die Geometrie, die am genauesten zu dem passt, was hier untergebracht wird.
Die eine Regel, die alles bestimmt: Regelmässige Sechsecke kacheln nur unter sich, wenn sie gleich gross sind. Zwei Modulgrössen im selben Feld gehen nicht auf, es bleiben Dreiecke übrig. Daraus folgt zwingend: eine einzige Zellgrösse — grosse Räume entstehen durch Zusammenlegen, nicht durch grössere Module. Die einzige zulässige Zweitform ist das Dreieck als Füllstück: Schacht, Nische, Nasszelle.
Naheliegend wäre, die Zelle so gross zu machen wie der grösste Raum. Das ist der falsche Weg — dann ist jede Zelle ein Sonderbau. Richtig ist der umgekehrte Schluss: die Seitenlänge a ist die Breite eines Wandelements. Sechs gleiche Tafeln plus sechs Dachdreiecke ergeben eine Zelle; alles andere folgt daraus.
Abb. 8 — Modul-Anatomie. Links das Mass, rechts die Nachbarschaft. Das eingeschriebene Rechteck ist die Fläche, auf der rechtwinklige Möbel wirklich stehen. Die Zeichnung zeigt a = 2,90 m, die damals empfohlene Grösse; Blatt 08 hat sie auf 3,75 m korrigiert. Die Verhältnisse stimmen unverändert, die Zahlen nicht.
| Seite a | Schlüsselweite | Ecke–Ecke | Fläche | davon Rechteck | Beurteilung |
|---|---|---|---|---|---|
| 2,50 m | 4,33 | 5,00 | 16,2 m² | 10,8 m² | Für einen Arbeitsraum zu klein. Gut als Füllzelle: Nasszelle, Schacht, Speis. |
| 2,90 m | 5,02 | 5,80 | 21,8 m² | 14,6 m² | |
| 3,75 m | 6,50 | 7,50 | 36,5 m² | 24,4 m² | Entschieden auf Blatt 08. 6 × 0,625 m Ständerraster, 3 × 1,25 m Plattenbreite — keine Stummelbucht. Eine 3,00-m-Zeile passt an eine Wand. Damit ist auch der Rohbau festgelegt: Holzrahmen-Tafelbau (Blatt 10). |
| 3,20 m | 5,54 | 6,40 | 26,6 m² | 17,7 m² | Grosszügiger, noch handwerklich einfach. Kranz aus 12 Zellen wächst auf 320 m². |
| 3,50 m | 6,06 | 7,00 | 31,8 m² | 21,2 m² | Räume werden gross, Gruppen grob. Ein 7-m-Spann braucht schon einen Unterzug. |
| 4,00 m | 6,93 | 8,00 | 41,6 m² | 27,7 m² | Eine Zelle ist ein halber Saal. Die Feinkörnigkeit — der eigentliche Vorteil des Rasters — geht verloren. |
Für a = 2,90 m spricht ausserdem etwas, das kein Massband misst: sechs identische Tafeln pro Zelle sind ein Bauteil, das eine regionale Zimmerei in Serie fertigen kann — und das Mitglieder in einem Wochenend-Einsatz aufstellen können. Ein Verein, der sein Haus zum Teil selbst baut, ist genau die Fortsetzung von „Code als Allmende" ins Physische. Nachtrag: das galt der Zellgrösse 2,90 m. Blatt 08 hat sie auf 3,75 m korrigiert — das Argument bleibt, die Zahl nicht. Bei 3,75 m wiegt eine fertige Tafel allerdings gut 500 kg und kommt vom LKW; aufstellen können Mitglieder sie nicht mehr, bauen schon (Blatt 10).
Abb. 9 — Zellgruppen. 1: Studio, Server, Bibliothek, Gast, Pforte. 2: Werkbank, Werkstatt, Küche. 3: Saal für ~50. 4: Saal für 60–70. 7: der Hof — dieselbe Gruppe, nur nicht gebaut.
Beim Zusammenlegen bleibt der Eckstiel stehen. Ein Raum aus drei Zellen ist ein Raum, aber man sieht ihm seine drei Zellen an — das Tragwerk bleibt lesbar, und genau deshalb kann man später wieder trennen. Das ist die bauliche Entsprechung zu Modulen, die man zusammenschaltet, ohne sie zu verschmelzen.
Aus demselben Modul lassen sich sehr verschiedene Häuser legen. Die fünf hier sind nach einem Kriterium sortiert, das für mana entscheidet: ab wann ist der Hof ein Hof?
Abb. 10 — B1, Grundriss. Farbe = ein Raum; die feine Linie darin ist die Zellfuge, die als Tragwerk stehen bleibt. Gestrichelt: angelagerte Zellen späterer Etappen.
Die direkte Übersetzung von Variante B: ein geschlossener Ring aus zwölf Zellen um einen Hof aus sieben ausgelassenen. Der Hof misst rund 15 m — gross genug für eine Mitgliederversammlung im Freien, klein genug, dass man quer darüber ruft.
Erschliessung ist hier die Kernfrage. Ohne Korridor wird jede Zelle zum Durchgangszimmer. Die Antwort ist ein Laubengang am Hof, zwei Meter tief, im gleichen Raster als Vordach geführt: er erschliesst alle zwölf Zellen, trägt die Installationsachse, und im Winter geht man trocken.
Abb. 11 — B2, Grundriss. 17 gebaute Zellen, zwei ausgelassene als Lichthöfe.
Die dichteste Form: ein voller Cluster, aus dem einzelne Zellen als Lichthöfe ausgespart sind. Kürzeste Wege, kleinste Hülle, günstigste Heizung — und alle Räume unter einem einzigen, gefalteten Dach.
Der Preis ist der Hof selbst. Eine ausgelassene Zelle von 36,5 m² ist ein Lichtschacht, kein öffentlicher Boden. Damit verliert die Anordnung genau das, wofür Variante B gewählt wurde. Als spätere Verdichtung um einen Kranz herum ist die Wabe dagegen die richtige Logik.
Abb. 12 — B3, Grundriss. Zwei Höfe zu je drei Zellen, verbunden durch einen gemeinsamen Flügel.
Zwei Höfe statt einem, verbunden über einen Flügel, der zu beiden gehört. Das löst ein Problem, das Variante B ungelöst liess: Werkstatt und Vereinsleben brauchen verschiedene Höfe. Der eine hat Zufahrt, Späne und Materiallager, der andere Sonne, Tisch und Ruhe.
Preis: mehr Aussenwand, zwei kleinere Höfe statt eines grossen, und eine Figur, die schwerer zu etappieren ist — der gemeinsame Flügel muss früh stehen, sonst hängen beide Ringe in der Luft.
Abb. 13 — B4, Grundriss. Acht Zellen, Südseite offen. Gestrichelt die vier Zellen, die den Kranz später schliessen.
Der Kranz, an der Südseite offen gelassen. Damit ist der Hof vom ersten Tag an ein Hof — gefasst von acht Zellen, nach Süden von einer niedrigen Mauer, einer Pergola und zwei Bäumen. Das ist die direkte Antwort auf den Einwand gegen Variante B: ein Viertelring ist kein Hof, eine Sichel schon.
Die offene Seite arbeitet dreifach: Sonne in den Hof, Zufahrt für Anlieferung, und Bauplatz für die Etappe, die den Ring schliesst. Bis dahin ist die Lücke kein Mangel, sondern der Vorplatz.
Abb. 14 — B5, Situationsplan. Vier Dreiercluster, gepunktet die verglasten Verbindungen.
Vier Cluster à drei Zellen, lose um einen Anger gestellt, verbunden durch verglaste Hälse. Jeder Cluster ist ein eigenes kleines Haus mit eigenem Dach — die kleinste Etappe der ganzen Studie (drei Zellen, 66 m²), und der beste Ortsbild-Massstab.
Dafür ist die Mitte kein Hof, sondern eine Wiese: nicht gefasst, nicht wettergeschützt, im Winter kaum benutzbar. Und vier Dächer, vier Heizungen, vier Anschlüsse kosten bei einem Betreiber vor allem Wartungszeit.
Überholt am 28.07. Der Entscheid ist danach auf die kompakte Form gefallen: kein Hof, sondern die volle Rosette mit zweigeschossiger Mitte — Blatt 06. Der Weg unten bleibt als Etappenlogik gültig für den Fall, dass das Haus später doch zum Ring wächst; die Kostenkennzahlen pro Zelle gelten unverändert.
Nicht eine der fünf Anordnungen, sondern drei davon nacheinander — das ist der eigentliche Gewinn des Rasters. Als Sichel anfangen, zum Kranz schliessen, nach aussen verdichten. Jeder Schritt ist ein fertiges Haus, keiner macht den vorherigen rückgängig, und keiner braucht eine Entscheidung, die heute noch niemand treffen kann.
| Etappe | Zellen | Was entsteht | Grössenordnung |
|---|---|---|---|
| 0 — heute | — | Nichts bauen. Das Raumprogramm auf Blatt 00 ist die Inventur; parallel Standort und Zone klären. Betrieb bleibt, wo er ist. | — |
| 1 — Kern | 4 | Werkbank, Studio, Technik/Server, Werkstattkern. Ein bewohnbarer Viertelbogen — noch kein Hof, aber ein Betrieb. | 250–330 T |
| 2 — Sichel (B4) | +4 | Werkstatt komplett, Lager, Bibliothek, Küche. Ab hier ist der Hof ein Hof, nach Süden von Mauer und Bäumen gefasst. | +250–330 T |
| 3 — Kranz (B1) | +4 | Saal (3 Zellen) und Pforte schliessen den Ring. Erst hier wird aus dem Werkbetrieb ein Vereinshaus mit öffentlicher Adresse. | +260–350 T |
| 4 — Anlagerung | +3 … | Schaufenster, Gastzimmer, Sanitär, zusätzliche Werkbank — aussen an den Ring, nach der Waben-Logik von B2. Der Hof bleibt unangetastet. | je ≈ 65–85 T |
Ehrlich zur Kasse: Zwölf Zellen kosten in Summe 0,8–1,0 Mio — das ist nicht günstiger als die verworfene Halle, pro Quadratmeter eher teurer, weil kleinteilig gebaut wird. Was man kauft, ist nicht der Preis, sondern die Teilbarkeit: vier Zellen sind eine Etappe, die ein Verein stemmen kann, und keine davon ist eine Vorleistung, die brachliegt.
Der Hof entfällt. Gebaut wird die volle Rosette: sechs Zellen um eine siebte, die nicht ausgelassen, sondern zweigeschossig ist. Von den sechs Nachbarn bekommen zwei — die Ost- und die Westzelle — statt eines Zeltdachs ein begrüntes Flachdach, das von der Empore aus schwellenlos begehbar ist. Von jeder der beiden Terrassen führt ausserdem eine eigene Treppe hinunter in den Garten. In den beiden Kerben des Grundrisses, nach Norden und nach Süden, hängt je eine weitere Zelle als Wintergarten. Zehn Zellen, zwei Terrassen, zwei Aussentreppen, zwei Wintergärten — alles im selben Raster.
Die Terrassen entscheiden die Rasterlage. Damit es eine echte Ost- und eine echte Westzelle gibt, muss das Wabenraster um 30° gedreht werden — von der Flachseite nach oben (flat-top) auf die Spitze nach oben (pointy-top). Erst dann liegen zwei der sechs Nachbarzellen exakt gegenüber auf der Ost-West-Achse. Der Preis: es gibt keine reine Nord- und keine reine Südzelle mehr, die sechs Nachbarn liegen jetzt auf NO, O, SO, SW, W und NW. Der Eingang wandert nach Südost, das Studio nach Nordost. Das ist keine Kleinigkeit, sondern die Konsequenz aus deiner Frage — und sie ist es wert.
Zwei Terrassen auf derselben Seite wären eine Terrasse in doppelter Grösse. Auf Ost und West gegenüber sind es zwei verschiedene Orte am selben Tag:
Unerwarteter Gewinn: die Flachdächer lösen das Kehlen-Problem. Bei sieben Zeltdächern laufen sechs Kehlen sternförmig auf die höhere Mitte zu — der kritischste Punkt des ganzen Entwurfs. Werden Ost und West flach, entfallen alle vier Kehlen, die an diesen beiden Zellen hängen. Übrig bleiben zwei: eine im Norden, eine im Süden. Die Terrassen sind damit nicht nur ein Wunsch, sie sind die Antwort auf den grössten konstruktiven Einwand gegen die Rosette.
Bisher führte genau ein Weg auf die Terrassen: durch die Haustür, durch die Halle, die Treppe hinauf, über die Empore. Das ist ein Weg zu wenig — für den Betrieb, für die Pflege und für den Brandfall. Jede der beiden Terrassen bekommt deshalb eine eigene Treppe hinunter in den Garten.
Die Form kommt aus dem Raster. Eine gerade Treppe über 2,95 m Höhe braucht rund 5,10 m Lauflänge — deutlich mehr, als eine Facette lang ist (3,75 m). Die Treppe wird deshalb zweiläufig und wendet sich über ein Podest an einem Eckpunkt, 120° — derselbe Winkel, in dem sich in diesem Haus alles andere auch trifft.
Der erste Entwurf legte beide Läufe an die Ost- beziehungsweise Westfassade der Terrassenzelle. Das ist genau die falsche Wand. Küche und Werkbank liegen unter den Terrassen und haben deshalb kein Dachlicht — ihre Fassade ist die einzige Lichtquelle, die sie haben. Eine Treppenwange davor kostet dort am meisten. Die vier Zeltdachzellen dagegen können ein Dachfenster tragen; ein Stück verstellte Fassade wiegt bei ihnen leichter.
Beim Umlegen kam ein zweiter Fehler ans Licht. Eine zweiläufige Treppe braucht zwei benachbarte Facetten — und jede Zelle ausser den Terrassenzellen hat genau zwei freie. Läuft die Treppe um eine Zelle herum, frisst sie deren ganze Fassade: die Werkstatt hätte ihr 2,40-m-Tor verloren, das Studio jedes Fenster. Die Treppe legt sich deshalb über die Ecke zwischen zwei Zellen und kostet je eine Facette von zweien — die Nordostkante der Küche, ihre unwichtigste, und die Ostwand des Studios, das dafür ein Dachfenster bekommt. Die Ostfassade der Küche mit der Morgensonne bleibt frei, das Werkstatt-Tor auch.
Die beiden Treppen sind nicht mehr Spiegelbilder, sondern punktsymmetrisch: die eine ist die andere, um 180° um die Hausmitte gedreht. Praktisch heisst das, sie laufen gegenläufig — steht man in der Halle, dreht die eine im Uhrzeigersinn nach unten, die andere dagegen. Die Osttreppe beginnt an der Nordostecke ihrer Terrasse und kommt im Nordosten an, die Westtreppe an der Südwestecke und kommt im Südwesten an.
Damit ist das ganze Haus punktsymmetrisch: Terrassen Ost und West, Wintergärten Nord und Süd, Treppen Nordost und Südwest. Und der Brandschutz bekommt nebenbei sein bestes Argument — die beiden Fluchtwege münden diagonal gegenüber, weiter auseinander geht es auf diesem Grundriss nicht.
| Mass | Wert | Warum genau so |
|---|---|---|
| Steigung | 16,4 cm | 18 Steigungen auf 2,95 m. Schrittmass 2 × 16,4 + 30 = 62,8 cm — mitten im Wohlfühlbereich |
| Auftritt | 30 cm | draussen flacher als drinnen: nass, im Januar vereist, oft mit einer Kiste in der Hand |
| Neigung | 28,6° | flach genug, dass man auch einen Sack Substrat hochträgt, ohne sich anzuhalten |
| Laufbreite | 1,20 m | zwei Personen aneinander vorbei — und das Mass, das ein zweiter Fluchtweg braucht |
| Lauflänge | 2 × 2,40 m | je 9 Steigungen und 8 Auftritte; ein Lauf passt damit an eine Facette |
| Podest | 1,20 × 1,20 m | auf halber Höhe (+1,48 m), über der Zellecke, mit der 120°-Wendung |
| Auskragung | 1,20 m | so weit steht die Treppe vor der Facette. In der Kerbenlage wächst das Baufeld dadurch nur noch um gut einen halben Meter je Seite statt um 1,20 |
Die Osttreppe kommt an der Nordostseite an, an der stillsten Ecke des Hauses, direkt neben dem Studio — der Weg für Gerät, das ins Studio muss, ohne durch die Halle zu gehen. Die Westtreppe landet an der Werkstatt-Westwand, dort, wo die Zufahrt ist und ohnehin alles ankommt, was schwer ist. Zwei Treppen, zwei Ziele — dieselbe Überlegung wie bei den Terrassen und den Wintergärten: nicht dasselbe doppelt, sondern zwei verschiedene Orte.
Damit schliesst sich ein Rundweg, den das Haus vorher nicht hatte: Halle → Empore → Ostterrasse → Treppe → Garten → Wintergarten Süd → Halle. Ein Haus ohne Sackgasse.
Verzinkter Stahl auf drei Punktfundamenten, 6 cm Luft zur Fassade, Auftritte als Gitterrost oder geschlitzter Holzrost, damit Schnee und Wasser durchfallen statt liegenzubleiben. Kein Bauteil, das die Hülle durchdringt, keines, das die Fassade nass hält.
Das ist die Wechselraten-Regel aus Blatt 01 in Metall: ein Bauteil, das man an einem Tag abschrauben kann, ohne die Hülle zu öffnen. Die Treppe gehört zur schnellen Schicht, die Wand zur langsamen — und sie sind auch physisch getrennt, nicht nur im Diagramm.
Die Treppen ändern den Rang der Terrassen. Solange sie nur von der Empore aus erreichbar waren, waren sie Zubehör des Obergeschosses. Mit einer eigenen Treppe sind sie Aussenräume mit zwei Anschlüssen — oben ans Haus, unten an den Garten. Das ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Raum, den man nur durch einen anderen betritt, und einem mit eigener Tür.
Erst die Belegung der neun Zellen, dann die Frage, welche Darstellung welchen Fehler aufdeckt, dann die Risse selbst: Grundrisse, Schnitt, Axonometrie, Dach- und Situationsplan, Ansicht, Treppendetail. Am Ende zwei Dinge, die ein Blatt Papier nicht kann — das drehbare Modell und die nachgerechnete Besonnung.
| Zelle | Lage | Nutzung | Dach | m² |
|---|---|---|---|---|
| Mitte | — | Halle — Versammlung, langer Tisch, Treppe. Doppelte Höhe, Licht von oben, verteilt auf alle sechs | Laterne 6,80 m | 22 |
| Ost | Morgensonne | Küche und Tisch | Terrasse | 22 |
| West | Abendsonne | Werkbank, zwei bis drei Arbeitsplätze | Terrasse | 22 |
| Nordost | indirekt | Studio, schallentkoppelt. Ostwand geschlossen (Osttreppe davor), Licht über Dachfenster und die Nordostwand | Zeltdach | 22 |
| Nordwest | kühle Seite | Technik, Server, Lager — kein Fenster nötig, Anlieferungstür nach Westen | Zeltdach | 22 |
| Südost | zur Strasse | Pforte, Garderobe, WC — die eine Tür für alles; Dachfenster | Zeltdach | 22 |
| Südwest | Zufahrt | Werkstatt, Tor 2,40 m; Westwand hat die Westtreppe davor, dafür ein Dachfenster | Zeltdach | 22 |
| OG Mitte | über der Halle | Empore — Bibliothek, Rückzug, Gast; Zugang zu beiden Terrassen | — | 23 |
| Terrassen | Ost + West | begrünt, begehbar, von der Empore schwellenlos erreichbar | — | 2 × 30 |
| Aussentreppen | Ost + West | zweiläufig mit Podest, 120°-Wendung; zweiter Fluchtweg und Gartenzugang | offen | 2 × 7 |
| Wintergarten Süd | angebaut | der warme: Sonnenfalle und Pufferraum zwischen Pforte und Werkstatt, Tür zu beiden und in den Garten | Glas auf Balken | 22 |
| Wintergarten Nord | angebaut | der kühle: gleichmässiges Nordlicht für Studio und Technik, Überwinterung, Kaltlager, Anzucht | Glas auf Balken | 22 |
Innen bleiben es 256 m² Erdgeschoss und 23 m² Empore; dazu kommen 60 m² nutzbare Dachterrasse und 2 × 36,5 m² unbeheizter Wintergarten. Der Baukörper selbst dreht sich mit dem Raster auf 19,49 × 18,75 m — jetzt breiter als tief, was einem strassenseitigen Grundstück entgegenkommt. Mit den beiden Aussentreppen wächst das Baufeld in Ost-West-Richtung auf 20,53 m; in Nord-Süd-Richtung wächst er durch die beiden Wintergärten von 18,75 auf 30,15 m — das ist die grösste Zahl im ganzen Entwurf und die erste, die an einem realen Grundstück scheitern kann.
Ein Entwurf wird nicht durch mehr Bilder besser, sondern durch die richtigen. Jede Darstellungsart beantwortet genau eine Frage — und deckt genau einen Fehler auf, den die anderen nicht sehen. Die Reihenfolge unten ist die, in der sie beim Planen gebraucht werden.
| Darstellung | Beantwortet | Deckt auf | Stand |
|---|---|---|---|
| Grundriss 1:100 | Wo steht was, wie kommt man durch? | Wege, die nicht funktionieren; Räume ohne Tür | Abb. 15 |
| Grundriss OG | Wie hängen Empore und Terrassen zusammen? | Türen, die auf eine Brüstung stossen | Abb. 16 |
| Schnitt | Wie hoch, wie hell, wie kommt man hinauf und hinaus? | Schwellen, Kopfhöhen, dunkle Mitten | Abb. 17 |
| Axonometrie | Wie sieht das Ding aus, für alle die keine Pläne lesen? | Missverständnisse in der Vereinsversammlung | Abb. 18 |
| Dach- und Situationsplan | Wohin läuft das Wasser, wo liegt die PV, wo die Wintergärten? | die Kehlen — die Schwachstelle dieser Form | Abb. 19 |
| Ansicht | Wie wirkt es von aussen, passt es ins Ortsbild? | Höhen, die der Nachbarschaft auffallen | Abb. 20 |
| Treppenplan + Abwicklung | Wie kommt man von der Terrasse hinunter? | Podeste, die zu klein sind; Läufe, die an einem Fenster vorbeiziehen | Abb. 21 · 22 |
| Sonnenstandsdiagramm | Ab wann steht welche Terrasse in der Sonne? | ob das Ost-West-Versprechen wirklich stimmt — es stimmt nur halb | Abb. 24 · 25 |
| Grundriss 1:50, möbliert | Passen Werkbank, Rack und Tisch wirklich hinein? | die 120°-Ecken — der teuerste Irrtum dieser Geometrie | Blatt 07 |
| Knotendetail 1:5 | Wie treffen zwei Tafeln im 120°-Winkel, wie der Terrassenanschluss? | wo der Mehrpreis steckt, und wo Wasser eindringt | Blatt 10 |
| Kartonmodell | Was passiert, wenn man die Zellen anders legt? | alles, was man am Bildschirm nicht ausprobiert — und dass 1:50 zu gross geworden ist | Blatt 12 |
| Etappenplan | Was steht nach Etappe 1, 2, 3? | ob jede Etappe für sich benutzbar ist | Blatt 09 |
| Situationsplan 1:500 | Grenzabstände, Zufahrt, Norden | ob Haus, Treppen und Wintergarten auf die Parzelle passen | braucht Grundstück |
| Tafelliste / Abwicklung | Wie viele Teile, welche Typen? | ob Selbstbau realistisch ist | vor der Offerte |
Die vier, die jetzt zählen: das Sonnenstandsdiagramm (steht jetzt als Abb. 24 und 25 weiter unten — es hat die Terrassen-Idee zur Hälfte widerlegt und dafür die Brüstung als Kostentreiber des Morgens entlarvt), der Grundriss 1:50 möbliert (inzwischen auf Blatt 07 — er hat die Zellgrösse bestätigt und dafür eine grössere Lücke aufgedeckt), das Knotendetail — die Wand steht jetzt auf Blatt 10, der Dachknoten Flachdach an Zeltdach an Laternenwand fehlt weiterhin und ist der teurere von beiden — und das Kartonmodell, das jetzt als Bogen auf Blatt 12 liegt: eine Zelle, sieben- bis zehnmal ausgedruckt, an einem Abend gebaut. Es ist die einzige Darstellung, an der auch jemand mitentscheiden kann, der noch nie einen Plan gelesen hat. Nicht mehr 1:50, sondern 1:100 — bei 3,75 m Facette wäre das Haus sonst 39 cm breit.
Grundrisse, Schnitt und Ansicht sind im gleichen Massstab gezeichnet und lassen sich direkt übereinanderlegen; Situationsplan und Axonometrie stehen daneben.
Abb. 15 — Grundriss EG. Sechs Türen, ein Verteiler, kein Korridor. Ost- und Westzelle tragen die Terrassen; ihre Decke ist flach, die der übrigen offen bis unters Zeltdach. Oben und unten die beiden angebauten Zellen: der Wintergarten Nord in der Kerbe zwischen Studio und Technik, der Wintergarten Süd zwischen Pforte und Werkstatt, jeder mit einer Tür zu beiden Nachbarn. Sie haben keine Wände — die kleinen Quadrate sind die sechs Eckständer. Das mittlere Fenster von Küche und Werkbank (Ost- und Westfacette) steigt wegen der Treppenwange auf 1,40 m Brüstung — hier noch als normales Fenster gezeichnet.
Abb. 16 — Grundriss OG. Die Empore reicht von der Ost- bis zur Westwand: beide Terrassentüren liegen auf demselben Boden. Nach Süden bleibt der Luftraum offen, damit das Licht der Laterne bis in die Halle fällt. Aussen an beiden Terrassen die neuen Treppen: erster Lauf an der Ost- bzw. Westfacette, Podest über der Zellecke, zweiter Lauf im 120°-Knick hinunter aufs Terrain. Blau der Weg abwärts, orange Geländer und Handlauf.
Abb. 17 — Schnitt B–B. Der Schnitt, der die ganze Idee trägt: Empore auf 2,90 m, Terrassenbelag auf 2,95 m — man tritt ohne Stufe hinaus, nach Osten wie nach Westen. Rechts fällt Morgenlicht ein, links Abendlicht, oben durch die Laterne Mittagslicht. Ganz aussen sind die beiden Treppen quer geschnitten — ihre Läufe stehen senkrecht auf der Schnittebene und laufen nach Süden davon; wie sie fallen, zeigen Abb. 21 und 22.
Abb. 18 — Axonometrie, aus demselben Modell gerechnet wie Abb. 23. Die von Hand gezeichnete Vorgängerfassung hatte die Terrassen auf Nordwest und Südost statt auf Ost und West und kannte die Treppen noch nicht — Zeichnungen, die man von Hand nachführt, laufen dem Entwurf davon. Vorn der angebaute Wintergarten mit seinem Pultdach aus Glas.
Abb. 19 — Dach- und Situationsplan. Statt sechs Kehlen bleiben zwei — die beiden Flachdächer haben die anderen vier aufgelöst — und die Wintergärten bringen keine dazu, weil ihre Pultdächer vom Haus weg abfallen statt gegen die Nachbarn anzusteigen. Nördlich und südlich Zellen als Skelett. Von oben wird sichtbar, was die Anbauten für die Parzelle bedeuten: die Treppen legen sich in die Kerben statt an die Aussenkanten und verbreitern das Baufeld nur auf 20,53 m, die beiden Wintergärten ziehen es in der Nord-Süd-Achse auf 30,15 m.
Abb. 20 — Ansicht Ost, schematisch (Facetten unverkürzt). Von aussen ist das Haus ein niedriger, breiter Körper mit einer begrünten Kante auf 3,20 m; die Höhe steckt in der Mitte. Die Treppe steht jetzt weiter nördlich: der erste Lauf zieht im 60°-Winkel nach hinten und erscheint verkürzt, der zweite läuft in der Bildebene an der Studio-Ostwand hinunter. Die Ostfassade der Küche in der Bildmitte ist frei — genau das war der Grund für den Umzug.
Abb. 21 — Teilgrundriss der Osttreppe. Sie legt sich über die Ecke zwischen zwei Zellen, nicht um eine herum: erster Lauf an der Nordostkante der Küche, Podest über der gemeinsamen Ecke, zweiter Lauf an der Ostwand des Studios hinunter. So kostet sie je eine Facette von zweien — die Ostfassade der Küche mit der Morgensonne bleibt frei, das Studio behält seine Nordostwand und bekommt zusätzlich ein Dachfenster. Die Brüstung öffnet sich am Treppenkopf auf 1,20 m. Die Westtreppe ist nicht das Spiegelbild, sondern die um 180° gedrehte Zwillingstreppe: sie läuft gegenläufig.
Abb. 22 — Abwicklung C–C, beide Läufe in eine Ebene geklappt. So sieht man das Wesentliche auf einen Blick: 18 gleiche Steigungen à 16,4 cm, das Podest genau in der Mitte, nichts Krummes, nichts Gewendeltes. Die 120°-Wendung steckt im Podest — in der Abwicklung ist sie unsichtbar, gebaut ist sie der Punkt, an dem die Treppe der Wabe folgt.
Dieselbe Geometrie wie oben, nur nicht mehr aus einem festen Blickwinkel: ziehen dreht, + und − zoomen, die Pfeiltasten tun beides. Das Mausrad zoomt erst, wenn das Bild angeklickt ist — wer nur weiterlesen will, soll nicht im Modell hängenbleiben. Der Sonnenstand ist echt: die sechs Stände hinter den Knöpfen sind für Tägerwilen gerechnet (Höhe und Azimut stehen unter dem Pult), nicht nach Augenmass gesetzt. Wer den 21. Dezember am Nachmittag wählt, sieht denselben flachen Schatten, den die Messung in Abb. 25 zählt.
Für das drehbare Modell fehlt diesem Browser WebGL. Die Zeichnungen darüber zeigen dieselbe Geometrie.
Abb. 23 — Das Modell, drehbar. Es rechnet aus denselben Zahlen wie die Grundrisse: Facette 3,75 m, Traufe 3,20, First 4,05, Terrasse 2,95, Laterne 6,80, Wintergarten 3,20 auf 2,20. Es ist ein Massenmodell — Wände haben keine Dicke, Möbel fehlen, die Treppen sind Stufen und Handlauf. Die beiden Wintergärten stehen als reines Holzskelett da: die Verglasung würde das Tragwerk verdecken, um das es geht.
Bis hierher war die Sonne in diesem Bericht eine Behauptung. „Ostterrasse: Morgensonne", „der Südgarten ist die Sonnenfalle", „Nordlicht, blendfrei" — plausibel, aber ungeprüft, und als fehlendes Sonnenstandsdiagramm auf der Lückenliste. Jetzt ist es gerechnet, und zwar zweistufig: der Sonnenstand nach dem NOAA-Verfahren für 47,658° N / 9,135° O, und die Besonnung als Strahl von je rund 155 Messpunkten gegen die 775 Flächen des Modells. Der Schatten kommt also aus dem eigenen Haus und nicht aus einer Annahme.
Was nicht drin ist: Nachbarbebauung, Bäume, Horizont, Wetter. Es gibt kein Grundstück, also auch keine Umgebung — was hier steht, gilt für ebenes, freies Gelände. Und es ist direkte Sonne: der Nordgarten ist an dem Tag, an dem die Tabelle 0,0 h meldet, nicht dunkel, er hat nur keine Sonne im Gesicht. Genau darum geht es bei ihm.
Abb. 24 — Die Sonnenbahn über Tägerwilen. Waagrecht der Azimut (wo die Sonne steht), senkrecht ihre Höhe über dem Horizont. Die drei Bahnen sind die drei Tage, die den Rahmen aufspannen. Orange gestrichelt stehen die sechs Facettenrichtungen der Wabe — daran liest man ab, was das gedrehte Raster kostet: Süden liegt zwischen zwei Facetten, keine Fassade schaut je direkt in die Mittagssonne. Das ist der Preis dafür, dass die Wabe pointy-top steht.
Abb. 25 — Gemessene Besonnung. Für jeden Ort und jeden Zeitpunkt der Anteil der Fläche, der direkte Sonne bekommt. Nicht gerechnet, sondern gezählt: jeder Messpunkt schickt einen Strahl zur Sonne, und wenn er ein Bauteil trifft, liegt der Punkt im Schatten. Die dünne waagrechte Linie ist die 50-Prozent-Marke, an der die Zeiten in der Tabelle abgelesen sind.
| Ort | These | über 50 % | Sonnenstunden | Spitze |
|---|---|---|---|---|
| 21. Juni — Sonne 05:32 bis 21:19 MESZ, Höchststand 13:25 bei 65,8° | ||||
| Ostterrasse | Morgensonne | 08:10–17:30 | 8,0 h | 88 % |
| Westterrasse | Abendsonne | 09:30–18:50 | 8,0 h | 89 % |
| Wintergarten Süd | die Sonnenfalle | 07:10–19:40 | 9,8 h | 86 % |
| Wintergarten Nord | blendfrei, kühl | 06:00–21:00 | 10,0 h | 78 % |
| 21. März — Sonne 06:30 bis 18:32 MEZ, Höchststand 12:31 bei 42,7° | ||||
| Ostterrasse | Morgensonne | 09:10–15:40 | 5,5 h | 80 % |
| Westterrasse | Abendsonne | 09:30–16:00 | 5,7 h | 82 % |
| Wintergarten Süd | die Sonnenfalle | 07:00–18:10 | 8,3 h | 83 % |
| Wintergarten Nord | blendfrei, kühl | 07:00–18:10 | 4,4 h | 59 % |
| 21. Dezember — Sonne 08:15 bis 16:28 MEZ, Höchststand 12:22 bei 18,9° | ||||
| Ostterrasse | Morgensonne | 11:30–14:30 | 2,7 h | 61 % |
| Westterrasse | Abendsonne | 10:30–14:00 | 3,1 h | 69 % |
| Wintergarten Süd | die Sonnenfalle | 08:50–16:00 | 5,5 h | 79 % |
| Wintergarten Nord | blendfrei, kühl | —–— | 0,1 h | 0 % |
Die Zeiten stehen in Ortszeit — Juni in MESZ, März und Dezember in MEZ. „Sonnenstunden" ist die besonnte Fläche über den Tag aufsummiert: eine halb besonnte Terrasse zwei Stunden lang zählt als eine Stunde. Die Spitze sagt, wie viel der Fläche im besten Moment des Tages Sonne hat — sie erreicht nie 100 %, weil die Brüstung immer einen Streifen wirft.
Drei Befunde, davon einer unbequem.
Die Laube war zwei rohe Zellen im Garten, eine Zellbreite abgerückt — nah genug, dass die Geometrie eine Familie blieb, weit genug, dass sie baurechtlich ein eigenes Nebengebäude war. Sie rückt ans Haus und wird zum Wintergarten. Und weil die Rosette zwei Kerben hat, wird sie zu zweien.
Der Grundriss hat genau zwei Stellen, an denen eine Zelle andocken kann, ohne dass etwas ausweichen muss: die Kerbe im Süden zwischen Pforte und Werkstatt und die im Norden zwischen Studio und Technik. Beide bekommen je eine Zelle, beide teilen sich zwei ihrer sechs Facetten mit den Nachbarn, und jede geteilte Facette bekommt eine Tür. Das Haus ist damit wieder punktsymmetrisch — der Wintergarten ist keine Anhängsel-Entscheidung mehr, sondern ein Paar wie die Terrassen.
Zwei Wintergärten, zwei Klimata — dieselbe Logik wie bei den Terrassen. Der Süden ist die Sonnenfalle: Speicherboden, Wintersonne, Pufferraum vor den beiden Räumen mit dem meisten Publikumsverkehr. Der Norden ist der kühle: gleichmässiges, blendfreies Nordlicht — die klassische Atelierlage, und genau das, was Studio und Technik brauchen. Er überhitzt nie, bleibt frostfrei und ist damit Überwinterungsplatz für Pflanzen, Kaltlager und Anzucht. Nicht dasselbe zweimal, sondern zwei verschiedene Räume aus demselben Bauteil.
Beide Wintergärten sind kein Mauerwerk und keine Vorhangfassade, sondern ein Holzskelett: sechs Eckständer, eine Schwelle, ein Riegel auf 1,05 m, ein Rähm oben und fünf Sparren in Gefällerichtung. Mehr ist da nicht. Die Verglasung sitzt zwischen den Hölzern und ist im Modell bewusst nicht gebaut — sie würde genau das verdecken, worum es geht.
| Bauteil | Wie | Warum so |
|---|---|---|
| Tragwerk | Ständer 15/15, Rähm 15/19, Sparren 11/17, Schwelle und Riegel | Sichtbar geführt, geschraubt statt verklebt — dieselbe Regel wie für die Installationen im Haus. Wer verstehen will, wie es steht, muss nichts aufmachen. |
| Dach | Pultdach, 3,20 → 2,20 m, rund 7,6° vom Haus weg | Ein Zeltdach hätte je zwei neue Kehlen gebracht und damit zunichte gemacht, was die Terrassen gewonnen haben. So bleibt es bei zwei Kehlen im ganzen Haus. |
| Füllung | Glas zwischen den Hölzern; das äusserste Feld als Schiebeelement | Im Sommer ganz zu öffnen: dann ist es eine überdeckte Loggia statt eines Glaskastens. |
| Beschattung | nur im Süden: eine laubabwerfende Rebe auf Drahtwerk, 30 cm über dem Glas | Im Sommer Schatten, im Winter kahl — kein Motor, keine Markise. Der Nordgarten braucht sie nicht, das ist sein eigentlicher Vorteil. |
| Lüftung | hohe Klappe an der Hauskante, niedrige an der Aussenkante | Kamineffekt. Ein Wintergarten ohne Querlüftung ist im Juli unbenutzbar. |
| Boden | Süd: dunkler massiver Belag als Speichermasse. Nord: dasselbe, aber es zählt dort nicht. | Der Südgarten sammelt die Wintersonne und gibt sie nachts an Raum und Nachbarwände ab. |
| Heizung | keine, in keinem von beiden | Frostfrei durch Sonne und die Wärme der Nachbarräume. Pufferräume, keine Aufenthaltsräume — das entscheidet auch, wie sie baurechtlich zählen. |
Was sie ersetzen: den Hof. Variante B hatte einen, die kompakte Rosette hat ihn verloren, und in der Verlust-Liste stand seither „kein Aussenraum ebenerdig, der zum Haus gehört". Genau das sind die beiden jetzt — nur nicht mehr als Loch in der Mitte, sondern als zwei Zellen am Rand. Die Föderations-Idee ist damit nicht mehr gebaut, der Aussenraum ist wieder da.
Ein Wintergarten ist der eine Ort im Haus, an dem Bewegliches unvermeidlich ist. Schiebeelement, Lüftungsklappen, Beschattung — nichts davon lässt sich wegplanen. Die Regel aus Blatt 01 gilt trotzdem weiter, sie verschiebt sich nur: nicht „keine Mechanik", sondern „jede Mechanik von Hand bedienbar". Kurbel statt Stellmotor, Riegel statt Funkschloss.
Alles an diesem Entwurf hängt an einer Zahl: 2,90 m Facette, 21,9 m² je Zelle. Sie ist bisher nie geprüft worden. Der schnellste Weg, sie zu prüfen, kostet nichts und braucht kein Grundstück: Möbel in die schwierigsten drei Zellen stellen und nachmessen. Das ist dieses Blatt.
| Mass | Wert | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Fläche | 21,9 m² | ein Zimmer, kein Saal. Etwa so viel wie ein grosses Wohnzimmer. |
| Längste gerade Wand | 2,90 m | Das Mass, an dem sich alles bricht. Eine Küchenzeile will 3,60 m, eine Werkbankwand gern 4,00 m, eine Bücherwand am liebsten mehr. In dieser Wabe gibt es nirgends mehr als 2,90 m am Stück. |
| Grösstes eingeschriebenes Rechteck | 5,02 × 2,90 m | = 14,6 m². Alles, was rechteckig sein muss — Nasszelle, Raum-im-Raum, Serverschrank —, passt nur hier hinein. 7,3 m² jeder Zelle liegen ausserhalb und taugen nur für Wege, Pflanzen und Beiläufiges. |
| Ecken | 120° | gut zum Durchgehen, schlecht zum Hinstellen. Ein Schrank in einer 120°-Ecke verliert seine Ecke; ein Mensch nicht. |
| Diagonale | 5,80 m | das längste Stück, das sich in einer Zelle drehen lässt — für die Werkstatt die relevante Zahl. |
Die 2,90 m sind die eigentliche Entwurfsentscheidung, nicht die Sechseckform. Wer diese Zahl ändert, ändert Fussabdruck, Kosten und Dachneigung mit — und wer sie behält, muss mit Möbeln leben, die kürzer sind als anderswo. Beides ist vertretbar; unentschieden ist es nicht mehr.
Nicht alle sieben — nur die drei, an denen es klemmen könnte: die Werkstatt (viel Gerät, Rangierfläche), das Studio (ein Rechteck im Sechseck) und die Pforte (hindernisfrei ist ein Zwang, kein Wunsch).
Abb. 26 — Werkstatt, möbliert. Die Wand, die durch die Westtreppe fensterlos wurde, ist ausgerechnet die beste Werkbankwand — man arbeitet ohnehin lieber gegen die Wand als gegen das Gegenlicht. Was nicht aufgeht: das Programm wollte 45 m².
Abb. 27 — Studio mit Raum im Raum. Hier wird der Preis der Wabe zur Zahl: von 21,9 m² bleiben 8,8 m² entkoppelter Aufnahmeraum. Das reicht für Sprachnotizen, Stimmen und Vertonung — für ein Ensemble nicht.
Abb. 28 — Pforte mit hindernisfreiem WC. Der 1,50-m-Wendekreis passt — aber die beiden rechteckigen Nasszellen lassen drei 120°-Ecken übrig, die nichts mehr können. Von den drei Zellen ist das die teuerste Geometrie.
Blatt 00 hat ein Raumprogramm von rund 430 m² aus dem laufenden Betrieb abgeleitet. Das kompakte Haus hat 167 m² beheizt plus 44 m² Wintergarten. Die Gegenüberstellung ist unbequem und gehört deshalb hierher:
| Aus dem Programm | soll | Im kompakten Haus | ist |
|---|---|---|---|
| Pforte / Windfang | 12 | Teil der Südostzelle | 8 |
| Sanitär, Garderobe | 22 | Rest der Südostzelle | 14 |
| Werkbank | 45 | Westzelle | 22 |
| Werkstatt | 45 | Südwestzelle | 22 |
| Materiallager | 20 | Rest der Nordwestzelle | 6 |
| Studio | 18 | Nordostzelle | 22 |
| Serverschrank | 8 | Nordwestzelle | 8 |
| Heiz-/Technikraum | 14 | Nordwestzelle | 8 |
| Küche / Tisch | 25 | Ostzelle | 22 |
| Bibliothek | 22 | Empore | 14 |
| Vereinssaal, 60 Personen | 75 | Halle — reicht für 10 am Tisch, 20 im Stehen | 22 |
| Schaufenster, Ausstellung | 40 | kein Ort (behelfsweise Wintergarten Süd) | 0 |
| Gast- / Knotenzimmer | 16 | kein Ort | 0 |
| Erschliessung | 65 | entfällt — kein Korridor im Haus | 0 |
| Summe | 427 | beheizt, ohne Wintergärten | 168 |
Das kompakte Haus deckt rund 40 % des Programms. Der grösste Einzelposten ist nicht verkleinert, sondern gestrichen: ein Vereinssaal für 60 Personen. Dazu fehlen Schaufenster und Gastzimmer ganz. Auf der Habenseite steht eine Zahl, die man leicht übersieht: die 65 m² Erschliessung entfallen vollständig — das ist der Gewinn der Rosette, und er ist gross.
Alle anderen Lücken lassen sich durch Anbauen schliessen: das Raster wächst, jede zusätzliche Zelle hängt sich an eine freie Facette, und 22 m² mehr Werkstatt sind eine Zelle mehr. Der Saal nicht. Ein Raum für 60 Personen will eine Spannweite; dieses Haus besteht aus Fünf-Meter-Zellen. Sechs Zellen aneinander ergeben keinen Saal, sondern sechs Zimmer mit Stützen dazwischen.
| Ausweg | Was er bringt | Was er kostet |
|---|---|---|
| A · Etappieren empfohlen | Das kompakte Haus ist Etappe 1: der arbeitende Teil des Vereins, 168 m², sofort baubar und finanzierbar. Der Saal kommt später — und als eigenes Bauwerk. Blatt 04 hat dafür längst eine Form: Variante C, die Halle. | Der Verein hat bis dahin keinen eigenen Versammlungsraum für 60. Für zwei Termine im Jahr ist das ein Mietsaal, kein Bauprojekt. |
| B · Grössere Zelle | Facette 3,60 statt 2,90 m ergibt 33,7 m² je Zelle, 236 m² im Erdgeschoss. Längste Wand 3,60 m — die Küchenzeile ginge auf. | Fussabdruck 18,71 × 28,80 m statt 15,07 × 23,20; Kosten grob +45 %. Und der Saal geht trotzdem nicht auf — 33,7 m² sind keine 75. |
| C · Zweigeschossig | Die vier Steilzellen zweigeschossig: +88 m² ohne einen Quadratmeter mehr Grundstück. | Die Zeltdächer fallen weg, die Laterne verliert ihre Wirkung, der ganze Schnitt kippt. Das ist kein Ausbau mehr, das ist ein anderes Haus. |
Die Empfehlung ist A — und mit ihr eine Frage, die vor jeder Zeichnung beantwortet gehört: Braucht der Verein wirklich einen eigenen Saal für 60? Eine Mitgliederversammlung findet ein- bis zweimal im Jahr statt. 75 m² für zwei Abende sind die teuersten Quadratmeter des ganzen Programms. Fällt die Antwort „nein", dann ist das kompakte Haus kein Kompromiss mehr, sondern das ganze Haus — und die Studie ist an ihrem Ziel.
Der Saal für 60 ist vom Tisch — er wird gemietet oder findet im Freien statt. Damit fällt der einzige Posten weg, den dieses Raster ohnehin nicht lösen konnte, und das Programm schrumpft auf rund 287 m² Nutzfläche (427 minus 75 m² Saal, minus 65 m² Erschliessung, die hier gar nicht erst entsteht). Übrig bleibt genau eine unentschiedene Zahl: die Seitenlänge der Wabe. Sie ist auch die einzige Entscheidung, die sich später nicht mehr korrigieren lässt — die Zahl der Zellen schon.
| Grösse | Formel | Wächst |
|---|---|---|
| Fläche je Zelle | 2,598 · s² | quadratisch. Von 2,90 auf 3,75 m sind +29 % Seitenlänge — und +67 % Fläche. |
| Längste gerade Wand | s | linear. Das Mass, an dem sich die Möblierung bricht (Blatt 07). |
| Schlüsselweite | 1,732 · s | linear. Die Breite der Zelle über die Flachseiten. |
| Grösstes Rechteck | 1,732 · s × s | quadratisch. Alles, was rechteckig sein muss, passt nur hier hinein. |
| Fussabdruck Rosette | 5,196 · s × 5 · s | linear je Richtung — aber beide zugleich, also quadratisch in der Fläche. |
| Zahl der Bauteile | konstant | gar nicht. Immer sieben Zellen, immer sechs Wandtafeln je Zelle. Sie werden nur grösser — und grössere Tafeln sind pro m² billiger, weil Fugen, Ecken und Anschlüsse gleich viele bleiben. |
| Kosten | ≈ s1,9 | fast quadratisch. Etwas weniger, weil der Anschlussaufwand je m² sinkt. |
Die Frage „gibt es Standardlängen?" hat eine überraschende Antwort: für die Seitenlänge selbst kaum. Was bindet, ist das Raster dahinter.
| Bauteil | Standardmass | Was es für die Wabe heisst |
|---|---|---|
| Plattenwerkstoffe OSB, Gipsfaser, Dreischicht | 1,25 m Breite Ständerabstand 0,625 m | Das ist der Takt. Eine Wand, deren Länge ein Vielfaches von 0,625 m ist, hat lauter gleiche Gefache. Jede andere Länge endet in einer Stummelbucht — bei 2,90 m sind das 0,40 m, an jeder der achtzehn Aussenwände. |
| Brettsperrholz (BSP) | Plattenbreite 2,95 / 3,00 / 3,50 m Länge bis 16 m | Die Plattenbreite begrenzt nicht die Wandlänge, sondern die Wandhöhe. Bei 3,20 m Traufe braucht jede Tafel eine Fuge oder eine Sonderplatte. |
| KVH / Brettschichtholz | 5,00 / 6,00 / 8,00 / 10,00 / 13,00 m | unkritisch. Sparren und Rähm bleiben in jeder der vier Grössen deutlich darunter. |
| Transport | Ladefläche 13,60 × 2,48 m bis 3,00 m ohne Sondertransport | Eine fertige Wandtafel muss in 3,00 m Höhe und Breite passen. Bis s = 3,00 m geht sie liegend gestapelt; darüber wird es eine Frage der Ladungssicherung, kein Verbot. |
| Gipskarton innen | 2,50 / 2,60 / 3,00 m Länge | Raumhöhen von 2,50, 2,60 oder 3,00 m sind fugenfrei. 2,60 m lichte Höhe passt zu allen vier Kandidaten. |
Der teuerste Fund steht in der zweiten Zeile und hat mit s gar nichts zu tun: die Traufhöhe von 3,20 m liegt über der Standard-Plattenbreite von 2,95/3,00 m. Jede Aussenwand braucht deshalb eine Fuge, die niemand sehen will, oder eine Sonderplatte, die niemand zahlen will. Traufe auf 3,00 m senken und jede Wand ist eine Tafel. Der Terrassenbelag bleibt bei 2,95, der First rutscht von 4,05 auf 3,85 — im Bild kaum sichtbar, in der Kalkulation deutlich.
Abb. 29 — Vier Zellen im gleichen Massstab. In jede ist dasselbe hineingestellt: eine 3,00-m-Zeile an die rechte Flachseite, ein Tisch 1,60 × 0,90 und ein Wendekreis von 1,50 m. Gestrichelt das grösste eingeschriebene Rechteck. Bei A und B ist die Zeile orange — sie passt nicht an die Wand, sie müsste um die 120°-Ecke.
Abb. 30 — Dieselben vier Längen als ganzes Haus. Der Sprung von B nach D sieht auf dem Blatt klein aus und ist es nicht: 4,4 m mehr in der Breite, 4,25 m mehr in der Tiefe, 103 m² mehr Fläche.
| A · 2,50 | B · 2,90 | C · 3,125 | D · 3,75 | |
|---|---|---|---|---|
| Fläche je Zelle | 16,2 m² | 21,8 m² | 25,4 m² | 36,5 m² |
| Schlüsselweite | 4,33 m | 5,02 m | 5,41 m | 6,50 m |
| Ständerbuchten | 4 | 4 + Stummel | 5 | 6 |
| 3,00-m-Zeile an eine Wand | nein | nein | ja | ja |
| Rosette, 7 Zellen | 114 m² | 153 m² | 178 m² | 256 m² |
| + Empore | ≈ 10 | ≈ 14 | ≈ 16 | ≈ 23 |
| Deckung des Programms 287 m² ohne Saal | 43 % | 58 % | 68 % | 97 % |
| Fussabdruck Rosette | 12,99 × 12,50 | 15,07 × 14,50 | 16,24 × 15,63 | 19,49 × 18,75 |
| … mit zwei Wintergärten | × 20,00 | × 23,20 | × 25,00 | × 30,00 |
| Kostenindex | 0,75 | 1,00 | 1,15 | 1,63 |
| Grössenordnung | 0,50–0,65 | 0,66–0,86 | 0,76–0,99 | 1,08–1,40 |
Zwei der vier fallen sofort weg. A (2,50 m) ist der reine Rastergedanke ohne Rücksicht auf die Nutzung: 16 m² sind ein Zimmer, keine Werkstatt, und eine Zeile von drei Metern passt nirgends an eine Wand. B (2,90 m), der heutige Stand, teilt diesen Mangel — und liegt als einziger Kandidat nicht auf dem Ständerraster. Er ist offenbar aus der Zeichnung entstanden, nicht aus dem Bau.
Die Empfehlung ist D · 3,75 m. Drei Gründe, in dieser Reihenfolge:
1. Es ist die einzige Grösse, in der das Programm ohne Saal in sieben Zellen aufgeht — 279 gegen 287 m². Bei C fehlt ein Drittel, und ein Drittel schliesst man nicht mit Möblierungsgeschick.
2. Die Zellgrösse ist die einzige Entscheidung, die sich später nicht revidieren lässt. Die Zellzahl schon: etappieren heisst weniger Zellen, nicht kleinere. Vier Zellen zu 36,5 m² sind eine sinnvolle erste Etappe; vier Zellen zu 21,8 m² sind ein Provisorium, das man nie mehr los wird.
3. 3,75 m = 6 × 0,625 m = 3 × 1,25 m. Jede Wandtafel hat sechs gleiche Gefache und verbraucht drei volle Plattenbreiten. Keine Stummelbucht, kein Reststreifen — achtzehnmal.
Der Preis steht ehrlich in der Tabelle: Kostenindex 1,63 und ein Baufeld von 19,49 × 18,75 m für die Rosette allein. Mit beiden Wintergärten werden daraus 19,49 × 30,00 m — das ist mehr, als ein normales Einfamilienhaus-Grundstück hergibt. Zwei Auswege, beide verträglich: nur einen Wintergarten bauen (dann 19,49 × 26,25 m), oder mit vier bis fünf Zellen anfangen statt mit sieben.
Und wenn das Geld nicht reicht: dann ist C · 3,125 m die richtige Antwort, nicht B. Sie ist die kleinste Zelle, in der eine Drei-Meter-Zeile an eine Wand passt, sie liegt sauber auf dem Ständerraster, und sie kostet nur 15 % mehr als der heutige Stand. B · 2,90 m sollte in keinem Fall bleiben — es ist die einzige der vier Zahlen, für die es kein Argument gibt.
Die naheliegende Rechnung — 1,08 Mio geteilt durch sieben, also rund 155 000 für den Anfang — ist falsch, und zwar in beide Richtungen. Falsch nach unten, weil ein grosser Teil der Kosten überhaupt nicht mit der Zellenzahl zusammenhängt: Baugesuch, Statik, Baustelleneinrichtung, Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss fallen einmal an, ob man eine Zelle baut oder sieben. Falsch nach oben, weil die erste Zelle sechs Aussenwände hat und jede weitere nur noch drei.
| Posten | von | bis | Warum er nicht kleiner wird |
|---|---|---|---|
| Baugesuch, Planung, Statik, Bauleitung | 28 | 45 | Ein Baugesuch für 36 m² ist fast so aufwendig wie eines für 256 — dieselben Nachweise, dieselben Ämter. |
| Vermessung, Absteckung, Baugrund | 4 | 7 | Der Baugrundnachweis gilt für die ganze Parzelle. |
| Baustelleneinrichtung, Aushub, Zufahrt | 10 | 18 | Bagger und Kran kommen einmal — für eine Zelle genauso wie für drei. |
| Anschlüsse Wasser, Abwasser, Strom | 22 | 38 | Anschlussgebühren und Grabenmeter bis zur Parzellengrenze. Der teuerste Einzelposten, den niemand auf dem Bild sieht. |
| Umgebung minimal, Entwässerung | 8 | 14 | Zugang und Regenwasser braucht auch ein einzelnes Gebäude. |
| Summe | 72 | 122 | in Tausend CHF |
| Posten | Menge | von | bis |
|---|---|---|---|
| Bodenplatte, gedämmt | 36,5 m² | 15 | 19 |
| Wände — alle sechs aussen | 67,5 m² | 36 | 47 |
| Zeltdach inkl. Dämmung und Eindeckung | 38,5 m² | 15 | 19 |
| Fenster, Tür, Tor 2,40 m | — | 12 | 20 |
| Elektro, Wasser, Holzofen | — | 18 | 28 |
| Nassecke: WC und Becken | 3,4 m² | 9 | 14 |
| Innenausbau, Boden, Oberflächen | 36,5 m² | 9 | 13 |
| Zelle | 114 | 160 | |
| mit Fixkosten | 186 | 282 | |
| je m² | 36,5 m² | 5 100 | 7 700 |
Jede weitere Zelle kostet 71–103 Tausend — rund 2 000 bis 2 800 CHF je m² statt 5 100 bis 7 700. Der Unterschied sind die Fixkosten, die schon bezahlt sind, und die drei Wände, die zur Nachbarzelle hin nicht mehr gebaut werden müssen.
Abb. 31 — Was der Quadratmeter kostet, je nachdem wie weit man baut (Mittelwerte, Rohbau bis Innenausbau, ohne Land, ohne Terrassen, Treppen, Laterne und Wintergärten). Die erste Zelle ist mehr als doppelt so teuer je m² wie die siebte. Ab der dritten wird die Kurve flach — der Sprung, der sich lohnt, ist der von eins auf drei, nicht der von sechs auf sieben.
| Etappe | Was steht | kCHF | je m² |
|---|---|---|---|
| 0 · Wintergarten | Nur Balken: sechs Ständer, Schwelle, Riegel, Rähm, Sparren. Unbeheizt, auf Punktfundamenten, ohne Erschliessung. Das Übungsstück im Massstab 1:1 — und es steht schon an seinem endgültigen Platz. | 27–44 verglast 41–66 | 740–1 200 |
| 1 · Werkstattzelle | Eine beheizte Zelle mit Tor, Nassecke und Holzofen. Erschliessung liegt. Ab hier arbeitet der Verein im eigenen Haus. | 186–282 | 5 100–7 700 |
| 2 · +2 Zellen | Werkbank und Halle. Damit ist der Kern beisammen: arbeiten, sich treffen, ankommen. | +142–206 | 3 000–4 400 |
| 3 · +4 Zellen | Studio, Technik, Pforte, Küche. Die Rosette ist geschlossen. | +284–412 | 2 300–3 200 |
| 4 · Aufbauten | Empore und Laterne, zwei Dachterrassen, zwei Aussentreppen, zweiter Wintergarten. | +240–330 | — |
| Summe | Der volle Ausbau aus Blatt 06 | ≈ 880–1 270 | ≈ 2 900 |
Etappe 0 ist der eigentliche Fund. Der Wintergarten besteht nur aus Balken, steht auf Punktfundamenten, braucht keinen Anschluss und keine Dämmung — und er steht bereits an seinem endgültigen Platz. Für 27 bis 44 Tausend baut der Verein damit ein Übungsstück im Massstab 1:1: dieselben 120°-Winkel, dieselben Zuschnitte, dieselbe Gruppe, ein Zehntel des Risikos. Wer den Wintergarten gebaut hat, weiss vor der ersten beheizten Zelle, ob Selbstbau in dieser Gruppe funktioniert. Ob er ohne ordentliches Baugesuch geht, entscheidet die Gemeinde — das ist die erste Frage, die sich zu stellen lohnt, weil sie so wenig kostet.
Gebaut wird die Südwestzelle: die Werkstatt. Sie ist die einzige Nutzung, die ohne die anderen auskommt — Software-Arbeit geht überall, Löten, 3D-Druck, NFC-Schmiede und Münzprägen nicht. Sie hat das Tor, also die Anlieferung. Und mit 3,75 m Facette passt die 3,00-m-Werkbank endlich an eine Wand.
Abb. 32 — Die erste Zelle als frei stehendes Haus. Durchgezogen die beiden Wände, die für immer aussen bleiben: die Torwand und die, vor der später die Westtreppe steht. Gestrichelt die vier, die im Endausbau innen liegen.
Die vier künftigen Innenwände werden als abschraubbare Tafeln gebaut. Kommt die Nachbarzelle, wandert die Tafel nach aussen weiter, statt in den Container zu gehen. Das ist die Wechselraten-Regel aus Blatt 01 wörtlich genommen: geschraubt statt verklebt, damit die schnelle Schicht die langsame nicht mit sich reisst. Es ist auch der Grund, warum die Werkstatt eine gute erste Zelle ist und die Mitte eine schlechte wäre — die Mitte bekommt später sechs Nachbarn.
Bis hierher steht das Haus als Geometrie und als Zahl da. Material ist nur beiläufig gefallen: „Holz und Ziegel“ in der Ortsbaukultur-Zeile auf Blatt 01, „verzinkter Stahl“ bei den Treppen, „Glas auf Balken“ bei den Wintergärten. Das war keine Lücke aus Versehen — solange die Seitenlänge wanderte, wäre jede Materialliste Makulatur gewesen. Seit Blatt 08 steht sie.
Zwei Zeilen aus dem Übersetzungsschlüssel nehmen die meisten Entscheidungen vorweg, und beide sind längst getroffen: „Schichten nach Wechselrate“ und „das Mass kommt von der Wandtafel“. Aus der ersten folgt, wie gefügt wird; aus der zweiten, woraus.
Die Regel, aus der der Rest folgt: jede Schicht muss sich zurückbauen lassen, ohne die langsamere darunter zu zerstören. Das ist kein ökologisches Bekenntnis, sondern dieselbe Regel wie im Repo — eine schnelle Schicht darf keine harte Abhängigkeit in eine langsame schreiben. Baulich heisst das: geschraubt statt verklebt, hinterlüftet statt verputzt, gestapelt statt verbunden.
Abb. 33 — Was die Wechselraten in hundert Jahren bedeuten. Der Ausbau wird neunzehnmal gewechselt, während das Tragwerk einmal steht. Jeder dieser neunzehn Wechsel ist entweder eine Schraube, die man aufdreht, oder eine Wand, die man aufschlägt.
Die 3,75 m sind ein Fertigungsmass. Damit ist der Rohbau faktisch schon gewählt: Holzrahmen-Tafelbau. Brettsperrholz fällt aus zwei Gründen weg — eine Platte 3,75 × 3,00 m in 100 mm wiegt rund 530 kg und braucht einen Kran, und sie ist verklebt. Das erste widerspricht dem Selbstbau-Versprechen aus Blatt 05, das zweite der Regel oben.
Der Takt aus Blatt 08 geht auf — beinahe. 3,75 m sind exakt sechs Gefache à 0,625 m; die Stummelbucht, die 2,90 m an jeder der achtzehn Aussenwände hinterlassen hätte, ist weg. Bis der Eckständer kommt: er frisst an jedem Wandende gut 20 cm (siehe unten), und was dazwischen bleibt, ist kein Vielfaches von 0,625 mehr. Entweder man legt das Ständerraster von der Ecke nach innen — dann stimmen die Gefache und die Plattenstösse liegen schief — oder umgekehrt. Das ist eine Entscheidung für die Werkplanung, keine für dieses Blatt, aber sie gehört notiert, bevor jemand sechs gleiche Tafeln bestellt.
Eine Zahl aus Blatt 05 muss dabei nachgeschärft werden. „Zu zweit stellbar“ stimmt für den rohen, liegend zusammengeschraubten Rahmen, der vor Ort aufgekippt wird — bei 3,75 m rund 180 kg, mit Hebel machbar. Eine fertige Tafel mit Dämmung und beidseitiger Beplankung liegt bei gut 500 kg; die kommt vom LKW und braucht einen Minikran. Das ändert nicht den Entwurf, aber die Erzählung: Mitglieder bauen die Tafeln, sie stellen sie nicht.
Bis hierher standen die Flächen dieses Berichts als Zahlen im Text — jemand hatte sie
ausgerechnet, und man musste es glauben. Sie fallen jetzt aus derselben Geometrie heraus, die
auch gezeichnet wird (mengen.mjs): ändert sich die Seitenlänge, ändert
sich der Auszug mit. Zwei Dinge musste die Rechnung dafür lernen. Erstens, dass jede
Zelle alle sechs Facetten zeichnet — wo zwei Zellen aneinanderstossen, liegen zwei Wände
übereinander, und wer sie nicht zusammenfasst, zählt 38 statt 18 Aussenwänden. Zweitens, dass
die Mitte höher steht als ihre Nachbarn: die gemeinsame Höhe ist Innenwand, der Überstand
bleibt aussen.
| Bauteil | Menge | Anmerkung |
|---|---|---|
| Zelle | 36,5 m² | Sechseck mit Facette 3,75 m, Apothem 3,25 m |
| Sieben Zellen | 255,7 m² | Bruttogrundfläche Erdgeschoss, ohne Wandstärke |
| Aussenwand | 236,3 m² | die 18 freien Facetten, dazu die Stücke, mit denen eine höhere Zelle über ihre Nachbarn hinaussteht |
| Innenwand | 138,4 m² | die zwölf geteilten Facetten, je einmal gerechnet — nicht zweimal |
| Fenster und Türen | 45,0 m² | davon 15,6 m² Türen — 19 % der Aussenwand |
| Laternenverglasung | 27,0 m² | das Glasband über den Nachbarfirsten |
| Zeltdach | 191,3 m² | geneigte Fläche, nicht Grundfläche — die fünf Zeltdächer inklusive Laterne |
| Gründach | 73,1 m² | die beiden Terrassen |
Bruttogrundfläche der sieben Zellen, ohne Wandstärke — Empore, Wintergärten und Terrassen kommen im Raumprogramm von Blatt 08 dazu und sind hier bewusst nicht mitgerechnet. Öffnungen sind im Modell Aufkleber vor der Wand; sie stehen als eigene Zeile und sind von der Aussenwandfläche nicht abgezogen.
Der Tafeltakt, gezählt statt behauptet. Aus dem Modell fallen 18 freistehende Aussenfacetten — die drei freien jeder der sechs Aussenzellen. Bei 3,75 m Seitenlänge sind das genau 3 Platten à 1,25 m und 6 Gefache à 0,625 m je Facette, zusammen 54 Tafeln — der Takt geht ohne Rest auf. Die höchste bodenstehende Tafel misst 3,20 m und liegt damit über der grössten gängigen Plattenbreite von 3,00 m — jede Aussenwand braucht eine Fuge oder eine Sonderplatte. Die Traufe auf 3,00 m zu senken löst das, und zwar für alle achtzehn auf einmal.
| Schicht | Material | Wechsel | Wer baut |
|---|---|---|---|
| Gründung | Bodenplatte aus RC-Beton, Zement CEM III, auf Schaumglasschotter statt XPS — tragfähig, kapillarbrechend, frostsicher, mineralisch, aus Altglas. Ein Bauteil statt drei. | 100+ | Betrieb |
| Tragwerk | Holzrahmen-Tafel, Fichte/Tanne aus der Region. Rähmring und Laternenstützen in Brettschichtholz — der Ring nimmt den Schub von sechs Zeltdächern. Verbindungen: Vollgewindeschrauben und CNC-gefräste Stahlblech-Formteile, kein Leim. | 100 | Zimmerei |
| Dämmung | Einblas-Zellulose 240 mm im Gefach, aussen 22 mm Holzfaser-Unterdeckplatte. Nicht aus Prinzip, sondern wegen der Phasenverschiebung: dieses Haus hat eine verglaste Laterne und zwei Wintergärten und ist sommerhitzegefährdet. | 30 | Verein |
| Fassade | Sägerohe Weisstanne oder Lärche, senkrecht, unbehandelt, hinterlüftet, darf vergrauen. Unterste 30 cm Spritzwasserzone in Blech. Kein chemischer Holzschutz — konstruktiv gelöst. | 30 | Verein |
| Zeltdächer | Stehfalz in vorbewittertem Aluminium. Nicht Titanzink: das Dachwasser läuft in die Zisterne. Siehe die Abwägung unten — hier widerspricht das Haus seiner eigenen Ortsbaukultur-Zeile. | 40–60 | Spengler |
| Flachdächer | Warmdach, Gefälledämmung, zweilagig bituminös mit FLL-Wurzelschutz, darüber der begehbare Aufbau. Plus eine Leckortungsschicht — ohne sie ist ein Loch unter Substrat und Holzrost nicht auffindbar. | 30–40 | Fachbetrieb |
| Fenster | Holz-Metall, 3-fach für Laterne und Zellen: Holz innen, Alu-Wetterschale aussen — der 100/30-Schnitt in einem Bauteil. Beschattung aussen, nicht über Sonnenschutzglas. | 30–40 | Betrieb |
| Wintergärten | Einfach- oder unbeschichtetes Zweifachglas zwischen den Hölzern, äusserstes Feld als Schiebeelement. Nur solange sie unbeheizte Pufferräume bleiben — siehe Blatt 11. | 30 | Betrieb |
| Ausbau trocken | Dreischichtplatte auf Lattung, geschraubt — Werkstatt, Studio, Magazin, Lager. Trägt Lasten an jeder Stelle, kommt ohne Spachtel aus, ist in einer Stunde wieder weg. | 5–15 | Verein |
| Ausbau schwer | Lehmbauplatte mit Lehmputz in Halle, Empore, Küche und Aufenthalt; dazu eine Speicherwand aus Stampflehm in der zweigeschossigen Mitte. Begründung unten — das ist die einzige Stelle, an der Masse hingehört. | 30+ | Verein |
| Böden | Massivholzdielen, geschraubt und abschleifbar. In Werkstatt, Pforte und Magazin ein geschliffener Zementüberzug — Späne, Rollen, Nässe. | 20–50 | gemischt |
| Technikzelle | Kalksandstein oder Beton, EI 60, Steinwolle, kein Holz innen. Die eine Zelle, in der das Modul bricht. | 100 | Fachplaner |
| Haustechnik | Sichtbar auf der Rückgrat-Achse: Kabel auf Pritsche, Rohre auf Schellen, nichts eingeputzt. Neben jeder Automatik ein mechanischer Schalter. | 15 | Betrieb |
Blatt 05 sagt: „der Mehrpreis steckt in den Anschlüssen, nicht im Rohbau.“ Das ist die teuerste Behauptung der ganzen Skizze und war bisher unbelegt. Der Schnitt unten belegt sie — und liefert gleichzeitig die Antwort darauf.
Abb. 34 — Wandaufbau im 120°-Eckknoten, Horizontalschnitt 1:5. Aussen oben. Die Fuge auf der Winkelhalbierenden ist die Gehrung zwischen den beiden Tafeln.
Die senkrechte Schalung ist die eigentliche Antwort auf das Sechseck. Jede 120°-Ecke wird zu einer aufgesetzten Eckleiste — ein Brett, fertig. Waagrechte Schalung, Plattenwerkstoffe oder Putz machen aus derselben Ecke eine Gehrung oder ein Sonderprofil, und davon gibt es sechs je Zelle. Senkrecht schalen kostet an der Ecke nichts; von den rund 200 m² Fassade der ganzen Rosette sind dann 100 % Katalogware.
Was die Ecke dagegen wirklich kostet, steht in der Mitte des Schnitts. Bei 240 mm Rahmentiefe reicht der Eckständer gut 21 cm weit in jede Tafel hinein — kürzer geht nicht, sonst stünde er jenseits der Winkelhalbierenden. Das ist der teuerste Ständer im Haus, sechsmal je Zelle, und die einzige Sonderform, die eine Tafel überhaupt hat. Er ist zugleich eine Wärmebrücke aus Vollholz. Wer sie wegrechnen will, dämmt den Eckkeil und arbeitet mit zwei schlanken Ständern — dann ist die Ecke wärmer und der Zuschnitt deutlich fummeliger. Diese Entscheidung gehört in dieselbe Offerte wie das Tafelmass.
Der Rest des Schnitts ist bewusst gewöhnlich: 430 mm Gesamtstärke, U ≈ 0,16 W/m²K mit gerechnetem Ständeranteil, die luftdichte Ebene auf der OSB und um die Ecke durchlaufend statt dort gestossen — Ecken sind die Stelle, an der Luftdichtheit im Betrieb verloren geht. Dass Blatt 08 die Traufe von 3,20 auf 3,00 m gesenkt hat, zahlt hier ein zweites Mal ein: eine Wand aus einer Platte hat auch keinen waagrechten Stoss in der Dichtebene. Die Installationsebene innen schützt sie zusätzlich — eine Steckdose durchstösst dann eine Lattung, keine Dichtung. Dass die Haustechnik ansonsten sichtbar auf der Rückgrat-Achse läuft, bleibt davon unberührt.
Die Ortsbaukultur-Zeile verspricht „Riegel, Holz und Ziegel“. Die Geometrie bestraft den Ziegel: ein sechseckiges Zeltdach hat sechs Grate, jede Reihe ist beidseitig geschnitten, die Gratwinkel sind keine Katalogware — und davon gibt es vier, plus die zwei verbliebenen Kehlen und den Anschluss an die Laternenwand.
Empfehlung: Stehfalz — und die Zeile auf Blatt 01 umschreiben, nicht das Dach. „Holz und Ziegel“ war eine Beschreibung der Typologie, keine Materialvorschrift. Was das Ortsbild trägt, ist die sägerohe Holzfassade; das Dach eines Sechsecks sieht ohnehin nach nichts aus, was hier schon stand.
Blatt 11 sagt es schon: „ein Flachdach über beheizten Räumen verzeiht keinen Ausführungsfehler — hier ist Selbstbau die falsche Stelle zum Sparen.“ Materialseitig heisst das eine unbequeme Wahrheit: für eine begehbare, begrünte Abdichtung über beheiztem Raum gibt es keine biobasierte Lösung, der man dreissig Jahre zutrauen kann. Bitumen oder FPO, geschweisst, vom Fachbetrieb, mit Gewährleistung.
Das sind rund 36 m² verklebte Fläche in einem Haus, das sonst vollständig geschraubt ist. Wir schreiben es hin, statt es zu verstecken: es ist der eine bewusste Bruch mit der Regel ganz oben, und er ist an der richtigen Stelle gemacht — dort, wo ein Fehler nicht reparierbar, sondern ruinös wäre.
Ein Holzbau mit dieser Menge Glas hat ein Problem, das kein Dämmstoff löst: er hat keine Speichermasse. Die Laterne wirft im Sommer Licht in einen Kern, der nichts davon puffert; die GPU-Grundlast von 0,3–0,8 kW ist ohne Speicher nur ein warmer Luftzug; und der Südwintergarten heizt, bis die Rebe deckt.
Deshalb eine Stampflehm-Wand in der zweigeschossigen Mitte, dort wo das Licht der Laterne auftrifft. Sie ist regional, rückstandslos rückbaubar, im Verein baubar, akustisch wirksam — und sie steht an der einzigen Stelle, an der eine schwere Wand die Wechselraten-Logik nicht verletzt: die Mitte ist die Schicht, die sich nicht ändert. platform/ in Lehm, apps/ in geschraubtem Holz. Das ist kein Bild, das ist dieselbe Regel.
Der zweite Ort für Masse ist der Schallschutz zwischen Werkstatt und Studio — ein Problem, das die offenen Punkte seit Blatt 06 mitschleppen und das mit Dämmung allein nicht lösbar ist. Es braucht Gewicht: doppellagige Gipsfaser plus eine Splittschüttung in der Balkenlage, grob 50 kg/m² je Schale. Zellulose hilft dabei, aber sie trägt nichts zu dem bei, was nur Masse leisten kann.
Serverschrank, USV und LiFePO4-Speicher wollen einen eigenen Brandabschnitt, eigene Lüftung und eine Abnahme. Materialseitig heisst das: Kalksandstein oder Beton, EI 60, Steinwolle statt Zellulose, kein Holz an der Innenseite.
Damit bricht die Regel „ein Modul, überall gleich“ — genau einmal, an einer benennbaren Stelle, aus einem prüfbaren Grund. Das ist besser als eine Ausnahme, die erst der Fachplaner findet.
| Nicht | Warum nicht |
|---|---|
| Brettsperrholz | verklebt und kranpflichtig — bricht das Tafelmass und „geschraubt statt verklebt“ in einem Bauteil. |
| Strohballen | 36 cm sprengen den 0,625-Takt, 120°-Ecken sind in Stroh eine Qual, Gewährleistung und Versicherung in der Schweiz ein Kampf. Wertekonform, entwurfsfeindlich. |
| Gipskarton | die verspachtelte Schicht ist per Definition nicht rückbaubar — und widerspricht „wer verstehen will, muss keine Wand aufschlagen“. |
| WDVS / EPS | Kleber, Dübel, Gewebe, Putz ergeben ein untrennbares Bauteil. Das Anti-Schichten-Material schlechthin. |
| PVC | materialseitiger Vendor-Lock; als Abdichtung braucht es ausserdem Trennlagen zu allem Holzigen. |
| Chemischer Holzschutz | bei Hinterlüftung und konstruktivem Holzschutz unnötig — und er macht das Holz am Lebensende zu Sondermüll. |
| Systemfassaden | „kein Vendor-Lock“ gilt auch für Bauteile, die in fünfzehn Jahren abgekündigt sind. |
| Titanzink blank | schwemmt Zink ins Dachwasser. Dieses Haus sammelt sein Dachwasser in einer Zisterne. |
Die Kostenrechnung steht auf Blatt 09 und bleibt dort. Die Zahlen hier sind die Bauteilpreise, die dort eingehen — Grössenordnungen auf Schweizer Niveau, ohne Gewähr und ohne Teuerung. Sie sagen nichts über die Bausumme, sondern nur, welche Materialentscheidung überhaupt einen Unterschied macht.
| Position | CHF/m² | Bemerkung |
|---|---|---|
| Schalung Weisstanne, unbehandelt | 30–50 | Material; Lärche 60–90. Montage im Verein. Rund 200 m² an der ganzen Rosette. |
| Stehfalz Aluminium, verlegt | 180–280 | Verschnitt spielt kaum eine Rolle — der Grund für die Empfehlung. |
| Ziegel auf dem Zeltdach | 120–180 | plus Grat- und Verschnittzuschlag, und genau der ist hier der Posten. |
| Gründachaufbau über der Abdichtung | 200–300 | 2 × 18 m². Abdichtung, Gefälledämmung und Leckortung kommen dazu. |
| Einblas-Zellulose 240 mm | 30–45 | im Selbstbau mit Mietmaschine deutlich weniger. |
| Lehmputz zweilagig | 60–100 | handwerklich; im Verein ein Bruchteil davon, mit Anleitung. |
Die Materialwahl ist nicht der Hebel — und das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Blattes. Zwischen der teuersten und der günstigsten vertretbaren Zeile oben liegen Zehntausende. Zwischen der ersten und der siebten Zelle liegen laut Blatt 09 5 100 gegen 2 960 CHF je m². Material entscheidet nicht, ob gebaut wird; es entscheidet, wer baut — und das ist bei diesem Verein die eigentliche Währung.
Genau deshalb steht dieses Blatt nach der Kostenrechnung und nicht davor. Etappe 0, der Wintergarten aus lauter Balken, prüft von alledem nur eines — ob die Gruppe 120° zuschneiden kann. Wandaufbau, Dichtebene und Dach kommen erst mit der ersten beheizten Zelle, und bis dahin ist jede Zeile oben umstossbar.
Blatt 10 a beschreibt einen Weg: Holzrahmen, leicht, trocken, geschraubt. Er ist gut begründet, aber er ist eine Wahl unter mehreren. Die drei folgenden Blätter prüfen die Alternativen am selben Haus — gleiche Geometrie, gleiche Facette von 3,75 m, gleiches Programm. Verglichen wird auf Blatt 10 e.
Naturstein hat alles, was diesem Haus fehlt: Masse, Dauerhaftigkeit, eine Oberfläche, die altert statt zu verfallen. Er hat aber auch eine Eigenschaft, die den ganzen Weg bestimmt.
Stein ist Speichermasse, kein Dämmstoff. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt bei rund 2,2 W/mK — etwa das Fünfzigfache von Zellulose. Eine einschalige Natursteinwand, die den Dämmwert des Holzbaus erreichen soll, müsste rechnerisch gut vierzehn Meter dick sein. Damit ist die Frage „massiv oder gedämmt“ nicht mehr offen: In Tägerwilen wird jede Steinwand zweischalig.
Der Aufbau folgt daraus. Innen trägt eine Natursteinschale von 300 mm, davor liegt die Dämmung, und aussen steht eine vorgemauerte Schale von 150 mm, die sichtbar bleibt und das Wetter nimmt. Der Stein tut damit zweimal etwas Sinnvolles — innen speichert er, aussen schützt er — aber er trägt nur einmal, und dazwischen liegt eine Dämmebene, die es in keinem historischen Steinbau gab.
Die Wabe hat 18 freie Aussenfacetten und damit 18 Aussenecken von 120°. Im Holzbau ist das eine Frage des Eckständers (10 a). Im Steinbau ist es eine Frage der Steinmetzarbeit: Jede Ecke braucht zugehauene Ecksteine im stumpfen Winkel, Lage für Lage, innen wie aussen. Das ist die Stelle, an der dieser Weg teuer wird — nicht das Material, sondern die Ecke.
Dazu kommt, was der Weg am Entwurf erzwingt. Die beiden auskragenden Terrassendächer und die zweigeschossige Mitte sind aus einem leichten Tragwerk gedacht. In Stein brauchen sie Auflager, Stürze über jeder Öffnung und ein Fundament, das eine andere Grössenordnung hat — die Wände allein wiegen ein Vielfaches des Holzbaus. Und die Etappierung aus Blatt 09 wird schwierig: Eine zweischalige Wand lässt sich nicht zur Hälfte bauen und später ergänzen.
Der Weg ist damit nicht erledigt, aber er ist eingegrenzt. Als ganzes Haus verlangt er das meiste Geld, die dickste Wand und die wenigste Eigenleistung. Als Sockel, als Speicherwand in der Mitte oder für die eine Zelle, die ohnehin nichtbrennbar sein muss (die Technikzelle aus 10 a), spielt er alle seine Stärken aus. Die ehrliche Empfehlung lautet deshalb: Stein an den Stellen, wo Masse und Dauerhaftigkeit gebraucht werden — nicht als Bauweise für 18 Facetten.
Stampflehm hat dasselbe bauphysikalische Problem wie der Stein — er speichert, aber er dämmt nicht — und dieselbe Folge: eine Dämmebene aussen. Alles andere an diesem Weg ist jedoch anders, und an einer Stelle passt er zu diesem Haus besser als jeder andere.
Der Kostentreiber beim Stampflehm ist die Schalung, nicht das Material. Dieses Haus hat 18 freie Aussenfacetten — und weil die Wabe regelmässig ist, sind sie alle gleich lang. Eine Schalung, achtzehnmal versetzt. Was in einem beliebig geformten Grundriss den Lehmbau verteuert, fällt hier weg.
Dazu kommt der Aushub. Wird auf der Parzelle ohnehin ausgehoben, und stimmt die Körnung, ist das Wandmaterial bereits da. Das ist das eigentliche Argument dieses Weges — und zugleich seine grösste Unsicherheit, denn ohne Grundstück ist es eine Annahme (Blatt 11).
Erstens: Man sieht den Lehm nicht. Wenn die Dämmung aussen liegt und davor eine hinterlüftete Schalung, dann steht aussen Holz — wie bei Weg A. Die Lehmwand wirkt nach innen: als Oberfläche, als Speichermasse, als Feuchtepuffer. Wer Stampflehm wählt, weil er die gestampften Lagen sehen will, muss sie innen suchen. Aussen sichtbarer Stampflehm wäre ein anderer Entwurf — mit weit vorstehendem Dach, hohem Sockel und einem Wärmeschutz, der nicht dem heutigen Standard entspricht.
Zweitens: die Regellage. Für den Lehmbau gibt es in der Schweiz keine eigene Norm, auf die sich eine Baueingabe stützen könnte. In der Praxis heisst das Einzelnachweis — Materialprüfung, Statik über den Einzelfall, ein Ingenieur, der das mitträgt. Das ist machbar und wird gemacht, kostet aber Zeit und Geld im Bewilligungsverfahren und gehört als Risiko in die Rechnung, nicht in die Fussnote.
Dem stehen zwei Vorzüge gegenüber, die kein anderer Weg hat. Der Rückbau ist vollständig: Eine unstabilisierte Stampflehmwand wird wieder zu Erde — die Regel aus Blatt 10 a, dass jede Schicht rückbaubar sein muss, ist hier nicht Anspruch, sondern Materialeigenschaft. Und das Stampfen selbst ist die laienfähigste Arbeit unter allen vier Wegen: Es ist anstrengend, aber es ist unter Anleitung erlernbar. Für einen Verein, der bauen will statt bauen zu lassen, ist das kein Nebenpunkt.
Der Preis dafür steht im Kalender. Lehm wird nass gebaut und muss trocknen; gestampft wird in der frostfreien Zeit. Ein Bauabschnitt braucht Wochen, in denen nichts passiert.
Die Wege B und C bezahlen ihre Masse mit Wanddicke: beide über 70 cm, beide kosten dem Haus mehr als zwanzig Quadratmeter Nutzfläche. Der vierte Weg fragt, ob sich das trennen lässt — ob die Masse dorthin kann, wo sie wirkt, ohne dass die Wand die ganze Last trägt.
Er tut das mit der ältesten Antwort, die es darauf gibt: Fachwerk. Ein Holzskelett trägt, die Gefache werden mit Stampflehm gefüllt. Neu ist daran nur die Rechnung — 240 mm Lehm innen, 240 mm Holzfaser aussen, hinterlüftete Schalung.
Das Ergebnis liegt zwischen den Extremen, aber nicht in der Mitte. Die Wand ist rund 20 cm dünner als bei den Massivwegen, die Masse liegt bei etwa der Hälfte — und der Wärmeschutz ist derselbe. Die Speichermasse sitzt dort, wo sie wirkt: innen, an der Raumluft.
Die Ecke wird einfach. Im Steinbau braucht jede der 18 Aussenecken zugehauene Ecksteine, im Holzbau frisst der Eckständer 21 cm in jede Tafel. Hier sitzt der Ständer ohnehin in der Ecke, wo er statisch hingehört, und der Lehm stösst stumpf an ihn an. Kein Sonderteil, kein Verschnitt.
Das Bauen lässt sich teilen. Das Skelett steht trocken, schnell und witterungsunabhängig — im Zweifel in einer Woche, mit Dach darüber. Die Ausfachung folgt danach, Gefach für Gefach, in der warmen Jahreszeit. Damit ist dieser Weg als einziger der drei massereichen mit der Etappierung aus Blatt 09 verträglich: Die Zelle kann stehen und dicht sein, bevor der Lehm drin ist.
Der Rückbau bleibt möglich. Lehm ausräumen, Skelett steht weiter. Die Regel aus Blatt 10 a — jede Schicht rückbaubar, ohne die langsamere zu zerstören — gilt hier auch zwischen Tragwerk und Ausfachung, nicht nur zwischen Hülle und Tragwerk.
Der Preis ist Arbeit. Gefache stampfen ist aufwendiger, als Zellulose einzublasen, und es braucht zwei Gewerke statt einem. Wer den Weg nur wegen der Speichermasse geht, sollte zuerst prüfen, ob die Stampflehmwand in der Mitte aus Blatt 10 a nicht schon genügt — sie war genau dafür gedacht.
Die vier Wege sind bewusst so eingestellt, dass sie denselben U-Wert erreichen — rund 0,16 W/m²K, der Wert aus Blatt 10 a. Das ist keine Schönfärberei, sondern die Bedingung dafür, dass der Vergleich etwas aussagt: Wer Wände mit unterschiedlichem Dämmwert nebeneinanderstellt, vergleicht Komfort mit Kosten und bekommt jedes gewünschte Ergebnis.
Die Wege unterscheiden sich nicht im Wärmeschutz, sondern darin, was sie dafür aufbieten müssen: Dicke, Masse, Arbeitszeit, Jahreszeit und Nutzfläche. Genau diese fünf Grössen stehen unten in der Tabelle.
Abb. 36 — Die vier Aussenwände im gleichen Massstab. Innen links, aussen rechts. Der Unterschied ist keine Frage der Dämmung, sondern der tragenden Schicht.
Die Wabe ist im Achsmass festgelegt: Die Facette misst 3,75 m, unabhängig davon, woraus die Wand besteht. Jede zusätzliche Wandstärke geht deshalb nach innen — und weil eine Zelle sechs Wände hat, wirkt sie sechsfach.
Abb. 37 — Eine Zelle, vier Innenkonturen. Das Achsmass bleibt gleich; was die Wand dicker macht, fehlt im Raum.
Abb. 38 — Die Masse aller Wände. Sie entscheidet über das Fundament, über „zu zweit stellbar“ und darüber, ob ein Kran auf die Parzelle muss.
| Weg A — Holzrahmen | Weg B — Stein | Weg C — Erde | Weg D — Hybrid | |
|---|---|---|---|---|
| Tragprinzip | Holzrahmen-Tafel, Wände tragen als Scheibe | Innenschale Naturstein tragend, Aussenschale vorgemauert | Stampflehmwand tragend, einschalig gestampft | Holzskelett trägt, Gefache mit Stampflehm ausgefüllt |
| Wanddicke | 430 mm | 765 mm | 744 mm | 534 mm |
| U-Wert | 0,163 W/m²K | 0,155 W/m²K | 0,160 W/m²K | 0,165 W/m²K |
| Flächengewicht | 67 kg/m² | 1146 kg/m² | 950 kg/m² | 530 kg/m² |
| Masse Wände gesamt | 22 t | 354 t (16,3×) | 308 t (14,1×) | 192 t (8,8×) |
| Nutzfläche, 7 Zellen | 223,0 m² | 199,1 m² (−24,0 m²) | 200,5 m² (−22,5 m²) | 215,4 m² (−7,6 m²) |
| Die 120°-Ecke | Eckständer reicht 21 cm in jede Tafel — Wärmebrücke aus Vollholz | 120°-Ecke braucht zugehauene Ecksteine — Steinmetzarbeit, 18× | 18 gleiche Facetten — eine Schalung, achtzehnmal verwendet | Ständer sitzt in der Ecke, Lehm stösst stumpf an — kein Sonderteil |
| Trocknung | keine — trockene Bauweise, ganzjährig | Mörtel bindet ab, Rohbau nur frostfrei | Wochen je Abschnitt, nur in der frostfreien Zeit | Gefache trocknen einzeln, Skelett steht vorher |
| Bauzeit, Witterung | Tafeln vorgefertigt, Aufbau in Tagen | Rohbau wetterabhängig, Monate | nass gebaut, Saison gebunden | Skelett trocken und schnell, Ausfachung nach Saison |
| Eigenleistung möglich | 30 % | 10 % | 60 % | 45 % |
| Rückbau | geschraubt, sortenrein trennbar | nur bei Kalkmörtel; Zementmörtel macht den Stein unbrauchbar | unstabilisiert vollständig — die Wand wird wieder Erde | Lehm ausräumen, Skelett bleibt stehen |
| Woher das Material | Holz regional; Zellulose aus Altpapier | Bruch in der Region nötig; sonst fällt das Hauptargument weg | Aushub der eigenen Parzelle, wenn die Körnung passt | Holz regional, Lehm aus dem Aushub |
| Aussenwand, Kosten | 126–164 kCHF | 272–508 kCHF | 208–390 kCHF | 151–284 kCHF |
Dicke, U-Wert, Gewicht, Masse und Nutzfläche sind aus dem Schichtaufbau und den Flächen von Blatt 10 a gerechnet. Eigenleistung und Kosten sind Annahmen — Grössenordnungen aus Richtpreisen und Referenzbauten, keine Offerten. Die Kostenzeile umfasst nur die Aussenwand, nicht das Haus. Ein fünfter Weg — der Containerbau — fehlt hier bewusst: Er behält die Wabe nicht bei und hat deshalb keine gemeinsame Zelle, auf die sich Nutzfläche und Masse beziehen liessen.
Weg A bleibt der günstigste und schnellste, und er ist der einzige, der ohne Jahreszeit auskommt. Sein bekannter Mangel steht in Blatt 10 a: Das leichte Haus hat keine Speichermasse und braucht sie sich in der Mitte dazuzukaufen.
Weg B ist als ganzes Haus nicht zu empfehlen — dickste Wand, grösste Masse, höchste Kosten, geringste Eigenleistung, und 18 Ecken, die je zugehauene Ecksteine brauchen. Als Sockel, als Speicherwand oder für die nichtbrennbare Technikzelle bleibt er richtig.
Weg C ist der Weg mit dem grössten Hebel für einen Verein: Der Aushub liefert das Material, die 18 gleichen Facetten teilen sich eine Schalung, und mehr als die Hälfte der Arbeit kann die Bauhütte selbst leisten. Er bezahlt das mit einer 74 cm dicken Wand, mit Trocknungszeiten und mit einem Bewilligungsverfahren ohne Norm im Rücken.
Weg D ist der Kompromiss, der sich rechnet — rund 20 cm dünner als die Massivwege, etwa die halbe Masse, dieselbe Dämmung, die einfachste Ecke von allen vieren, und als einziger massereicher Weg mit der Etappierung verträglich, weil das Skelett vor der Ausfachung steht.
Was dieser Vergleich nicht entscheidet. Er sagt nichts über das Sommerverhalten — dafür bräuchte es eine thermische Simulation, nicht eine U-Wert-Rechnung, und genau dort liegt der eigentliche Vorteil der schweren Wege. Er sagt nichts über die graue Energie, weil dafür belastbare Datensätze für Stampflehm aus eigenem Aushub fehlen. Und er hängt an einer Parzelle, die es noch nicht gibt: Ob Aushub und Stein vor Ort verfügbar sind, ist die Voraussetzung von B und C, nicht ihr Ergebnis.
Die nächste Entscheidung ist deshalb keine Materialentscheidung. Sie steht auf Blatt 11: erst das Grundstück, dann die Wand.
Die Wege B, C und D tauschen den Wandaufbau und lassen die Geometrie stehen. Weg E kann das nicht. Ein Container ist rechtwinklig, und er hat ein festes Mass — er lässt sich nicht auf eine Facette von 3,75 m bringen.
Die Zahl, die den ganzen Weg entscheidet: Das grösste Rechteck, das in eine Wabenzelle passt, misst 6,50 × 3,75 m. Ein 40-Fuss-Container ist 12,19 m lang. Er passt nicht hinein — und ein 20-Fuss-Container, der hineinpasste, liesse ein Drittel der Zelle ungenutzt. Wer mit Containern baut, gibt das Wabenraster auf und damit die Blätter 05 bis 08, die Rosette, die beiden Treppen und die Wintergärten.
Deshalb steht dieser Weg nicht in der Tabelle auf Blatt 10 e. Dort werden vier Aufbauten für dasselbe Haus verglichen; Weg E ist ein anderes Haus. Verglichen wird er hier — und nur auf den Ebenen, auf denen beide etwas gemeinsam haben.
Er hat die dünnste Wand von allen fünf Wegen. Mit 150 mm PU-Sprühschaum kommt der Aufbau auf 164 mm und erreicht denselben U-Wert wie die 765 mm des Steinbaus. Rechnerisch. Der Vorbehalt steht weiter unten.
Er etappiert besser als jeder andere Weg. Blatt 09 baut darauf, dass zuerst eine Einheit steht und später weitere dazukommen. Beim Wabenhaus heisst das: erste Zelle mit sechs Aussenwänden, deren Innenwände später nach aussen wandern. Beim Container heisst es: eine Kiste hinstellen. Die nächste kommt, wenn Geld da ist. Das ist keine Näherung an modulares Bauen, das ist modulares Bauen.
Er steht auf acht Punkten. Ein Container trägt über seine Eckbeschläge, nicht über die Wände. Punktfundamente statt Streifen unter 18 Facetten — auf einer knappen Parzelle und für einen Rückbau ohne Spuren ist das ein echter Vorteil.
Und der Rohstoff ist billig. Zwölf gebrauchte High Cubes kosten weniger als der Wandaufbau einer einzigen Zelle in Naturstein.
Abb. 39 — Zwölf 40-Fuss-High-Cubes in zwei Ebenen decken das Raumprogramm. Daneben eine Wabenzelle im gleichen Massstab. Das Baufeld wird deutlich kleiner als beim Wabenhaus — die Kiste ist kompakter, aber sie ist auch schmaler, als ein Raum sein möchte.
Der Stahl ist eine durchgehende Wärmebrücke. Corten leitet Wärme rund tausendmal besser als Zellulose. Der U-Wert oben ist die Idealrechnung durch die Fläche; die Wellblechrippen, die Eckpfosten und die Rahmen sind darin nicht enthalten. Real liegt der Wert spürbar darüber, und die kalten Stellen sitzen dort, wo Kondensat entsteht.
Deshalb ist die Dämmung dampfdicht und geklebt. Die Praxislösung ist PU-Sprühschaum direkt auf die Stahlhaut — weil jede andere Innendämmung eine Dampfsperre braucht, deren kleinste Undichtigkeit zu Tauwasser auf dem Stahl führt. Das ist zugleich die Stelle, an der dieser Weg mit dem Bericht kollidiert:
🛑 Weg E bricht die Regel aus Blatt 10 a. Dort steht: jede Schicht muss sich zurückbauen lassen, ohne die langsamere darunter zu zerstören — und daraus folgte „geschraubt statt verklebt“. Beim Container sind Tragwerk, Aussteifung und Hülle ein einziges Bauteil, das sich nicht in Schichten zerlegen lässt, und der Schaum verbindet sich unlösbar damit. Ein so ausgebauter Container ist am Ende weder Container noch Rohstoff, sondern Sondermüll. Die Wiederverwendung — das beste Argument des ganzen Weges — wird durch seine eigene Bauweise aufgebraucht.
Jeder Ausschnitt ist Stahlbau. Die Wellblechwand steift den Container aus. Wer ein Fenster hineinschneidet, nimmt Tragfähigkeit weg und muss einen Rahmen einschweissen. Wer zwei Container zu einem Raum verbinden will, schneidet eine Längswand heraus und braucht einen Portalrahmen. Genau hier verschwindet der Preisvorteil: Die Kiste ist billig, die Öffnung nicht.
Der Raum ist schmal und niedrig. Innen bleiben 2,35 m Breite; nach der Dämmung 2,05 m. Das ist schmaler als jedes Zimmer dieses Programms, und es ist der Grund, warum Containerbauten fast immer zu zweit oder zu dritt zusammengeschnitten werden — womit man wieder beim Stahlbau ist. Bei der Höhe rettet nur der High Cube das Projekt: Nach Boden- und Deckendämmung bleiben 2,40 m lichte Höhe. Mit einem Standardcontainer wären es unter 2,10 m.
Und die Masse fehlt. Blatt 10 a hat die Stampflehmwand in der Mitte eingeplant, weil dem leichten Haus sonst die Speichermasse für Laterne und Abwärme fehlt. Der Container ist noch leichter. Im Sommer heizt sich eine gedämmte Stahlkiste unter dem Zeltdach-losen Flachdach schnell auf; ohne Masse und ohne Verschattung wird das ein Klimagerät nach sich ziehen — das, was Weg C in Gando gerade vermeidet.
| Wabenhaus — Weg A | Container — Weg E | |
|---|---|---|
| Grundform | Sechseck, 120°, 7 + 1 Zellen | Rechteck, 40 Fuss High Cube |
| Baustein | Zelle 36,5 m² im Achsmass | Kiste 29,7 m² Aufstandsfläche |
| Nutzbar je Baustein | 31,9 m² | 24,1 m² (19 % geht an Stahl und Dämmung) |
| Anzahl für das Programm | 7 Zellen | 12 Container |
| Nutzfläche gesamt | 223,0 m² — sieben Zellen im Erdgeschoss, ohne die zweigeschossige Mitte | 288,9 m² — alle 12 Kisten, beide Ebenen |
| Lichte Höhe | frei wählbar, Traufe 3,00 m | 2,40 m — nach Boden- und Deckendämmung |
| Wanddicke | 430 mm | 164 mm — der dünnste Aufbau von allen |
| U-Wert Wand | 0,163 | 0,161 rechnerisch — real schlechter (Rippen, Rahmen, Eckpfosten) |
| Masse | 22 t Wände | 47 t Kisten (Tara) |
| Fundament | Streifen oder Punkte unter 18 Facetten | acht Punktlasten je Container |
| Grundfläche | Baufeld 20,5 × 30,1 m | 14,6 × 12,2 m bei 6 je Ebene, zwei Ebenen |
| Bauzeit Rohbau | Tafeln vorgefertigt, Aufbau in Tagen | Ausbau in der Halle, Aufstellen an einem Tag |
| Etappieren | Zelle für Zelle, Innenwände wandern nach aussen | Kiste für Kiste — der stärkste Punkt dieses Weges |
| Öffnungen | Tafel ist ohnehin gestossen, kein Sonderaufwand | jeder Ausschnitt schwächt die tragende Haut → Stahlrahmen einschweissen |
| Rückbau | geschraubt, sortenrein trennbar | Schaum verklebt mit der Haut; Container danach Schrott |
| Regel aus Blatt 10 a | Schichten nach Wechselrate — erfüllt | 🛑 Tragwerk und Hülle sind ein Bauteil — nicht trennbar |
| Kosten | 126–164 kCHF Aussenwand | 30–54 kCHF für die Kisten, 433–751 kCHF fertig ausgebaut |
Container-Masse nach dem 40-Fuss-High-Cube (ISO 668). Nutzflächen und Anzahl sind gerechnet, Preise sind Annahmen. Die Zeile „fertig ausgebaut“ ist der ehrliche Vergleichswert — der Rohcontainer allein sagt nichts.
Der Weg ist verführerisch, weil er günstig aussieht und weil er das Etappierungsproblem elegant löst. Beides stimmt nur bis zur ersten Öffnung. Danach zahlt man Stahlbau, und man zahlt ihn zwölfmal.
Der schwerere Einwand ist aber nicht der Preis, sondern die Haltung. Dieses Haus ist als Übersetzung einer Software-Architektur entworfen: Schichten nach Wechselrate, jede für sich austauschbar, nichts verklebt. Der Container ist das genaue Gegenteil — ein Monolith, bei dem Tragwerk, Aussteifung und Hülle dasselbe Blech sind. Er wäre in diesem Bericht ein Fremdkörper, und zwar ein begründeter.
Wo der Container trotzdem richtig ist: als Etappe 0 anstelle des Wintergartens — eine einzelne Kiste als Werkstatt und Materiallager während der Bauzeit, ungedämmt, unverändert, danach weiterverkauft. Dafür braucht es keinen Ausschnitt, keinen Schaum und keine Bewilligung für ein Gebäude. Genau das, was ein Container gut kann: eine Kiste sein.
Die Blätter 10 a bis 10 f haben eine Frage beantwortet und eine andere übergangen. Sie halten die Wabe fest und tauschen den Wandaufbau — als wäre die Form gegeben und das Material eine Füllung. So arbeitet aber kein Baustoff. Jedes Material hat eine Form, in der es am wenigsten Widerstand leistet, und in den Blättern zuvor musste sich jedes in eine Form fügen, die für ein anderes gedacht war.
Dieses Blatt dreht die Frage um: Wie sähe das Haus aus, wenn nicht das Raster, sondern der Baustoff den Ausschlag gäbe? Gleiches Programm, gleicher Ort, gleiche 287 m² — aber jede Bauart darf die Gestalt annehmen, die zu ihr passt.
Bevor fünf neue Formen antreten, gehört ein Missverständnis ausgeräumt. Man könnte vermuten, das Sechseck sei umständlich und deshalb teuer. Das stimmt nicht.
Die Wabe braucht 0,26 Laufmeter Aussenwand je Quadratmeter Grundfläche. Die sparsamste der fünf materialgerechten Formen — der gewölbte Block in Stein — kommt auf 0,30, die übrigen liegen darüber. Das Sechseck ist nach dem Kreis die beste Flächenpackung, und das bleibt es auch hier. Sein Preis steht woanders: bei 18 Aussenecken von je 120°, gegen vier rechte Winkel beim Riegel.
Die Wabe ist also keine schlechte Geometrie. Sie ist eine Organisationsform: Sie beantwortet, wie ein Haus wächst, wie Zellen aneinanderstossen, wie eine Mitte entsteht. Was sie nicht beantwortet, ist die Frage, wie ein Bauteil gefügt wird — und genau dort entstehen die Kosten. Der 21-cm-Eckständer aus Blatt 10 a, die zugehauenen Ecksteine aus 10 b, die Sonderschalung aus 10 c: Alle drei sind Fügungskosten, keine Flächenkosten.
Damit ist die Wahl klarer, als sie aussieht. Wer die Wabe behält, kauft Kompaktheit und Wachstumslogik und bezahlt mit achtzehn stumpfen Ecken. Wer sie aufgibt, bekommt einfache Fügung und verliert die Eigenschaft, die dieses Haus überhaupt zu einer Rosette gemacht hat.
Abb. 40 — Fünf Grundrisse im gleichen Massstab, jeder für seinen Baustoff entworfen. Dünne Linien sind tragende Wände oder Stützenachsen; die helle Fläche bei C ist der Dachüberstand, bei E sind es die überdachten Zwischenräume.
Rechtwinklig, weil die Platte rechtwinklig ist. Alle Masse liegen auf dem Takt von 1,25 m — kein Verschnitt, kein Sonderteil, kein Eckständer im stumpfen Winkel.
Tragwerk: Zwei tragende Längswände, Deckenbalken spannen 4,4 m — die billigste Spannweite im Holzbau.
Unten: Aufgeständert auf Punktfundamenten. Kein Erdkontakt, kein Keller, spurloser Rückbau.
Oben: Flach geneigtes Pultdach, eine Richtung, keine Kehle.
Wachsen: In der Länge, Takt für Takt. Die Stirnwand wandert.
Gedrungen und kompakt, weil jede Aussenwand teuer ist. Drei Gewölbeschiffe à 4,5 m — der Stein arbeitet unter Druck, also spannt er im Bogen, nicht im Balken.
Tragwerk: Vier tragende Längswände, dazwischen Tonnengewölbe. Öffnungen klein, im Bogen überfangen.
Unten: Massiv auf dem Erdreich, hoher Sockel. Das Gewicht will Grund unter sich.
Oben: Leichter Dachstuhl über dem Gewölbe, oder begehbare Terrasse.
Wachsen: Kaum — ein Gewölbe schiebt seitlich. Dieses Haus baut man einmal ganz und nutzt es dann um.
Lang und gerade, weil die Schalung wandert. Vier Ecken statt achtzehn — jede Ecke ist beim Stampfen ein Sonderteil, jede gerade Bahn ist Wiederholung.
Tragwerk: Tragende Längswände, 500 mm gestampft. Öffnungen klein und tief in der Laibung.
Unten: Hoher Sockel aus Stein, weit auskragendes Dach — guter Schuh, guter Hut. Ohne beides hält Lehm nicht.
Oben: 1,5 m Überstand rundum. Das ist keine Geste, das ist der Witterungsschutz der Wand.
Wachsen: In der Länge. Die Schalung ist schon da, das nächste Feld kostet nur Arbeit.
Ein Stützenraster von 3,75 m — dieselbe Zahl wie die Wabenfacette, aber rechtwinklig. Das Skelett trägt, die Ausfachung füllt; beides bleibt sichtbar getrennt.
Tragwerk: Holzskelett in beiden Richtungen, Gefache mit Stampflehm. Zwei Geschosse ohne Weiteres.
Unten: Punktfundamente unter den Stützen, Sockel nur unter den Ausfachungen.
Oben: Satteldach über dem Raster, Sparren in Stützenachse.
Wachsen: Feld für Feld in beide Richtungen. Ein Gefach lässt sich auch wieder ausräumen.
Nicht zusammenschweissen, sondern Abstand lassen. Zwischen je zwei Kisten liegt eine Zone derselben Breite unter demselben Dach — dort entsteht der Raum, den die Kiste nicht hat, und keine tragende Wand muss aufgeschnitten werden.
Tragwerk: Jede Kiste trägt sich selbst über acht Eckbeschläge. Das Dach spannt zwischen den Reihen.
Unten: Punktfundamente unter den Eckbeschlägen. Sonst nichts.
Oben: Ein durchgehendes leichtes Dach über allem — es macht die Zwischenräume nutzbar und beschattet die Kisten.
Wachsen: Eine Kiste hinstellen. Das Dach wächst mit.
| A — Holzrahmen | B — Stein | C — Erde | D — Hybrid | E — Container | |
|---|---|---|---|---|---|
| Form | Der aufgeständerte Riegel | Der gewölbte Block | Der lange Riegel unter dem grossen Dach | Das Fachwerkraster | Die Reihe mit Zwischenräumen |
| Grundfläche | 153,1 m² | 183,6 m² | 147,0 m² | 168,8 m² | 178,3 m² |
| Geschosse | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 |
| Nutzfläche | 269,5 m² | 323,1 m² | 258,7 m² | 297,0 m² | 288,8 m² |
| deckt das Programm | 94 % | 113 % | 90 % | 103 % | 101 % |
| Aussenecken | 4 | 4 | 4 | 4 | 24 |
| Aussenwand je m² Grund | 0,34 lfm | 0,30 lfm | 0,38 lfm | 0,31 lfm | 0,98 lfm |
| Taktmass | 1,25 m | 4,50 m | 3,50 m | 3,75 m | 2,44 m |
| Tragwerk | Zwei tragende Längswände, Deckenbalken spannen 4,4 m — die billigste Spannweite im Holzbau. | Vier tragende Längswände, dazwischen Tonnengewölbe. Öffnungen klein, im Bogen überfangen. | Tragende Längswände, 500 mm gestampft. Öffnungen klein und tief in der Laibung. | Holzskelett in beiden Richtungen, Gefache mit Stampflehm. Zwei Geschosse ohne Weiteres. | Jede Kiste trägt sich selbst über acht Eckbeschläge. Das Dach spannt zwischen den Reihen. |
| Bodenanschluss | Aufgeständert auf Punktfundamenten. Kein Erdkontakt, kein Keller, spurloser Rückbau. | Massiv auf dem Erdreich, hoher Sockel. Das Gewicht will Grund unter sich. | Hoher Sockel aus Stein, weit auskragendes Dach — guter Schuh, guter Hut. Ohne beides hält Lehm nicht. | Punktfundamente unter den Stützen, Sockel nur unter den Ausfachungen. | Punktfundamente unter den Eckbeschlägen. Sonst nichts. |
| Dach | Flach geneigtes Pultdach, eine Richtung, keine Kehle. | Leichter Dachstuhl über dem Gewölbe, oder begehbare Terrasse. | 1,5 m Überstand rundum. Das ist keine Geste, das ist der Witterungsschutz der Wand. | Satteldach über dem Raster, Sparren in Stützenachse. | Ein durchgehendes leichtes Dach über allem — es macht die Zwischenräume nutzbar und beschattet die Kisten. |
| Erweitern | In der Länge, Takt für Takt. Die Stirnwand wandert. | Kaum — ein Gewölbe schiebt seitlich. Dieses Haus baut man einmal ganz und nutzt es dann um. | In der Länge. Die Schalung ist schon da, das nächste Feld kostet nur Arbeit. | Feld für Feld in beide Richtungen. Ein Gefach lässt sich auch wieder ausräumen. | Eine Kiste hinstellen. Das Dach wächst mit. |
Grundfläche, Nutzfläche, Ecken und der Wandkennwert sind aus den Geometrien gerechnet; die Nutzfläche mit pauschal 12 % Wandanteil, bei den Containern aus dem Nettomass der Kisten. Tragwerk, Bodenanschluss und Dach sind Entwurfsaussagen, keine Rechenergebnisse.
Vier der fünf Formen sind Rechtecke. Das ist kein Mangel an Vorstellungskraft, sondern die Antwort der Baustoffe: Die Platte ist rechtwinklig, die Schalung ist gerade, das Skelett steht im Raster, die Kiste ist genormt. Nur der Stein hätte gern die Gewölbetonne, und auch er baut sie in einen rechteckigen Block.
Die Container-Form ist die einzige, die sich wirklich neu erfindet. Kisten mit Abstand unter einem gemeinsamen Dach lösen genau das Problem, an dem Blatt 10 f den Weg hat scheitern lassen: Der Raum, den die Kiste nicht hat, entsteht zwischen den Kisten — ohne dass eine tragende Wand aufgeschnitten werden muss. Der Preis steht in der Tabelle: fast dreimal so viel Aussenwand je Quadratmeter wie bei allen anderen. Das ist der Grund, warum diese Form gut aussieht und schlecht heizt.
Der Lehmriegel ist die konsequenteste Form. Vier Ecken, eine wandernde Schalung, ein weit auskragendes Dach, ein hoher Sockel — jede Entscheidung folgt direkt aus dem Material. Er ist zugleich die Form, die am wenigsten nach diesem Verein aussieht: ein langes Haus, das nicht wächst, sondern verlängert wird.
Die eigentliche Entscheidung liegt eine Ebene höher. Die Wabe ist gewählt worden, weil sie beschreibt, wie der Verein wächst — Zelle für Zelle, um eine Mitte herum (Blatt 04). Diese fünf Formen wachsen anders: in der Länge, im Raster, gar nicht. Wer die Form dem Material folgen lässt, entscheidet damit auch, wie das Haus sich künftig verändern darf. Das ist keine Materialfrage mehr, sondern eine über die Organisation.
Für die nächste Runde heisst das: nicht „welches Material“, sondern zuerst „welche Wachstumslogik“. Bleibt sie zellular, bleibt die Wabe richtig, und dann ist Weg D der Baustoff mit dem geringsten Widerstand — sein Ständer sitzt ohnehin in der Ecke. Wird sie linear, ist der Lehmriegel die ehrlichste Antwort, und die Blätter 05 bis 08 wären neu zu schreiben.
Diese fünf Grundrisse sind Prinzipskizzen, keine Entwürfe. Sie zeigen Proportion, Tragrichtung und Wachstumsrichtung — nicht Räume, nicht Erschliessung, nicht Öffnungen. Ein ausgearbeiteter Vergleich bräuchte je Form eine eigene Möblierungsprobe, wie sie Blatt 07 für die Wabe geführt hat.
Blatt 09 hat gezeigt, dass eine Zelle kein Siebtel kostet: Fixkosten fallen einmal an, und die erste Zelle hat sechs Aussenwände statt drei. Blatt 10 g hat fünf Formen danebengestellt, die jede anders wachsen. Beides zusammen ergibt eine Frage, die in keinem der Blätter steht.
Wer in Etappen baut, baut Wände, die später keine Aussenwände mehr sind. Sie werden zu Innenwänden oder sie fallen ganz. Was mit dieser Wand geschieht, unterscheidet die Formen stärker als ihr Material.
Abb. 41 — Erste Etappe gefüllt, Vollausbau als dünne Linie, und dick die Wand, die beim Weiterbauen ihre Aufgabe verliert. Bei B gibt es keine erste Etappe: Das Gewölbe schiebt seitlich, dieses Haus wird einmal ganz gebaut.
| · Wabe | A — Holzrahmen | B — Stein | C — Erde | D — Hybrid | E — Container | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Erste Etappe | 36,5 m² Grundfläche | 54,7 m² Grundfläche | 183,6 m² Grundfläche | 49,0 m² Grundfläche | 84,4 m² Grundfläche | 89,2 m² Grundfläche |
| Aussenwand der Etappe | 22,5 lfm | 30,0 lfm | 54,6 lfm | 28,0 lfm | 37,5 lfm | 39,0 lfm |
| davon später überflüssig | 11,3 lfm (50 %) | 8,8 lfm (29 %) | — | 7,0 lfm (25 %) | 11,3 lfm (30 %) | — |
| Was damit geschieht | versetzt — weil alle Facetten gleich lang sind, passt jede Tafel an jede Stelle. Blatt 09 sieht sie deshalb als abschraubbare Tafeln vor, die nach aussen wandern. | abgerissen — die Stirnwand ist ein Sonderteil und passt nirgends sonst hin | entfällt — dieses Haus wird nicht etappiert, sondern einmal ganz gebaut | abgerissen — gestampfter Lehm lässt sich nicht versetzen | ausgeräumt — die Ausfachung fällt, das Skelett bleibt und trägt weiter | entfällt — es wird nichts zurückgebaut, nur angestellt |
| Wie es weitergeht | Zelle für Zelle um die Mitte | in der Länge, Takt für Takt | gar nicht; ein Gewölbe schiebt seitlich | in der Länge, die Schalung steht schon | Feld für Feld in beide Richtungen | eine Kiste hinstellen, das Dach wächst mit |
Die Zahlen fallen anders aus, als man erwarten würde. Die Wabe hat mit Abstand den höchsten Anteil: Von den sechs Aussenwänden der ersten Zelle liegen drei im Vollausbau innen — die Hälfte. Beim Riegel sind es 29 %, beim Lehmriegel 25 %, bei den Containern nichts.
Danach müsste die Wabe der schlechteste Weg sein, um schrittweise zu bauen. Sie ist der beste, und der Grund steht schon auf Blatt 08:
Weil alle achtzehn Facetten gleich lang sind, passt jede Tafel an jede Stelle. Die drei Wände, die innen zu liegen kommen, werden nicht abgerissen, sondern abgeschraubt und nach aussen versetzt — genau so sieht es Blatt 09 für die erste Zelle vor. Beim Riegel ist die Stirnwand ein Sonderteil, das nirgendwo sonst hinpasst; beim Lehmriegel lässt sich gestampfte Erde überhaupt nicht versetzen.
Damit kehrt sich der Befund aus Blatt 10 g um, ohne ihn aufzuheben. Dort kostete die Gleichteiligkeit der Wabe achtzehn stumpfe Ecken. Hier zahlt dieselbe Gleichteiligkeit zurück: Sie ist der Grund, warum die Wand wandern kann statt zu verfallen. Was bei der Fügung teuer ist, ist beim Wachsen billig.
Zwei Formen brauchen diesen Kunstgriff gar nicht. Beim Container wird nichts zurückgebaut, sondern nur angestellt — er ist die einzige Bauart, bei der eine Etappe wirklich nichts kostet, das später verloren geht. Und beim Fachwerkraster fällt nur die Ausfachung: Das Skelett bleibt stehen und trägt weiter, ein Gefach lässt sich ausräumen wie eine Schublade.
Der Gegenpol ist der Steinbau. Ein Gewölbe schiebt seitlich, und dieser Schub braucht ein Widerlager — eine Aussenwand, die man später nicht einfach öffnet. Blatt 10 b hat das als Einschränkung notiert; im Etappenvergleich wird daraus ein Ausschluss. Weg B ist nicht etappierbar, er verlangt die volle Summe am Anfang. Für einen Verein, dessen Finanzierung noch offen ist, ist das der härteste Einwand von allen — härter als der Preis je Quadratmeter.
Aus Blatt 10 g stand die Frage im Raum, ob das Wachstum zellular oder linear gedacht ist. Dieses Blatt beantwortet sie nicht, aber es macht den Preis der beiden Antworten sichtbar:
Zellular heisst: hoher Anteil versetzter Wand, dafür wächst das Haus in jede Richtung und behält seine Mitte. Das setzt voraus, dass die Tafeln wirklich schraubbar ausgeführt werden — sonst ist der Vorteil nur behauptet. Linear heisst: weniger Verlust je Etappe, aber jede Erweiterung geht nur an einem Ende weiter, und das Haus hat keine Mitte, sondern einen Anfang und ein Ende.
Beides ist vertretbar. Nicht vertretbar wäre, die Wabe zu behalten und die Tafeln fest zu verbauen — dann bezahlt man die achtzehn Ecken und bekommt die Gegenleistung nicht.
Als Nächstes offen: Blatt 09 beziffert die Kostenleiter für die Wabe (erste Zelle 186–282 kCHF, jede weitere 71–103). Für die vier anderen Formen fehlt diese Leiter. Sie wäre der nächste Schritt — und sie braucht mehr als eine Rechnung aus der Geometrie, nämlich Richtpreise, die zu diesem Ort und diesem Jahr passen.
Acht Blätter lang ging es um Material. Bevor daraus eine Entscheidung wird, gehört die Frage gestellt, wieviel davon überhaupt am Geld hängt.
Die Antwort steht schon in Blatt 09, man muss sie nur zu Ende rechnen. Dort kostet die Aussenwand der ersten Zelle — 67,5 m² — zwischen 36 und 47 kCHF. Auf dieser Zahl beruhen alle folgenden: Weg A ist daran geeicht, die übrigen sind relativ dazu skaliert. Eine zweite Preisbasis nebenher hätte den Bericht in zwei Wahrheiten gespalten.
Abb. 42 — Die Bausumme je Weg. Der dunkle Streifen am Anfang ist alles, was die Materialentscheidung überhaupt berührt.
| Weg A — Holzrahmen | Weg B — Stein | Weg C — Erde | Weg D — Hybrid | |
|---|---|---|---|---|
| Aussenwand je m² | 533–696 CHF | 1150–2150 CHF | 880–1650 CHF | 640–1200 CHF |
| Erste Zelle, nur Wände | 36–47 kCHF | 78–145 kCHF | 59–111 kCHF | 43–81 kCHF |
| Alle Aussenwände | 126–164 kCHF | 272–508 kCHF | 208–390 kCHF | 151–284 kCHF |
| Mehrkosten gegenüber A | — | +146–344 kCHF | +82–225 kCHF | +25–119 kCHF |
| Bausumme | 880–1270 kCHF | 1026–1614 kCHF | 962–1495 kCHF | 905–1389 kCHF |
| Aufschlag auf die Bausumme | — | +17 bis +27 % | +9 bis +18 % | +3 bis +9 % |
| Wandanteil an der Bausumme | 14–13 % | 26–31 % | 22–26 % | 17–20 % |
| von Weg A unterscheidbar? | — | ja, sicher teurer | ja, sicher teurer | 🛑 nein — die Spannen überlappen |
Basis: Bausumme in Weg A 0,88–1,27 Mio (Blatt 08), Wandposition aus Blatt 09. Die Aufschläge betreffen nur die Aussenwände — Fundament und Decken ändern sich mit der Masse zusätzlich, das ist hier nicht eingerechnet und geht zulasten der schweren Wege.
Erstens: Die Aussenwand ist rund ein Siebtel der Bausumme. Bei Weg A sind es 13 bis 14 Prozent. Alles andere — Fundament, Decken, Dach, Fenster, Technik, Ausbau, Honorare, Anschlüsse — hängt nicht daran, woraus die Wand besteht. Wer die Baukosten dieses Hauses ernsthaft senken will, findet an der Wand nicht genug.
Zweitens: Der teuerste Weg kostet gut ein Viertel mehr. Naturstein schlägt mit 17 bis 27 Prozent auf die Bausumme durch, Stampflehm mit 9 bis 18. Das ist erheblich, aber es ist keine andere Grössenordnung — es ist derselbe Bau, nicht ein anderes Vorhaben.
Drittens, und das ist der wichtigste Befund: Zwischen Weg A und Weg D lässt sich mit diesen Zahlen nicht entscheiden. Die Spannen überlappen — 126–164 gegen 151–284 kCHF. Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist kleiner als die Unsicherheit der Schätzung. Wer behauptet, das Fachwerk sei „teurer als der Holzbau“, sagt mehr, als diese Rechnung hergibt.
Die Materialfrage entscheidet sich nicht am Preis — jedenfalls nicht zwischen den beiden aussichtsreichsten Wegen. Sie entscheidet sich an dem, was die Blätter davor aufgeschrieben haben: an der Speichermasse, die dem leichten Haus fehlt (10 a), am Anteil, den der Verein selbst bauen kann (10 c), an der Rückbaubarkeit (10 e) und daran, wie das Haus wächst (10 h).
Für Stein und Lehm liegt der Fall anders: Beide sind sicher teurer, und zwar deutlich. Sie brauchen deshalb ein Argument, das den Aufschlag trägt — beim Lehm ist es der Aushub vor Ort und die Eigenleistung, beim Stein wäre es die Dauerhaftigkeit über Jahrhunderte. Ob dieses Argument zählt, ist keine Rechenfrage.
Was diese Rechnung nicht kann. Sie skaliert eine einzige belastbare Zahl aus Blatt 09 mit Faktoren, die auf Richtpreisen und Referenzbauten beruhen — nicht auf Offerten für dieses Haus an diesem Ort. Die Spannen sind bewusst breit, und sie sind trotzdem zu schmal: Fundament und Decken wachsen mit der Masse mit, die Ecken kosten je Bauart Verschiedenes, und die Eigenleistung verschiebt alles noch einmal. Der nächste Schritt ist hier kein weiteres Blatt, sondern eine Kostenschätzung von jemandem, der in dieser Gegend baut.
Damit ist die Materialreihe so weit gerechnet, wie sie sich ohne Grundstück und ohne Planer rechnen lässt. Was offen bleibt, steht auf Blatt 11 — und die grösste Lücke ist dort unverändert dieselbe wie vorher: Es gibt kein Grundstück.
Bewusst nicht wegdiskutiert. Was hier steht, ist ungelöst — nicht nebensächlich.
Das Kartonmodell steht auf Blatt 06 als „empfohlen ★", mit der Begründung, man probiere am Bildschirm nicht aus, was passiert, wenn die Zellen anders liegen. Genau dafür braucht es keine Abwicklung des ganzen Hauses, sondern eine Zelle, sieben- bis zehnmal ausgedruckt — und dann einen Tisch.
Der Massstab hat sich dabei geändert, und das ist ein Befund. Blatt 06 schlug 1:50 vor; das stammt aus der Zeit, als die Facette 2,90 m mass. Bei 3,75 m wäre die Wandbahn einer einzigen Zelle 45 cm lang — drei Blätter A4, geklebt — und das fertige Haus 39 cm breit. Bei 1:100 passt eine ganze Zelle auf ein Blatt quer, und das Haus wird 19,5 cm gross: ein Ding, das man in eine Hand nimmt und umlegt. Die Zellgrösse hat also nicht nur die Kosten geändert, sondern auch, wie man über den Entwurf reden kann.
Die Abwicklung ist zugleich eine Prüfung: was sich nicht in die Ebene legen lässt, existiert gebaut auch nicht. Zwei Zahlen fallen dabei heraus, die keine Zeichnung bisher zeigt — der Dachgrat von der Traufecke zur Spitze misst 3,357 m, und ein Dachdreieck öffnet sich abgewickelt um 67,9°. Sechs davon ergeben 407° — mehr als eine volle Umdrehung. Das Zeltdach lässt sich deshalb nicht als ein Stück auslegen; es braucht zwei Hälften. Wer das übersieht, schneidet einen Fächer aus, der sich beim Kleben selbst überlappt.
Abb. 35 — Der Bogen für eine Zelle, Massstab 1:100. Auf A4 quer bei 100 % ausdrucken, nicht „an Seite anpassen" — sonst stimmt der Massstab nicht mehr. Die Wandbahn wird zum Sechseck geschlossen, das Dach besteht aus zwei Fächern, weil sechs Dreiecke nebeneinander mehr als eine volle Umdrehung ergeben und sich überlappen würden. Das Dach wird nicht geklebt — es liegt auf. So kann man hineinschauen, und man kann dieselbe Zelle einmal mit Zeltdach und einmal mit Deckel zeigen.
Was man damit prüft, und was nicht. Das Modell beantwortet Anordnungsfragen: ob der Ring auch mit sechs Zellen trägt, wie eine Etappe aussieht, wo die Wintergärten sitzen könnten, was passiert, wenn man eine Zelle wegnimmt. Es beantwortet keine Höhenfragen — Empore, Laterne und Terrassenbrüstung sind darin nicht enthalten, und die beiden Wintergärten schon gar nicht: sie bestehen nur aus Balken und lassen sich nicht abwickeln, weil sie keine Flächen haben.
Alle Blätter bis hierher rechnen im Freifeld. Blatt 11 nennt das seit jeher als grösste Lücke: Es gibt kein Grundstück, und deshalb kennt die Besonnung keine Nachbarn, die Kostenleiter keine Erschliessung und der Entwurf keine Bauordnung.
Das ändert sich. Es gibt jetzt eine konkrete Parzelle in Tägerwilen von rund 3170 m², die für dieses Haus in Frage kommt. Nummer und E-GRID stehen bewusst nicht auf dieser Seite — das Grundstück gehört jemand anderem, und eine öffentlich abrufbare Absichtserklärung kann eine spätere Verhandlung belasten. Für die Prüfung genügt die Fläche.
🛑 Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Das steht nicht mehr als Vermutung da, sondern als Auszug aus dem ÖREB-Kataster des Kantons — dem rechtsverbindlichen Register der Eigentumsbeschränkungen. Er nennt für das Grundstück zwei Einträge: Nutzungsplanung: Landwirtschaftszone (Lw), 100 % und Lärmempfindlichkeitsstufe III, 100 %.
Damit ist die Frage entschieden, und zwar negativ. In der Landwirtschaftszone ist nur zonenkonform, was der Landwirtschaft dient (Art. 16a RPG). Ein Vereinsgebäude gehört nicht dazu — daran ändert weder die Grösse der Parzelle noch die Höhe des Hauses etwas. Auf diesem Grundstück lässt sich nicht bauen, solange es nicht eingezont wird, und eine Einzonung ist ein politischer Prozess mit eigenem Zeithorizont, kein Planungsschritt.
Korrektur. Eine frühere Fassung dieses Blattes hielt fest, der ÖREB-Kataster lasse sich „nur über die Kartenoberfläche abfragen, nicht maschinell“. Das war falsch — es lag am angesteuerten Host. Der Kanton Thurgau stellt einen JSON-Auszug bereit, der auf die E-GRID-Nummer antwortet. Die Zonenaussage oben stammt aus dieser Quelle und ersetzt den vorher hier zitierten Übersichtsdatensatz des Bundes, der zum selben Ergebnis kam, aber nicht verbindlich ist.
Die Prüfung gegen die Zonenwerte unten bleibt trotzdem stehen. Sie beschreibt, was der Entwurf braucht — und sie gilt, sobald eine Bauzone feststeht, hier oder anderswo.
Aus den Geodiensten des Bundes lässt sich einiges ohne Ortstermin ablesen. Das Gelände liegt auf rund 411 bis 414 m über Meer und steigt über die Länge des Grundstücks nur etwa drei Meter — ein Gefälle von rund 1,6 %, praktisch eben. Für ein Haus, das auf Punktfundamenten steht und dessen Terrassen auf einer Ebene liegen sollen, ist das die günstigste Ausgangslage; ein Hang hätte den Entwurf aus Blatt 06 erheblich verändert.
Das Grundstück ist unbebaut und grenzt direkt an eine Gemeindestrasse — Erschliessung wäre also keine Erschliessung über fremdes Land. Seine Ausdehnung ist mit rund 190 × 100 m allerdings viel grösser als seine Fläche: Das Grundstück ist kein kompaktes Rechteck, sondern schmal und langgezogen. Ob das Baufeld von gut 620 m² hineinpasst, entscheidet damit nicht die Fläche, sondern der Zuschnitt — und das lässt sich erst mit der genauen Parzellengeometrie beantworten.
Das Baureglement der Gemeinde arbeitet nicht mit der Ausnützungsziffer, sondern mit der Baumassenziffer — Kubikmeter Bauvolumen je Quadratmeter Grundstück. Dazu kommen Gesamthöhe, Grenzabstände und, in den kleineren Zonen, eine begrenzte Gebäudelänge.
Der Entwurf bringt rund 930 m³ Bauvolumen mit (sieben Zellen bis zur Traufe, die Mitte ein zweites Mal, fünf Zeltdächer), eine Firsthöhe von 6,80 m und ein Baufeld von 20,53 × 30,15 m mit beiden Wintergärten beziehungsweise 19,49 × 18,75 m ohne sie.
| Zone | BMZ | zulässiges Volumen | Gesamthöhe | Höhe ok? | Gebäudelänge | Länge ok? |
|---|---|---|---|---|---|---|
| W1.4 — Wohnzone 1.4 | 1,4 | 4439 m³ → 21 % genutzt | 11,00 m | ja | 30 m | mit nein · ohne ja |
| W1.6 — Wohnzone 1.6 | 1,6 | 5074 m³ → 18 % genutzt | 11,50 m | ja | 30 m | mit nein · ohne ja |
| W2.3 — Wohnzone 2.3 | 2,3 | 7293 m³ → 13 % genutzt | 15,00 m | ja | 40 m | mit ja · ohne ja |
| D — Dorfzone | — | keine Ziffer | 16,00 m | ja | 30 m | mit nein · ohne ja |
| WA1.8 — Wohn- und Arbeitszone 1.8 | 1,8 | 5708 m³ → 16 % genutzt | 12,50 m | ja | 40 m | mit ja · ohne ja |
| WA2.5 — Wohn- und Arbeitszone 2.5 | 2,5 | 7928 m³ → 12 % genutzt | 15,00 m | ja | 50 m | mit ja · ohne ja |
| Oe — Zone für öffentliche Bauten und Anlagen | — | keine Ziffer | 17,00 m | ja | — | keine Grenze |
| Lw — Landwirtschaftszone | — | keine Ziffer | 11,50 m | ja | — | gegenstandslos — nicht zonenkonform |
Zonenwerte abgeschrieben aus der Masstabelle des Baureglements Tägerwilen (Fassung 2014, Stand 2020); die Prüfung darunter ist gerechnet. „mit“ und „ohne“ meint: mit beiden Wintergärten oder nur die Rosette.
Die Baumasse ist kein Engpass — nicht einmal annähernd. Selbst in der dichtesten der geprüften Wohnzonen nutzt der Entwurf nur rund ein Fünftel des zulässigen Volumens, in den grösseren Zonen ein Achtel. Auf 3170 m² könnte vier- bis achtmal so viel Bauvolumen stehen, wie dieses Haus braucht. Das ist eine gute Nachricht für die Etappierung aus Blatt 09: Auch ein späterer Anbau, ein zweites Bauwerk für den Saal (Variante C) oder eine Werkstatt hätten Luft.
Die Höhe ist unkritisch. 6,80 m First gegen 11,00 m zulässige Gesamthöhe in der niedrigsten Zone — das Haus bleibt in jeder geprüften Zone deutlich darunter. Auch die Traufe von 3,00 m liegt weit unter den zulässigen Fassadenhöhen.
🛑 Die Gebäudelänge reisst — und zwar genau wegen der Wintergärten. In den Wohnzonen W1.4 und W1.6 sowie in der Dorfzone sind 30,00 m zulässig. Der Entwurf misst mit beiden Wintergärten 30,15 m. Fünfzehn Zentimeter. Ohne die Wintergärten passt er in jede geprüfte Zone.
Diese Zahl ist im Bericht nicht neu. Blatt 06 d nennt die Nord-Süd-Ausdehnung von 30,15 m ausdrücklich „die Zahl, an der der Entwurf an einer knappen Parzelle zuerst scheitert“. Damals war das eine Vermutung über den Platz. Jetzt ist es eine Grenze im Reglement — und sie trifft nicht die Fläche, sondern die Länge.
Drei Auswege stehen offen, und sie sind unterschiedlich aufwendig:
Erstens: die Auslegungsfrage. Das Reglement behandelt Klein- und Anbauten gesondert. Ob zwei reine Balkenkonstruktionen mit Pultdach, unbeheizt und ohne Fundament, überhaupt zur Gebäudelänge zählen, ist keine Rechenfrage — das entscheidet die Baubehörde. Fällt die Antwort günstig aus, ist der Punkt erledigt.
Zweitens: fünfzehn Zentimeter finden. Der Nordwintergarten müsste um diesen Betrag schmaler werden oder enger ans Haus rücken. Bei einem Pultdach von 3,20 auf 2,20 m über eine Tiefe von rund 3,5 m ist das keine Katastrophe — es ist eine Detailänderung, keine Entwurfsänderung.
Drittens: die Zone. Liegt die Parzelle in einer Wohn- und Arbeitszone (40–50 m) oder in der Zone für öffentliche Bauten (keine Längenbegrenzung), stellt sich die Frage gar nicht. Das ist der Grund, warum der ÖREB-Auszug der nächste Schritt ist und nicht eine weitere Rechnung.
Eine Beobachtung am Rand. Die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen kennt weder eine Baumassenziffer noch eine Gebäudelänge, erlaubt 17 m Gesamthöhe und verlangt nur 5 m Grenzabstand auf allen Seiten. Für ein Vereinsgebäude wäre das die sachlich passende Zone — aber eine Umzonung ist ein politischer Prozess mit eigenem Zeithorizont, kein Planungsschritt. Sie gehört auf die Liste, nicht in den Zeitplan.
Wenn dieses Grundstück ausfällt, verschiebt sich die Frage von „passt das Haus hierhin?“ zu „wo passt es überhaupt?“. Parallel zu diesem Bericht ist dafür ein Prüfer entstanden, der Grundstücke aus der amtlichen Vermessung holt, ihre Zone aus der Nutzungsplanung liest, die bebauten aussortiert und für den Rest ausrechnet, ob das Baufeld mit den nötigen Abständen hineinpasst — bei Bedarf gedreht.
Über fünfundzwanzig Gemeinden der Region ergab das 1598 Treffer, von denen nach Abzug der bebauten Grundstücke und der Zonen, die kein Gebäude zulassen, 101 übrig bleiben. Achtzig davon liegen in der Grössenordnung, die für dieses Haus sinnvoll ist — gross genug für das Baufeld von gut 620 m², klein genug, um bezahlbar zu bleiben.
Zehn dieser Kandidaten liegen in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Das ist genau die Zone, die weiter oben als die sachlich passende für ein Vereinsgebäude auffiel: keine Baumassenziffer, keine Begrenzung der Gebäudelänge, 17 m Gesamthöhe, 5 m Grenzabstand ringsum. Was dort vorher eine theoretische Beobachtung war, ist damit eine Liste. In der Wunschgemeinde selbst sind acht unbebaute Kandidaten übrig, allerdings überwiegend in Arbeitszonen.
Die Auswahl ist damit nicht getroffen — eine Zone, die ein Gebäude zulässt, sagt nichts über Preis, Verfügbarkeit, Lage im Ort oder darüber, ob jemand verkaufen will. Aber die Frage ist jetzt eine der Auswahl und nicht mehr eine der Hoffnung.
Die Reihenfolge ergibt sich aus dem Hebel:
Der ÖREB-Auszug für die Parzelle — er beantwortet Zone, Lärmempfindlichkeitsstufe und allfällige weitere Eigentumsbeschränkungen in einem Dokument, und er entscheidet, ob die Längenfrage überhaupt besteht.
Die Parzellenform. 3170 m² sagen nichts über den Zuschnitt. Bei 4 m kleinem und 8 m grossem Grenzabstand bleibt von einem schmalen Grundstück wenig übrig, von einem gedrungenen viel. Das Baufeld dieses Hauses ist mit gut 620 m² ein Fünftel der Parzelle — der Zuschnitt entscheidet, ob es hineinpasst und wie es ausgerichtet werden kann.
Der Baugrund. Er entscheidet über mehr als die Fundamente: Die Wege C und D aus Blatt 10 c und 10 d haben ihr Hauptargument im Aushub vor Ort. Stimmt die Körnung nicht, fällt es weg, und beide Wege verlieren genau das, was sie von Weg A unterschieden hat.
Die Nachbarbebauung — die Besonnungsrechnung aus Blatt 11 läuft bisher ohne Umgebung. Mit einer konkreten Lage liesse sich prüfen, ob die acht Stunden, in denen beide Terrassen Sonne haben, überhaupt erreicht werden.